10.11.2021 - 19:01 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

2G-Regel im Hallensport für Jugendliche vorerst vom Tisch: Vereine trotzdem in Sorge

Hautnah miterleben müssen die Vorstände der Sportvereine in Weiden und dem Landkreis Neustadt das Regel-Wirrwarr rund um Corona. Erst heißt es, 2G gilt auch für Kinder ab 12 in der Halle. Tags darauf: doch nicht. So reagieren die Vereine.

Dieses Schild am TC Postkeller hing nur wenige Stunden am Eingang. Denn mittlerweile dürfen auch wieder ungeimpfte Kinder ab 12 Jahren am Sport teilnehmen. Vorerst.
von Vanessa Lutz Kontakt Profil

Erst so, dann so: Nur 13 Stunden lang gelten am Dienstag jene Regeln, die bei den Vorsitzenden der Sportvereine in Weiden und im Landkreis Neustadt zunächst für blankes Entsetzen gesorgt haben. Denn nachdem die Corona-Ampel auf die Stufe "Rot" gesprungen ist, sollte in Bayern ab sofort für Vereinsmitglieder ab 12 Jahren die 2G-Regel beim Hallensport gelten - damit hätten nur noch geimpfte oder genesene Jugendliche am Vereinssport im Inneren teilnehmen dürfen.

"Katastrophal" wäre das gewesen, sagt Jens Maschke, Nachwuchstrainer vom Eishockeyverein (EV) Weiden. Verzweifelt klingt er am Dienstagvormittag - und trifft den Nerv vieler seiner Kollegen, mit denen Oberpfalz-Medien ebenfalls gesprochen hat. Denn den Sportvereinen wäre mit dieser Regelung auf einen Schlag ein Großteil der Jugendlichen weggefallen, weiß Maschke. Viele unter 18-Jährige seien ungeimpft. Die Regelung käme deshalb einem "de facto Sportverbot" für den Nachwuchs gleich.

"2G bricht Vereinen das Genick"

"Das Genick brechen" würde diese 2G-Regel für den Nachwuchs auch dem Faschingsverein Narrhalla Windischeschenbach, erklärt Vorstandsmitglied Jennifer Zeitler. Auf einen Schlag wäre es vorbei mit dem Training der jungen Garden, weil zu viele ab 12 Jahren nicht geimpft sind. Zig Auftritte im Fasching wären damit hinfällig.

Vorerst aber ist die Gefahr gebannt. Denn bayernweit regte sich großer Widerstand gegen die Pläne. Ministerpräsident Markus Söder ruderte am Dienstagnachmittag zurück: Die 2G-Regel für Mitglieder von Sportvereinen ab 12 Jahren soll zwar kommen - aber erst nach einer Frist bis zum 31. Dezember diesen Jahres. Stand jetzt.

Die erste Panik hat sich deshalb bei der Narrhalla Windischeschenbach gelegt. Bange ist es den meisten trotzdem noch, sagt Vorstandsmitglied Jennifer Zeitler. "Die Sicherheit all unserer Mitglieder ist wichtig, und wir müssen uns an die Regeln halten." Aber was ist im kommenden Jahr? "Unser Inthronisationsball ist am 8. Januar, danach folgen weitere Veranstaltungen, und wir können nichts planen." Darüber hinaus hätte auch der Nachwuchs Bedürfnisse: "Die Kinder brauchen ihre Freizeit und den Zusammenhalt."

Elternhaus muss entscheiden

Die Vorsitzende des Schwimmvereins (SV) Weiden, Ilona Forster, sagt: "Gefühlt ändert sich alles jeden Tag." Käme die 2G-Regel tatsächlich, würde beim SV die Jugendsparte zusammenbrechen. "Das ist übel." Deshalb hofft sie auch, dass die verschärfte Regelung zum Januar nicht in Kraft treten wird. Dennoch spricht sie sich für den Piks gegen Corona aus: "Ich bin allgemein für die Impfung." Aber der Schwimmverein nehme bestimmt keinen Einfluss auf Impfentscheidungen. "Das muss das jeweilige Elternhaus selbst entscheiden."

Gnadenfrist bis Ende 2021. Das sorgt bei Willi Merkl für Erleichterung pur: "Gott sei Dank geht es erstmal weiter." Denn der Bezirksvorsitzende der Oberpfälzer und Abteilungsleiter der Neustädter DJK Basketballer sowie Hygienebeauftragter dort weiß, wäre die Regel so bestehen geblieben, wäre es vor allem bei der U 14 "problematisch" geworden. Das Team tritt überbezirklich gegen die Konkurrenz an. "Aber wie hätte man auf die Schnelle eine Mannschaft aufstellen sollen, wenn der Großteil wegfällt?", fragt sich Merkl.

