Dieser Beitrag ist Teil einer Serie von Artikeln im Jubiläumsjahr von Oberpfalz-Medien. Viele davon sind in einer Beilage unserer Tageszeitungen am 30. Mai 2026 erschienen.
„Wenn es jemand schafft, dann die Oberpfälzer.“ Nicht nur, was die Wirtschaft angeht, sind die Aussichten im Jahr 2026 eher unsicher. Und doch mag sich Michael Moritz trotz aller gegenwärtigen Herausforderungen seinen „vorsichtigen Optimismus“ nicht nehmen lassen. „Als regelrechtes Stehaufmännchen“ habe sich die Region in der mittel- und langfristigen Perspektive erwiesen, sagt der Wirtschaftswissenschaftler, der am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung arbeitet, einst aber in Schirmitz bei Weiden aufgewachsen ist.
Gerade die vergangenen 80 Jahre belegen Moritz’ Einschätzung. Die Phrase vom „einstigen Armenhaus“ ist durch viele Sonntagsreden zwar zum Klischee geworden – falsch ist sie aber nicht. Das hat der ehemalige Regierungspräsident Wilhelm Weidinger in seinem Text „Die Oberpfalz – Suche nach historischen Entwicklungslinien“ herausgearbeitet. Nach dem Krieg galt Bayern als „stark hinterherhinkendes Land“ und „was für Bayern in der Bundesrepublik galt, muss verstärkt für die Oberpfalz innerhalb Bayerns gelten“. Noch 1972 lag das Bruttoinlandsprodukt im Bezirk um 37 Prozent unter dem deutschen.
Bemerkenswerter Prozess
Danach habe ein bemerkenswerter Aufholprozess eingesetzt, sagt Michael Moritz. Vor allem der Ausbau der Hochschullandschaft, die bessere Verkehrsanbindung und der Fall des Eisernen Vorhangs haben diesen vorangetrieben. Heute falle die Region durch deutlich bessere Arbeitslosenzahlen und eine hohe relative Kaufkraft auf. Denn auch wenn anderswo die Löhne höher sind, können sich die Oberpfälzer dank der vergleichsweise günstigen Lebenshaltungskosten heute überdurchschnittlich viel leisten.
Davon konnte vor 80 Jahren keine Rede sein. Die Nordoberpfalz war nach dem Krieg ländlich geprägt, es gab kaum verarbeitendes Gewerbe. Und was es gab, hatte seine beste Zeit hinter sich: „Der Niedergang der Altindustrien im Bereich Glas, Keramik und Textil zeigte die Schattenseite mit hoher Arbeitslosigkeit und brutalem Strukturwandel, der den Menschen viel abverlangte“, fasst der Leiter der IHK-Geschäftsstelle Nordoberpfalz, Florian Rieder, zusammen.
Zudem litt die Region unter ihrer Lage am Eisernen Vorhang. Das verband die Nordoberpfalz mit dem heutigen Landkreis Schwandorf. Auch hier überwog lange die Landwirtschaft, dazu kamen wenige Industriebetriebe und der Braunkohlebergbau, wie Rieders Schwandorfer Kollege Josef Ebnet beschreibt.
Starke Industrie
Anders stellte sich die Situation im Westen, bei Amberg und Sulzbach-Rosenberg, dar. „Nach 1945 war die Region Amberg und Amberg-Sulzbach stark industriell geprägt, insbesondere durch Erz-, Stahl- und metallverarbeitende Betriebe“, erklärt Yvonne Schieder, Leiterin der IHK-Geschäftsstelle Amberg-Sulzbach. Allerdings hing viel an wenigen großen Unternehmen. „Die Abhängigkeit von wenigen Großbetrieben machte die Region jedoch strukturell anfällig, denn mit der Stahlkrise ab den 1970er Jahren setzte ein tiefgreifender Wandel ein“, erklärt Schieder. „Die Schließung der Maxhütte 2002 markierte dabei einen entscheidenden Einschnitt.“
So scherte die Oberpfalz nach dem Krieg auch nicht direkt auf die ökonomische Überholspur aus. Bis in die 1980er Jahre war überhaupt nicht klar, ob die Region ihren Rückstand zum restlichen Bayern verkürzt oder ob dieser noch weiter wachsen würde. Aus heutiger Sicht hatte aber bereits in den 1970er-Jahren ein Strukturwandel eingesetzt, der damals durchaus kritisch gesehen wurde, von dem die Region aber nach und nach immer mehr profitierte.
Wichtig war der Aufbau einer lokalen Hochschullandschaft, der mit der Gründung der Universität Regensburg Ende der 1960er begann. Für die mittlere und nördliche Oberpfalz war der Start der heutigen OTH Amberg-Weiden in den 1990er Jahren beinahe noch wichtiger. Zu dieser Zeit sorgte die endlich fertiggestellte A 93 für eine bessere Verkehrsanbindung, später kam die A 6 als Ost-West-Verbindung hinzu.
Diese wurde dringend nötig, weil mit dem Fall des Eisernen Vorhangs die Oberpfalz über Nacht vom Randgebiet zum geografischen Zentrum eines neuen Europas wurde. Schon an der Umsatzentwicklung des verarbeitenden Gewerbes lässt sich erkennen, wie sehr die Oberpfalz von der Grenzöffnung profitiert hat. „Ab 1990 erhält die ganze Entwicklung nochmals einen ganz neuen Schub“, sagt Wirtschaftsforscher Moritz dazu.
Hohe Resilienz
Mit den richtigen Weichenstellungen in den Jahren davor hat sich in der Oberpfalz vor allem in den vergangenen knapp 40 Jahren eine „stark mittelständische Industrie mit hoher Spezialisierung und Weltmarktführern, insbesondere in Elektrotechnik, Automotive-Zulieferung und Maschinenbau“ entwickelt. Was Yvonne Schieder für die Amberger Region formuliert, gilt auch für den Raum Schwandorf und den Norden der Oberpfalz.
Dabei hat sich die Region einen mittelständischen Charakter bewahrt, betont Michael Moritz. Viele Firmen werden von Unternehmern geführt, die eine enge Verbindung zu den Mitarbeitern und der Region bewahrt haben, so Moritz. Das sorge für hohe regionale Resilienz, die auch angesichts der aktuell stürmischen Zeiten und Herausforderungen nicht nur Moritz, sondern auch Yvonne Schieder, Josef Ebnet und Florian Rieder für die Zukunft optimistisch macht.


















Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.