25.01.2019 - 11:08 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Alkoholprobleme besonderer Art

Eigentlich will der junge Mann nur drei Dosen Bier kaufen. Als die Kassiererin dies verweigert, folgen skurrile Szenen. Richter Hubert Windisch setzt die Geschehnisse in die richtige Perspektive.

Justiz
von Autor RNSProfil

Anscheinend hat der junge Mann erhebliche Probleme mit dem Alkohol - oder besser gesagt, wenn er keinen bekommt. Er trinke schon seit Jahren, berichtete er am Donnerstag vor dem Schöffengericht. Im Juni letzten Jahres hatte der 22-Jährige im einem Markt in Grafenwöhr eine kleine Flasche Arrak - Kostenpunkt 1,99 Euro - entwendet und diese sofort ausgetrunken.

Wenige Tage später wollte er, neben seinem Einkauf auf Sozialschein, bei Lidl auch drei Dosen Bier kaufen. Als ihm die Kassiererin diese nicht geben wollte, da er keinen Altersnachweis vorzeigen konnte, schnappte sich der Ledige die drei Dosen vom Kassenband und lief davon. Im Rauslaufen soll er noch einige Münzen in Richtung Kasse geworfen haben.

Mann verliert Bierdosen

Vom Filialleiter verfolgt, flüchtete der Dieb über die Straße. Als er von dem 27-Jährigen gestellt worden war, fiel ihm eine der Bierdosen vor die Füße. Eine zweite warf er über die Straße auf ein abgestelltes Auto. Zurück im Markt, erwartete ihn eine der Beschäftigten mit seiner Einkaufstüte in der Hand. Als dem 22-Jährigen nun die dritte Dose herunterfiel, kam er mit der Frau ins Gehege. Dabei wollte er sie treten, traf aber nur seine eigene Einkaufstüte. Schließlich kam die Polizei.

Staatsanwältin Franziska Paintner wertete die - wenn auch geringe - Gewaltanwendung beim Entwenden der drei Dosen Bier als "räuberischen Diebstahl" mit versuchter Körperverletzung. Die Anklägerin forderte eine Bewährungsstrafe von acht Monaten und 40 gemeinnützige Arbeitsstunden.

Geringer Wert

Rechtsanwalt Engelbert Schedl wies darauf hin, dass niemand verletzt worden war und der Wert der Beute sehr gering gewesen sei. Eine Freiheitsstrafe sei, wenn überhaupt erforderlich, nur "am untersten Rand" nötig. Sinnvoller sei die Verhängung von Arbeitsstunden, durch die dem jungen Mann klar gemacht werden solle, dass man "so nicht einkaufen" könne.

Richter Hubert Windisch gab Schedls Ansinnen recht. Er erteilte dem 22-Jährigen - der ironischerweise Verkäufer werden will - eine Verwarnung, verbunden mit der Auflage 45 Arbeitsstunden nach Weisung der Stadt Grafenwöhr zu erbringen. Der Verurteilte und sein Anwalt nahmen das Urteil an.

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