Ob für einen Spaziergang, zum Verweilen in der Mittagspause auf einer der Ruhebänke oder mit den Kindern zum Toben auf den Spielgeräten - der Max-Reger-Park in Weiden hat für Jeden etwas zu bieten. Und das seit gut 70 Jahren. Zum Beginn des Nordgautages am 6. Juni 1953 wurde die neugestaltete Anlage im Osten der Altstadt samt Springbrunnen an die Bevölkerung übergeben. "Eine herrliche Stätte der Erholung", titelte damals "Der neue Tag" (6.6.1953).
Doch der Reihe nach. Vorläufer des Max-Reger-Parks war eine kleine Anlage am sogenannten Zimmeranger. Dessen Name gehe auf das Bauholz zurück, das dort vor allem für Dachstühle vorbereitet worden sei, weiß Weidens Stadtarchivarin Petra Vorsatz. Von einem Park sei damals noch keine Rede gewesen. "Ihren" Max-Reger-Park haben die Weidener dem damaligen Oberbürgermeister Hans Schelter zu verdanken.
In der kleinen Publikation "Und es entstand eine Idee" beschreibt Schelter, dass er im August 1952 nach einer langen Autofahrt in der Anlage ausruhte – und ihm dabei der Gedanke zu einem "Schmuckstück" für Weiden kam. "Rosen und Blumen sollen blühen (...) aber die Krone von allem soll ein Springbrunnen sein. Triton, Sohn des Poseidon, Augenweide für die Besucher und Mittelpunkt der Anlage", ist in Schelters Büchlein zu lesen. Ein Jahr nachdem er die Idee zu dem Park hatte, habe der damalige OB die neue Anlage der "Obhut der Weidener Bevölkerung" übergeben können.
Wie die Aufzeichnungen und historischen Bilder des Stadtarchivs zeigen, war das Interesse der Bürger groß. So nahmen an den Feierlichkeiten viele Menschen teil. Wie Stadtarchivarin im Gespräch mit Oberpfalz-Medien berichtet, sei bei den Einweihungsfeierlichkeiten im Park die Gymnastikgruppe des Turnerbundes unter der Leitung von Lilly Kraus mit einem "Elfentanz" aufgetreten. "Die Sommerserenaden waren geboren, initiiert von der damaligen Verkehrsdirektorin Ria Kammerer-Guber", sagt Vorsatz.
Ab diesem Zeitpunkt hätten zunächst jährlich zwei bis drei Serenaden stattgefunden. Getanzt worden sei damals noch auf dem Rasen. So hatte zum Beispiel die „Tanz- und Ballettschule Höllriegl“ am 27. Juli 1960 ihren ersten Auftritt. Im Jahr 1984 übernahm Bernhard M. Baron die Aufgaben von Ria Kammerer-Guber. Auf sein Bestreben hin wurde 1985 der Pavillon im Max-Reger-Park errichtet. Von da an sei dieser Pavillon das Podium für die Auftritte von Kapellen, Tanz- und Trachtengruppen, Blechbläserensembles oder Musikkorps gewesen.
Ebenfalls 1984 begann Kulturbüroleiter Bernhard M. Baron mit zehn Serenaden, die in den Sommermonaten jeden Mittwoch Abend die Zuschauer in den Park lockten. Rasch wurden die Veranstaltungen beliebt, so dass man bald dazu überging, nicht nur mittwochs um 19 Uhr sondern auch sonntags um 16 Uhr den Zuschauern Serenaden-Genuss im Park zu bieten. Seitdem gibt es die Sommerserenaden ohne Unterbrechung. Von 2002 bis 2007 sorgte Kulturbüromitarbeiterin Andrea Späth für die Auswahl der Künstler. Anschließend übernahmen Petra Vorsatz, Leiterin des Amtes für Kultur, Stadtgeschichte und Tourismus und ihre Mitarbeiterin Sigrid Schneider die Verantwortung für die Weidener Sommerserenaden.
Seit der Pensionierung Schneiders organisieren Vorsatz und Eventmanagerin Christine Wittmann die Veranstaltungsreihe. "Sogar während Corona haben wir die Serenaden durchgezogen", erinnert sich die Kulturamtschefin. In einer Saison seien fünf verschiedene Sicherheitskonzepte notwendig gewesen. Ein riesen Verwaltungsaufwand. "Wir wollten die Serenaden-Anhänger nicht hängen lassen", betont Vorsatz, denn die seien "sehr sehr dankbar" gewesen.
Wenn auch das Wetter in diesem Sommer nicht immer mitspielte, seien die Leute dagewesen und trotz Regen zu den Konzerten und Aufführungen gekommen. Das Programm, mit dem die Stadt Weiden jeden ansprechen will, bot auch heuer wieder Stilrichtungen von Rock 'n' Roll, Pop, Swing, Latin, Funk und Country sowie Musik der 20er bis 40er Jahre bis hin zu Schlager aus der Zeit des Wirtschaftswunders, Percussion, Dolce Vita und Volksmusik.
Was ist das Geheimnis der Weidener Sommerserenaden? "Es ist die Kombi von Menschen, Draußensein, Freiheit und Gemeinschaftserlebnis", weiß Petra Vorsatz. Und die Besucher schätzen das verstärkte kulinarische Angebot und die Mühe, die sich die Organisatoren machen. Sie ist sicher: Auch beim letzten Konzert der Saison, am Mittwoch, 16. August um 19 Uhr werde wieder "Party-Picknick-Feeling" im Max-Reger-Park aufkommen. Die Italo-Pop-Band "I Dolci Signori" setzt dann, wie in jedem Jahr, mit reichlich "passione, emotoni e musica italiana" den Schlusspunkt der Weidener Sommerserenaden. Sobald der letzte Ton verklungen sein wird, gilt für Petra Vorsatz "Nach dem Spiel ist vor dem Spiel": Gedanklich plane sie schon den Serenaden-Sommer 2024.
Geschichte und Besonderheiten des Max-Reger-Parks
- August 1952: Oberbürgermeister Hans Schelter hat die Idee zu der Parkanlage
- 6. Juni 1953: Feierliche Übergabe des Max-Reger-Parks von OB Schelter an die Bevölkerung
- Springbrunnen: Bronzefigur der griechischen Gottheit Triton mit menschlichem Oberkörper und fischartigem Unterleib, Bildhauer: Josef Gollwitzer
- Max-Reger-Denkmal: Granitblock, Orgelpfeifen nachempfunden, dem Komponisten Max Reger gewidmet, Bildhauer; Josef Gollwitzer
- Nepomuk-Kapelle: Am Eingang zum Park 1738/1756, Bildhauer: Johann Franz Dult aus Nabburg
- Kurt-Schumacher-Allee: Die Allee ging im Laufe der Zeit in den Max-Reger-Park über; markant ist der Storchen-Brunnen
- Vogelvolieren am Stadtmühlbach
- Projektfläche der Stadtgärtnerei auf etwa 300 m²: Erhalt eines möglichst artenreichen und naturnahen Gras-, Blumen- und Kräutersaums






















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