29.11.2019 - 08:22 Uhr
WaldthurnOberpfalz

Waldthurn und Hostau wachsen zusammen

Die beiden Gemeiden Waldthurn und Hostouň (Hostau) feiern 15 Jahre lebendige Partnerschaft. Sie ziehen eine beeindruckende Bilanz.

Josef Forster (Mitte am Pult) stellt beim Festakt den deutsch-tschechischen Bildband "15 Jahre lebendige Partnerschaft" vor.
von Franz VölklProfil

Festlicher Anlass mit vielen Gästen: Am Mittwoch hatte der Markt Waldthurn unter der Federführung von Bürgermeister Josef Beimler die tschechische Partnerstadt Hostouň / Hostau in das Waldthurner Rathaus eingeladen, um das 15-jährige Partnerschaftsjubiläum mit einem Festakt zu begehen. Neben dem Hostauer Bürgermeister Miroslav Rauch waren dessen Stellvertreter Karel Brabec und Milos Hutkay, der Stadtrat, die Leiterin des Hostauer Kindergartens und eine Vertreterin der Schule aus Böhmen angereist.

Eine Abordnung der "Historisch Hochfürstlichen Grenadiergarde der Gefürsteten Grafschaft Sternstein“, das Marktgremium, Pfarrer Norbert Götz und Vertreter der Vereine waren ebenfalls im Rathaus anwesend. Auch die Rektorin der Wolfgang-Caspar Printz Grundschule, Carina Hartwig, und die Leiterin der Kita St. Josef, Sonja Kick, machten ihre Aufwartung.

Musikalisch zeigte sich die Bläsergruppe um Konstantin Stahl, Lukas Kleber, Sebastian Daubenmerkl, Simon Schwab und Renate Voit instrumental für den Festakt verantwortlich. Die Gruppe Triangel mit Doris Völkl, Andrea Götz und Steffi Daubenmerkl sorgten für einen gesanglichen Rahmen. So sangen sie neben der wahren Freundschaft ein Oberpfälzer Kartoffellied, das sie teilweise zur Würdigung ihrer Freunde jenseits der Grenze und zu deren Freude in tschechischer Sprache intonierten. „Das ist das erste Mal, dass ich in den letzten 15 Jahren ein Lied über die Oberpfalz in tschechischer Sprache gehört habe“, meinte Bürgermeister Rauch.

Der Heimatkundliche Arbeitskreis (HAK) Waldthurn begleitete den Festakt mit einer Ausstellung, die 15 Jahre Partnerschaft beleuchtet. Der Vorsitzende des HAK, Georg Schmidbauer, erklärte, dass man die verschiedenen Ebenen der Partnerschaft in Wort und Bild aufzeigen wolle. Sein Stellvertreter Josef Forster habe passendes Bildmaterial gesammelt und auf zehn Tafeln mit Hilfe von Rainer Sollfrank zusammengestellt. „Schuld ist immer der Bürgermeister“, meinte Forster ganz freundschaftlich, als er kurz den Bildband vorstellte. Auf 128 Seiten platzierte er unter dem Titel „15 Jahre lebendige Partnerschaft – 15 let proziteho partnerstvi“ den zweisprachigen Bildband mit 300 Fotos, der die Aktivitäten der letzten 15 Jahre dokumentiert.

Gastgeber Bürgermeister Josef Beimler sagte, dass diese Partnerschaft lebt, von gegenseitigem Respekt und einem freundschaftlichen Miteinander geprägt ist. Es sei ein Glücksfall gewesen, dass der damalige Bürgermeister Franz Bergler auf der Suche nach einer Partnerschaft auf die Stadt Hostouň gestoßen sei. Niemand konnte damals ahnen, dass sich im Laufe der Jahre eine der besten Partnerschaften zwischen Bayern und Böhmen entwickeln würde. Angefangen bei den Kleinsten in den Kindergärten und Schulen, über die Vereine bis hin zu den politischen Gremien stehen ständige Kontakte und eine herzliche Zusammenarbeit auf der Tagesordnung.

