Waldthurn
01.06.2026 - 15:12 Uhr

Trauer in Waldthurn: Herbert Glatter im Alter von 78 Jahren verstorben

Waldthurn trauert um Herbert Glatter, den "Mann an der Kirchentür". Als Gründungsmitglied der „Seilzieher“ prägte er die Region nachhaltig. Geschätzt wurde er von vielen auch wegen seiner Hilfsbereitschaft und seiner Geselligkeit.

Die Menschen in und um Waldthurn trauern um Herbert Glatter. Der weithin bekannte und geschätzte Waldthurner ist am 22. Mai, kurz vor Pfingsten, im Alter von 78 Jahren verstorben. In der Pfarrkirche St.-Sebastian nahmen nun viele von ihm Abschied. Pfarrer Norbert Götz zelebrierte die Trauermesse, die musikalisch vom Kirchenchor unter der Leitung von Manuela Grünauer und Organist Georg Schmidbauer gestaltet wurde. Pfarrer Götz nannte Glatter den „Mann an der Kirchentür“. Bei Gottesdiensten in der Pfarrkirche hatte er seinen festen Platz am Eingang. Von dort aus behielt er, auch zur Unterstützung seiner Frau Maria, die viele Jahre Mesnerin war, alles im Blick – und griff sofort ein, wenn irgendwo etwas technisch nicht funktionierte. Mit großem Geschick und einem untrüglichen Gespür für Fehlerquellen brachte er Dinge wieder in Ordnung, an denen andere längst gescheitert waren. Für die Pfarrgemeinde war er laut Pfarrer Götz damit so etwas wie ein „15. Nothelfer“.

Herbert Glatter wurde am 20. Dezember 1947 geboren. Seine Kindheit verbrachte er zunächst in Woppenrieth und später in Waldthurn, wo die Familie 1951 ein Haus an der Neuenhammerstraße bezog. Dort wuchs er auf und besuchte die Schule. 1962 begann er bei der Firma Merkl in Weiden eine Ausbildung zum Autoschlosser. Nach dem Wehrdienst und beruflichen Stationen bei Detag, Mitras und Flachglas blieb er seinem Beruf bis zu seinem Renteneintritt im September 2011 treu.

Leidenschaftlicher Tüftler

Am 3. Juli 1971 heiratete er auf dem Fahrenberg seine Frau Maria, die aus Spielberg stammt. Die enge Verbundenheit mit dem Ort zeigte sich auch später: Er saß gerne „auf dem Bankerl“ beim Wirtsheiner, beobachtete das Dorfleben oder traf sich mit Freunden zum geselligen Austausch. Auch seinen Sonntagsfrühschoppen beim Gipfelwirt am Fahrenberg wollte er nicht missen. Ein Markenzeichen war sein Roller, mit dem er in Waldthurn und Umgebung unterwegs war. Glatter tüftelte leidenschaftlich gerne und fand für nahezu jedes Problem eine Lösung. Auch im Umgang mit neuer Technik, etwa am Computer, bildete er sich eigenständig weiter.

Als Gründungsmitglied der „Seilzieher der Fahrenbergauswahl“ gehörte der „Zecky“, wie er genannt wurde, zu den prägenden Figuren der erfolgreichen Mannschaft der 1980er Jahre. Er stand am Seil wie ein Baum und verkörperte die bis heute geltende Fahrenberg-Power der Seilzieher. Früher musizierte er zudem in verschiedenen Formationen und spielte auf seinem Schifferklavier gerne die „Binsenlou“. Besonders am Herzen lag ihm seine Familie: seine beiden Söhne Bernd und Holger sowie sein geliebter Enkel Bruno, zu dem er eine enge Beziehung hatte.

Immer zur Stelle

Vor wenigen Wochen verschlechterte sich Herbert Glatters Gesundheitszustand dramatisch. Im Beisein seiner Familie ist er schließlich friedlich eingeschlafen. Bürgermeister Georg Bocka nahm am Waldthurner Friedhof im Namen der Vereinsgemeinschaft Abschied. Glatter war seit 60 Jahren Mitglied beim Schützenverein Waldthurn. Mit ihm verliert die Region einen hilfsbereiten, technisch versierten und zugleich geselligen Menschen. Er war immer zur Stelle, wenn man ihn brauchte – oft leise im Hintergrund wirkend, doch von unschätzbarem Wert für das Leben in der Gemeinde.

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