26.09.2019 - 15:09 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

10.000 Euro Strafe für 300 Gramm Drogen

Mit 22 Monaten Freiheitsstrafe zur Bewährung, 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit und einer Geldauflage von 10.000 Euro ahndete das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Hubert Windisch den Besitz einer großen Menge Rauschgifts.

Symbolbild.
von Autor RNSProfil

Die ungewöhnlich hohe Geldauflage deswegen, weil der Verurteilte Zugriff auf das große Familienvermögen hat. „Einem Hartz-IV-Empfänger gegenüber wäre es ungerecht, wenn ich Ihnen die gleichen 1000 oder 1500 Euro auferlegen würde wie ihm“, stellte Windisch in der Urteilsbegründung fest.

Der Weidener war von einer Polizeistreife auf der A 93 als Mitfahrer eines VW Passat kontrolliert worden. Zuerst wollte sich keiner der drei Autoinsassen zu dem weißen Stoffbeutel mit knapp 300 Gramm Haschisch und Marihuana darin bekennen, den die Beamten im Kofferraum gefunden hatten. Als zwei der Insassen an Drogentests bereitwillig mitwirkten und diese negativ verliefen, der 30-Jährige aber diesen verweigerte, war schnell herausgefunden, wem der Beutel gehörte – und die Drogen darin. In der Wohnung des jungen Manns wurden bei einer Durchsuchung weitere 13 Gramm Marihuana und 21 Gramm Haschisch entdeckt. Bei solch einer großen Gesamtmenge wird von den Gerichten regelmäßig Drogenhandel unterstellt. Vor dem Ermittlungsrichter bestritt der Mann dies jedoch energisch. Er habe es aufgrund des familiären Reichtums „nicht nötig, damit zu handeln“.

Nach einigen Tagen in Untersuchungshaft entschloss sich der Mann – gut beraten durch Rechtsanwalt Franz Schlama – zu einem Geständnis. Dieses wiederholte er am Donnerstag im Gerichtssaal. Er habe über viele Jahre etwa sieben Gramm Marihuana pro Tag konsumiert, handle aber nicht damit, sagte er. In Berlin, wo er wegen eines Fahrzeugkaufs mit viel Geld in der Tasche gewesen sei, habe er sich einen Vorrat für mehrere Monate angelegt. Einen wissenschaftlichen Disput bezüglich der Glaubwürdigkeit des behaupteten hohen Konsums gab es zwischen Dr. Bernd Schwarze vom forensischen Institut der Universität Erlangen und einem von den Eltern des Angeklagten aufgerufenen Professor aus Mailand. Letzterer zweifelt die Methoden des ständig bei Drogenprozessen als Sachverständiger tätigen Schwarze an. Dessen Aussage, dass man aus der untersuchten Haarprobe auf geringeren Rauschgiftkonsum als angegeben schließen könne, sei nicht richtig. Es gebe eine zu hohe Fehlerquote. Richter Windisch sagte später im Urteil, dass die Häufigkeit des Konsums wahrscheinlich „irgendwo in der Mitte“ liegen wird. Landgerichtsarzt Dr. Bruno Rieder bezeichnete den Angeklagten als „schwer süchtig“. Seine Krankheit sei allerdings auch mit einer ambulanten Therapie in den Griff zu bekommen.

Rechtsanwalt Schlama wies darauf hin, dass sich sein Mandant vom Rauschgift abgewandt hat und bei der Caritas schon Beratungsgespräche führt. Für Handeltreiben gebe es keine Anhaltspunkte. Staatsanwältin Sandra Dechant gab zu, dass eine Verkaufstätigkeit des Angeklagten nicht nachweisbar sei. Sie plädierte auf die von Windisch und den Schöffen schließlich ausgesprochene Strafe. Zusätzlich wurde dem Ledigen auferlegt, weiterhin zur Drogenberatung zu gehen, dreimal jährlich Drogenscreenings abzuliefern und sich zwei Jahre lang einem Bewährungshelfer zu unterstellen.

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