12.11.2018 - 17:39 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Altes Rathaus geschrumpft

Der mächtige Dachstuhl ist ein spätgotisches Meisterwerk. Doch Bausünden am Alten Rathaus ließen die "Füße" der Balken morschen, die aufwendige Konstruktion auseinanderklaffen. Dies ist inzwischen alles repariert. Eine andere Sünde ist jedoch nicht korrigierbar.

Stefan Landgraf erklärt den Mitgliedern des SPD-Ortsvereins Stadtmitte, der SPD-Stadtratsfraktion und einigen weiteren Bürgern die Besonderheiten des 33 Meter langen, 17,3 Meter breiten und 13,1 Meter hohen Dachstuhls des Alten Rathauses. Die Gesamtsanierung des Hauses ist auf 1,5 Millionen Euro veranschlagt.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Das Alte Rathaus ist im Laufe der Jahrhunderte tatsächlich "geschrumpft", stellte Stefan Landgraf (Büro ALS aus Amberg) fest. Bei der Ortsbesichtigung, zu der die SPD Stadtmitte einlud, überraschte der verantwortliche Planer und Bauleiter die gut 30 Teilnehmer mit der Erkenntnis, dass das Gebäude einst gut 90 Zentimeter höher den Marktplatz überragte. Aber nicht das Rathaus sackte ab. Vielmehr wurden Oberer und Unterer Markt seit dem Rathausbau (zwischen 1539 und 1545) immer wieder auf heute 90 Zentimeter über historischem Niveau aufgefüllt.

Auch dadurch erklärt sich die (zumindest von der Seite) "gedrungen" wirkende Ansicht des Alten Rathauses. Die Seitenwände sind heute nur noch 8 Meter hoch, während der Dachstuhl selbst 13,10 Meter erreicht.

Der Raumeindruck im dreigeschossigen Dach ist überwältigend. Auf Nachfrage von Sema Tasali-Stoll, der Vorsitzenden des SPD-Ortsvereins Stadtmitte, deutete Hochbauamtsleiterin Jutta Häusler an, dass künftig Besichtigungen möglich sind. Für die Reparaturen am Gebälk wurden in den vergangenen 18 Monaten rund 40 Kubikmeter Bauholz eingepasst. 90 Prozent des Dachstuhls konnten erhalten werden. Das historische Gebälk besteht überraschenderweise aus Kiefernholz. "Ich hätte Fichte erwartet", klärte Landgraf auf. Eine Besonderheit birgt auch der 33 Meter hohe Turm des Rathauses, der ebenfalls aus dem 16. Jahrhundert stammt. Den Abschluss bildet nämlich eine "welsche Haube". Wie die dendrochronologische Untersuchung zeigt, stammen die Hölzer aus dem Jahr 1543. Und damit besitzt Weiden die älteste "welsche Haube" in Süddeutschland. 1200 Quadratmeter Schalung machen das Dach staubdicht und schneesicher.

Eng am historischen Vorbild orientiert sich die neue Eindeckung, betonte Stefan Landgraf: Im Bauschutt auf dem Dachboden fanden sich rote Spitzbiber-Pfannen aus der Bauzeit.

Unter dem Rathaus vermutet Landgraf Relikte der beiden Vorgängerbauten. Bei der Befunduntersuchung seien aber keine Keller gefunden worden. Das Alte Rathaus stehe auf einem Ziegelfundament, dessen Kapillarstruktur Wasser nach oben ziehe. Komme dann noch Frost hinzu, neige das Material dazu, immer weiter zu zerbröseln. Die Bausünde, mit Ziegel ins Grundwasser zu bauen, lasse sich nicht mehr korrigieren. Wichtige Aufgabe der Sanierung im nächsten Jahr sei es darum, "Luft an die Fundamente zu bringen".

Hintergrund:

Hüllen fallen noch vor Weihnachten

Das Gerüst am Alten Rathaus hat ausgedient. Es wird in diesen Tagen abgebaut. Auch in der Vorweihnachtszeit können die Fenster bereits für die Weihnachtsaktionen genützt werden, versichert Projektleiter Stefan Landgraf (Büro ALS aus Amberg). "Mit den Hauptgewerken sind wir nahezu durch." Für das nächste Jahr kündigt er an, dass auch noch Feinheiten erledigt würden, etwa die Restauration von Absperrgitter und Toren. Nach der Freilegung und Sanierung der Rathausfundamente werde auch die Freitreppe schön hergerichtet. Bei den Kosten befindet sich die Großbaustelle in der Weidener Altstadt im Plan, versicherte Landgraf, der einräumte, dass bei einer derart aufwendigen Sanierung die Beschaffung der Finanzen das "wichtigste Kapitel" sei.

Nach derzeitigen Stand der Ausschreibungen gebe es bei der 1,5 Millionen teuren Sanierung ein kleines Polster von etwa 17 000 Euro. Nach Angaben von Baudezernent Oliver Seidel werden 55 Prozent der Gesamtausgaben bezuschusst.

Noch vor Weihnachten sollen auch die letzten Reste des Gerüsts (hier am Turm) vom Alten Rathaus verschwunden sein
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