Unverständnis bei der Umsetzung

Grundsätzlichere Gedanken macht sich der Nachwuchstrainer des EV Weiden. Wieder einmal werde die Debatte auf dem Rücken der Jüngsten ausgetragen, erklärt Maschke. "In den Schulen werden die Kinder dreimal getestet, sie dürfen sich morgens in den vollen Bus setzen und gemeinsam im Unterricht lernen. Aber der Vereinssport, wo flächendeckend getestet wird, soll für Ungeimpfte untersagt werden. Das versteht kein Mensch mehr." Unbegreiflich ist für den Eishockeytrainer auch die Definition "Indoor-Sport" vom Freistaat: "Da wird ein 40 Quadratmeter Fitnessstudio in einen Topf geworfen mit einem riesigen Eishockeystadion, in dem sich aktuell zehn Spieler zum Training treffen." Wohl auch mit Blick auf das Auslaufen der Frist Ende des Jahres treibt Maschke zudem vor allem auch folgender Gedanke um: "Was, wenn die Kinder die Impfung wollen, die Eltern es aber nicht erlauben?"

Ziemlich gelassen und pragmatisch sieht hingegen Manuela Völkl die Lage. Sie leitet die Geschäftsstelle des Turnvereins Vohenstrauß: "Wir haben schnell reagiert und können das auch jetzt wieder tun." Die Kommunikation untereinander würde sehr zügig funktionieren. "Man muss einfach ganz klar sagen, dass aktuell die 12- bis 16-Jährigen mit am stärksten von Corona betroffen sind", so Völkl. "Wir müssen die Regeln deshalb nun einmal umsetzen, da haben wir keine Handhabe." Für sie sei diese politische Entwicklung, die den Druck auf die jüngeren deutlich erhöht, zu erwarten gewesen.

"Entscheidung ist keine Überraschung"

Das sieht auch Heiko Hauer vom Tennisclub (TC) Postkeller Weiden so: "Dass das so kommen wird, ist doch nun wirklich keine Überraschung", sagt er. Wenngleich es ein herber Schlag gewesen wäre, wenn der Nachwuchs draußen vor der Tennishalle bleiben müsse. Die Trainerin des TV Vohenstrauß stimmt zu: "Natürlich wäre die sofortige Umsetzung von 2G bei Jugendlichen ab 12 Jahren auch für uns ein Rückschlag gewesen." Alleine bei den Schwimmgruppen hätten zwei Drittel von jetzt auf gleich nicht mehr teilnehmen dürfen. Der Wegfall von so vielen Jugendlichen wäre auch beim TC Postkeller wohl zu beklagen gewesen. Dort ist laut Hauer bei den Jugendlichen ab 12 Jahren bisher nur eine "relativ kleine Quote" geimpft.

"Ich denke trotz allem, man darf kein Risiko eingehen", sagt Völkl vom Turnverein Vohenstrauß. Unisono sind sämtliche Vorstände pro Impfung, wie sie sagen. Vor allem Hauer vom TC Postkeller appelliert an die Jungen, sich impfen zu lassen. "Wir brauchen ja eine gemeinsame Lösung - oder wollen wir unsere Hallen wieder nur von außen anschauen?"

Das Gesundheitsamt Neustadt-Weiden kapituliert

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Das gilt nun für Jugendliche

Bei den strengen Maßnahmen, die bei der roten Corona-Ampel gelten, müsse man bei Jugendlichen ab 12 Jahren zwischen aktivem und passivem Part unterscheiden, sagte Ministerpräsident Markus Söder auf der Pressekonferenz am Dienstagmittag.

  • Aktiver Part: Nehmen Jugendliche ab 12 Jahren, die in den Schulen regelmäßig getestet werden, aktiv in Sport- oder Musikvereinen teil, so gilt für sie bis zum 31. Dezember noch nicht automatisch 2G (nur Geimpfte und Genesene). Für alle jüngeren Schüler gilt diese Ausnahme bereits jetzt.
  • *Passiver Part**: Anders gilt für Besuche in Stadien, Clubs, Konzerten und ähnliches. Hier gilt 2G bereits jetzt für Jugendliche ab 12 Jahren.

 

 

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