Update 02.03.2020 - 09:29 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

65 Millionen Euro für die Bundeswehr in Weiden

Die Bundeswehr fährt in Weiden schwere Geschütze auf. Raketenwerfer und schwere Artillerie stehen in der Ostmark-Kaserne. Doch auch finanziell lädt die Truppe durch: Weitere Millionen fließen und werden das Bild der Kaserne verändern.

Kasernenkommandant Oberstleutnant Alexander Schmidt mit dem Bataillonswappen.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Rollt das Gerät, steht es meist auf Waggons. "Wir sind europäisch unterwegs", erklärt Oberstleutnant Sven Zickmantel. Doch Material und Personal des Artilleriebataillons 131 wollen in der Ostmark-Kaserne gut untergebracht sein. Das kostet Millionen. Die Kaserne in Weiden ist die einzige in Bayern, die wächst, zeigt sich der Kommandeur des Artilleriebataillons dankbar. Aber: Die Infrastruktur bleibt in großen Teilen noch auf die langjährige Nutzung als Heeresunteroffizierschule zugeschnitten.

Seit 2014 ist mit dem Artilleriebataillon 131 wieder eine "Kampftruppe" in der Kaserne. Und obwohl bis Jahresende rund 41 Millionen Euro investiert sein werden, warten noch gewaltige Veränderungen auf die Umsetzung. Nach den bisherigen Planungen würde bis 2024 insgesamt eine Summe von gut 65 Millionen Euro erreicht.

Sanitärgebäude im Übungsplatz

Dabei geht es auch um ganz allzu menschliche Bedürfnisse, etwa bei der Ausbildung der Soldaten auf dem Standortübungsplatz Manteler Forst. Dort gibt es keine Toiletten, keine Waschgelegenheiten, nicht mal einen "Donnerbalken". "Muss" ein Soldat, muss er ins Gelände und dann gilt eben "Spaten frei". Das Loch im Boden wird aufgefüllt und unsichtbar gemacht.

Doch in Zeiten, in denen die Bundeswehr als attraktiver Arbeitgeber im Wettbewerb mit anderen Branchen steht, ist dies nicht mehr zumutbar: für 900 000 Euro soll deshalb 2021 auf dem Standortübungsplatz ein modernes Sanitärgebäude - "wie an den Autobahnen" - entstehen. Die Kosten ergeben sich durch die fehlenden Anschlüsse für Strom, Wasser und Abwasser, die noch zu schaffen sind.

Millionen für Kanal und Wärme

Im nächsten Jahr geht's dann auch in der Ostmarkkaserne selbst in die Tiefe. "Wir haben eingebrochene Kanäle." Die Sanierung der Abwasseranlagen steht an. Dafür greift das Staatliche Bauamt tief in die Tasche. Die Arbeiten sind auf 5,6 Millionen Euro veranschlagt, bestätigt Bataillonskommandeur Zickmantel. Dies ist zugleich der höchste Einzelposten im Investitionsplan für die nächsten zwei Jahre.

Das bisher ganz bescheiden an der Kasernenstraße liegende Osttor wird die künftige Hauptzufahrt und erhält deshalb auch ein Wachgebäude.

Bereits im Sommer wird das neue Sanitätsversorgungszentrum bezogen werden. In der Kasernenstraße werden dafür bis Juni 4,3 Millionen Euro investiert sein. Einen Monat später wird der Umbau der benachbarten "Wärmeerzeugungsanlage" und damit ein fast zwei Millionen Euro teures Projekt abgeschlossen.

Aus für das Kino-Gebäude

Im Juli beginnen der Neubau der Halle für die Sanitätszugsunterstützungsgruppe (3,6 Millionen Eur0) und der Abbruch des Gebäudes 16 (fast eine Million Euro), dem dann im Oktober der "Rückbau" des Gebäudes 23 folgt. Dieses Anwesen ist vielen ehemaligen Soldaten in Weiden noch als "Kino" in guter Erinnerung. Der Abbruch des inzwischen sogar als einsturzgefährdet geltenden Altbaus (Risse im Dach) kostet etwa 800 000 Euro. "Die Summen sind so hoch, weil Altlasten im Boden vermutet werden, die zu beseitigen sind", erklärt Zickmantel.

