04.10.2018 - 14:44 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

29-Jähriger betrügt Arbeitgeber

Mit frei erfundenen Reklamationszahlungen ergaunerte sich der Mitarbeiter einer Autoteile-Versandfirma innerhalb von zwei Jahren knapp 80 000 Euro. Nur durch Zufall wurde die Sache entdeckt.

von Autor hczProfil

Von Februar 2016 bis April 2017 arbeitete der 29-jährige gelernte Metzger bei der florierenden Autoteile-Firma, die je ein Callcenter in Weiden und Kirchenthumbach betreibt. Bei bis zu 17 000 Bestellungen täglich werden bis zu 1000 Reklamationen von zehn Mitarbeitern großzügig bearbeitet, erfuhr man in der Verhandlung vor dem Schöffengericht am Donnerstag. Bis zu einer gewissen Summe konnte der Callcenter-Mitarbeiter selbstständig entscheiden, ob dem Anspruch eines Kunden stattgegeben wird. Dann konnte er, ohne dass weiter geprüft wurde, die Zahlung anweisen.

So kam dem Mann aus dem westlichen Landkreis Neustadt/WN die Idee, sich etwas von dem Firmenerfolg abzuzweigen. Auf sein eigenes und auf ein weiteres, auf den Namen seiner Mutter eröffnetes, Konto ließ er Summen zwischen 100 und 1000 Euro für völlig frei erfundene Reklamationen überweisen. Dabei nutzte er, in einigen Fällen, auch den Account von Mitarbeiterinnen.

Geld für Reisen und BMW

Ans Licht kamen die Transaktionen nur dadurch, dass ein Kunde mit Überschreitung seines Limits konfrontiert wurde und man bei der Überprüfung bemerkte, dass zahlreiche Firmen ihre Erstattungen auf das gleiche Konto bekommen hatten.

Schon in den ersten Vernehmungen durch die Kriminalpolizei hatte sich der Ledige geständig gezeigt. Das ergaunerte Geld hatte er für Reisen, seinen 7er-BMW und ein VIP- Ticket für den FC Bayern München verbraucht.

Angeklagter zahlt zurück

Mittlerweile zahlt er, als Service-Bereichsleiter einer Lebensmittelkette, monatlich 750 Euro an die geschädigte Firma zurück. 250 Euro muss er Unterhalt für ein Kind zahlen. 450 Euro kostet seine Miete. Nachdem ihm nun nur 200 Euro monatlich zum Leben bleiben, ist "Schluss mit dem Leben auf großem Fuß". Staatsanwältin Sandra Dechant hielt dem Angeklagten zwar seine Bemühung um Schadenswiedergutmachung und sein Geständnis zugute, beantragte aber, wegen der enormen Schadenshöhe, drei Jahre Freiheitsstrafe. Rechtsanwalt Hilmar Lampert (Bayreuth) hob insbesondere hervor, dass die fehlenden Sicherheitsmechanismen der Firma es seinem Mandanten leicht gemacht hatten. Der Verteidiger plädierte auf eineinhalb Jahre zur Bewährung.

Richter Hubert Windisch und die beiden Schöffen würdigten die "Bemühungen um Schadenswiedergutmachung bis zum Äußersten". 210 Fälle des gewerbsmäßigen Betrugs, die mit jeweils sechs bis zwölf Monaten geahndet wurden, hätten zusammen 142 Jahre Freiheitsstrafe ergeben. Aus den Einzelstrafen bildete das Schöffengericht eine Gesamtstrafe von zwei Jahren, die angesichts der mildernden Umstände zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Die noch nicht zurück gezahlten 72 000 Euro und die Verhandlungskosten werden den Mann noch einige Zeit belasten.

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