14.05.2019 - 18:22 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Abschied vom Haustier lernen

Von wegen sieben Leben. Wenn die Katze stirbt, ist sie mausetot. Eine Kindheitserfahrung, die gelernt werden will. Schlüsselmomente sind mir heute noch in Erinnerung.

Ein Kind der 70er Jahre und sein Haustier "Peter". Unser Autor musste lernen, dass Katzen nicht ewig leben.
von Stefan Zaruba Kontakt Profil

Früher gab es mehr Tiere. Zumindest hat sich das in meiner Wahrnehmung so verfestigt. Katzen streunten damals in der 1970er Jahren um jede Ecke. Hunde nächtigten draußen, was Geheule und Gebell bis in die Puppen bedeutete. Ein besonders mitteilsames Exemplar in der Nachbarschaft hieß "Lumpi". Ein dunkler Dackel-Irgendwas-Verschnitt. Seine abendlichen Ansagen wurden zur gewohnten Geräuschkulisse beim Einschlafen.

Eines Tages war "Lumpi" verstummt. Er war tot. So tot wie irgendwann Tantes Setter "Blackie" und Onkels Terrier "Mufti". Verschwunden aus dem Kindheitsalltag, aber in der Wahrnehmung weit genug weg, um weder zu verstören, noch nachhaltigen Trennungsschmerz auszulösen.

Mit den Katzen im Haus sah das schon anders aus. Ich bin mit kleinen Tigern aufgewachsen. "Peter" - der erste - zählt zu den frühesten Erinnerungen überhaupt. Ihm folgte ein weiterer "Peter", dann ein "Bärle". Allesamt Kuscheltiere im klassischen Sinn. Wie ein Teddy, nur lebendig. Und damit auch sterblich. Vor allem die Todesumstände eines der "Peter" sind mir bis heute schemenhaft vor Augen. Das arme Tier hatte vermutlich irgendwo Gift gefressen. Jedenfalls kam es schwer angeschlagen nach Hause und verkroch sich wankend und zuckend unter der Eckbank in der Küche.

"Peter" war nicht zu retten und erhielt ein Grab im Garten unter Obstbäumen. Auch das Bild habe ich noch vor Augen: der Fleck frischer Erde inmitten des Rasens. Woran ich mich seltsamerweise nicht mehr erinnere, ist die Geschichte, die mir meine Großeltern erzählten. Was nämlich geschah, nachdem "Peter" für mich in der Oberpfälzer Erde verschwunden war. Der kleine Stefan versuchte demnach, sich mit der Spielzeugschaufel aus dem Sandkasten zu seinem Freund unter der Erde vorzubuddeln. Dass Abschied nehmen vom Haustier endgültig ist, war mir als Dreijährigem vermutlich schwer beizubringen.

Einige Jahre später war ich besser vorbereitet. Im Grundschulalter war ich zu einem Hamster gekommen. Ein Freund, der damals nach Berlin wegzog, hatte mir "Flipsy" geschenkt. Ein Geschenk auf Zeit, denn die Lebensdauer von Hamstern ist legendär kurz, was mir aber so nicht bewusst war. Eines Tages lag "Flipsy" tot in seinem Käfig. Und ich als Drittklässler wähnte mich in der Verantwortung, ihm ein angemessenes Begräbnis zukommen zu lassen. So entstand im selben Garten eine Gruft aus Steinplatten. Darin setzte ich den Sarkophag bei. Ein richtiger Schneewittchensarg, denn "Flipsy" passte in die durchsichtige Plexiglasschachtel eines Kartenspiels. Zumindest mit etwas Nachdruck. Lange Bestand hatte das Hamster-Mausoleum freilich nicht, da dieses Mal mein Großvater mit der Schaufel kam, um ein Haustier wieder auszugraben.

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