Oberstleutnant Sven Zickmantel führt seit März 2019 das Artilleriebataillon 131.

Heimlich, still und leise geht seit Oktober die Sanierung und Modernisierung der Standortschießanlage im Pressather Wald über die Bühne. Dabei werden die Schießbahnen und Auswertungsanlage den Sicherheitsstandards angepasst. Ende 2021 soll für geschätzte 2,5 Millionen Euro ein "Werkstattgebäude" entstehen, mit dem Räume für Aufsichtspersonal und wartende Soldaten geschaffen werden. Im nächsten Jahr wird der Kleinkaliber-Stand am Standort Weiden "rückgebaut", wofür nach den derzeitigen Planungen etwa 500 000 Euro nötig sind.

Weitere Projekt ab 2021

Zwei weitere Großprojekte starten im Frühjahr 2021 mit dem Neubau eines Lager- und Lehrsaalgebäudes (3,1 Millionen Euro) und der Erweiterung der Hallen für die Heeresinstandsetzung und Logistik (4,8 Millionen Euro). So ganz nebenbei erhält das Kasernenareal eine moderne Einzäunung (in der Frauenrichter Straße bereits erledigt), was etwa eine Million Euro kostet. Dabei wird das Sanitätsversorgungszentrum ins Kasernen-Areal integriert.

Ein Jahr später folgt die Verlegung der Hauptzufahrt von der Frauenrichter- ans Osttor in der Kasernenstraße. Zu diesem 2,7 Millionen Euro teuren Vorhaben gehört die Errichtung eines dort bisher fehlenden Wachgebäudes. Die neue Zufahrt, so Zickmantel, entlaste den Verkehr in der Frauenrichter Straße. Die westliche Ausfahrt in der Nähe zur Autobahn bleibe das Panzertor".

Das neue Sanitätsversorgungszentrum soll noch in diesem Jahr seinen Betrieb aufnehmen.
Weidener Artilleriebataillon 131 übt mit Artilleriebataillon 131 aus Jince/Tschechien:

Die Weidener Artilleristen sind europaweit unterwegs. So berichtet Bataillonskommandeur Oberstleutnant Sven Zickmantel von vier multinationalen Übungen in Litauen, Schweden, Österreich und Tschechien. Hinzu kamen vier Truppenübungsplatzaufenthalte in Deutschland. Spezialisten des Artilleriebataillons 131 sind aber auch nach Afghanistan oder Mali abgestellt.

Die „131-er“ pflegen eine Ausbildungskooperation mit dem tschechischen Heer. Eine Besonderheit dabei ist die Namensgleichheit: Im rund 200 Kilometer entfernten Jince (etwa in der Mitte zwischen Pilsen und Prag) liegt das 13. Artillerieregiment mit den Artillerie-Bataillonen 131 und 132. Die Weidener üben auf dem Truppenübungsplatz Jince. Auch 2020 wird Weidener Geräte per Bahn – darunter die „Haubitze 2000“ – zur Einsatzvorbereitung und Abstimmung sowie Erkundung neuer Räume nach Tschechien verlegt. Ebenso wie in Österreich oder Litauen werden in Tschechien Übungsplätze genutzt. Die intensive Ausbildung mache sich zunehmend am eingesetzten Material und Gerät bemerkbar. Langsam löse sich der Mangel bei den Raketenwerfen auf. „Wir nehmen, was wir bekommen können.“ Allerdings sei erst die Hälfte der vorgesehenen Raketenwerfer bei der Truppe in Weiden angekommen. Die Dienstposten im Bataillon hingegen seien „nahezu komplett besetzt“.

Zur Idee aus der Weidener CSU, auch aufgrund der Namensgleichheit der Artilleriebataillone in Weiden und Jince die Gründung einer deutsch-tschechischen Brigade zu planen, gibt sich Zickmantel noch zurückhaltend. Grundsätzlich sei diese Möglichkeit einer noch tieferen internationalen Zusammenarbeit vorstellbar, wenn sich die taktisch-operativen Notwendigkeiten und der politische Wille ergeben. Allerdings sei darüber bisher keine Diskussion geführt. Der Bataillonskommandeur erinnert zudem an den hohen Aufwand, der für einen derartigen Verband nötig werde.

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.