Beimler zitierte seinen tschechischen Bürgermeisterkollegen Rauch „Eine Welt ohne Freunde ist eine Welt ohne Sonne“. Allein dieser Satz sage alles über die Zusammenarbeit. Beimler gedachte in seiner Rede der leider verstorbenen Janka Gollwitzer. „Ohne sie und ihren eindrucksvollen Einsatz voller Herzblut gäbe es die Partnerschaft so wie sie heute ist nicht“. Beimler dankte dem beim Festakt als Dolmetscher fungierenden Partnerschaftsbeauftragten Uli Völkl, den beiden Auslandsbeauftragen Maria Greim und Georg Bocka sowie der „Ständigen Vertretung in Hostau“ mit Dieter Zeus, Franz Pflaum, Helmut Gollwitzer und Hermann Weig.

Die beiden Kommunen tauschten Geschenke aus. So erhielt die tschechische Delegation eine große Flagge in den Waldthurner Farben und eine Silbermünze "800 Jahre Waldthurn". Beimler durfte eine große Luftaufnahme der Ortschaft Hostau in Empfang nehmen.

Rauch ging auf einige wichtige Jubiläen ein, die in der Tschechischen Republik in diesem Jahr gefeiert werden. Er nannte unter anderem 600 Jahre Prager Fenstersturz, 150 Jahre böhmische Feuerwehr, 101 Jahre Gründung des tschechischen Staates, das Ende des zweite Weltkrieges vor 75 Jahren, erste Mondlandung vor 50 Jahren und vor 20 Jahren trat Tschechien der Nato bei. Rauch meinte in seiner sehr launigen Rede, dass es in seinem Heimatland alljährlich am 25. November eine Feier des internationalen "Tags des Nichtkaufens" gebe. Schließlich nannte Rauch als Höhepunkt für seinen Ort den 15. Jahrestag der Unterzeichnung des Partnerschaftsabkommen zwischen Hostouň und Waldthurn.

Das Hostauer Stadtoberhaupt glänzte mit einigen bayerischen Redenarten wie „Hanswurst, Holz vor der Hütte oder Koi Weib koi Gschrei“, die er in den eineinhalb Jahrzehnten gelernt hatte. Rauch erinnerte an den 13. März 2004, an dem man den Partnerschaftsvertrag unterzeichnet hatte. Viele Unternehmungen habe man gemeinsam durchgeführt. Regelmäßig treffen sich die beiden Kindergärten, die Schulen, Feuerwehrleute, Gemeinderäte, Sportler oder auch Senioren. Viele Ausflüge standen auf dem Programm.

Der tschechische Bürgermeister dankte allen, die an der Partnerschaft aktiv beteiligt sind. „Vor allem die verstorbene Janka Gollwitzer war die Seele und der Motor der Partnerschaft in den ersten Jahren“. Nun sei Uli Völkl der entsprechende Antrieb, der regelmäßig nach Hostau komme.

Bevor der halbrunde Geburtstag beim Malermichl gebührend mit musikalischer Unterhaltung der Waldthurner "Hulzstoussboum" gefeiert wurde, trugen sich alle in das Goldene Buch der Marktgemeinde Waldthurn ein.

Schon am Vormittag waren Hostauer Grundschüler nach Waldthurn gekommen und wurden mit Gesang der Klasse 2/3 empfangen. Sie tauschten Geschenke aus und machten in der Turnhalle gemeinsam Sport. Einige deutsche und tschechische Nachwuchskünstler wurden äußerst kreativ und malten zwei große Kunstwerke, auf denen jeweils ein Grenzübergang zu sehen ist. Pflanzen symbolisieren jeweils Waldthurn und Hostau die damals durch den Eisernen Vorhang getrennt waren und wieder zusammenwachsen. Ein Bild bleibt in Waldthurn, das andere nahmen die Hostauer mit nach Böhmen und hängen es dort in ihrer Bildungseinrichtung auf.

Die Schulkinder beider Partnergemeinden zeigen ihre grenzüberschreitenden Kunstwerke.
Die Teilnehmer beim Eintrag in das Goldene Buch der Marktgemeinde Waldthurn.

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