Weiden in der Oberpfalz
12.05.2024 - 12:03 Uhr
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Ameisen fühlen sich am Fischerberg in Weiden besonders wohl

Die Waldameisenkolonie nördlich von Weiden hat sich prächtig entwickelt. Davon zeugen imposante Nesthügel am Wegesrand. In der Natur leisten die kleinen Krabbler wertvolle Arbeit. In der Wohnung haben Ameisen jedoch nichts zu suchen.

Für das ökologische Gleichgewicht sind Waldameisen unerlässlich. Sie tragen zur Lockerung des Bodens und der Bildung von wertvollem Humus bei, sind Schädlingsbekämpfer und Läusezüchter, verbreiten die Samen von Pflanzen und gelten als "Gesundheitspolizei", da sie Aas und kranke Tiere fressen. Nicht zuletzt dienen sie selbst als Futter für andere Tiere, so zum Beispiel für Vögel, Eidechsen, Kröten und auch Spinnen. In Weiden und im Landkreis Neustadt/WN ist vor allem die Kleine Rote Waldameise (Formica polyctena) zu finden, mit kahlem Rücken und bis zu 8 Millimeter groß. Alois Lukas, Naturschutzbeirat der Stadt Weiden und Vorsitzender des Oberpfälzer Waldvereins Weiden, geht das Herz auf, wenn er Ameisenhaufen im Wald entdeckt. Mehrere besonders beeindruckende Exemplare gibt es nördlich von Weiden im Staatswald am Fischerberg. Hier haben Lukas und einige Helfer einstmals nachgeholfen.

Ameisenvolk umgesiedelt

Waldameisen haben seit jeher zu kämpfen. Obwohl sie seit über 200 Jahren unter Naturschutz stehen, ist der Mensch ihr größter Feind. So werden durch Straßenbau oder den Einsatz von Insektiziden und Düngung immer wieder Nester zerstört und der Bestand in den vergangenen Jahrzehnten mancherorts stark dezimiert. So wurde auch der Wald am Fischerberg samt Ameisenkolonien in Mitleidenschaft gezogen, als in den 80er und 90er Jahren dort Wege angelegt wurden. Die Lösung hieß Umsiedlung der Völker. "Wir holten damals Waldameisen samt neuer Königinnen (die "Kleine Rote" hat davon mehrere in einem Volk) aus dem Manteler Forst in den Weidener Osten. Der Platz schien ideal. Sonnig, am Waldrand in der Nähe von Bäumen", erklärt Lukas im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Bei der Nachschau kurz darauf dann die Ernüchterung. "Der ganze Haufen, das Nestmaterial war weg." Der Landwirt ging auf die Suche und wurde unterhalb einer großen Fichte fündig. "Ein super schöner Ameisenhaufen", erinnert er sich an damals. Mit den Jahren "wuchsen" in unmittelbarer Nähe vier weitere Nester, wie er vor kurzem Interessierten bei einer Waldbegehung der CSU Weiden-Ost zeigte.

"Man glaubt es ja nicht, was diese kleinen Viecher alles zusammentragen können", ist Lukas immer wieder aufs Neue fasziniert. "Wir sehen oberirdisch ja nur einen Teil des Baus, der weit unter die Waldbodenfläche reicht, bis zu zwei Meter tief. Platz für Hunderttausende Bewohner." Dort können die Ameisen frostsicher überleben. Den Erfolg der Umsiedlung am Fischerberg sieht der 77-Jährige als einen wichtigen Beitrag zum Naturschutz. Und: Wo Waldameisen sind, gibt es weniger Borkenkäfer, weil die Ameisen deren Larven fressen.

Mögen schlechte Böden

Dafür, dass die Kolonie den ersten Standort am Fischerberg verschmähte und weiterzog, hat Michael Weiß eine mögliche Erklärung. Der 59-Jährige ist Vorsitzender des Ameisenschutzvereins Tirschenreuth, einem von insgesamt 12 in Bayern. Weiden und der Landkreis Neustadt/WN sind nicht vertreten. "Ein Platz mit Morgensonne ist für Waldameisen ideal", erklärt Weiß auf Anfrage. Doch am wichtigsten ist der Boden. "Ameisen reagieren auf unruhige Böden. Sie spüren tektonische Erdbewegungen genauso wie Wasseradern. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Ameisenhaufen genau an solchen Plätzen liegen." Das habe auch kürzlich eine Geologin bestätigt, die bei den Ameisenfreunden zu Gast war. "Sie suchen sich sozusagen die schlechtesten Plätze für ihre Nester."

Umsiedlungen von Ameisenvölkern (oft die kleinere Wiesenameise) kommen gar nicht mal so selten vor. "Meist werden wir gerufen, wenn das Nest im privaten Garten zu groß geworden ist und stört", sagt Weiß. Dann rücken ehrenamtliche Helfer des Ameisenschutzvereins mit Plastiktonnen an und setzen die Ameisen um. "Das machen wir zum Teil mit bloßen Händen, tut nicht weh." Im vergangenen Jahr 2023 war der Verein unter anderem am Brandweiher und in Altenstadt/WN im Einsatz. Manchmal würden sie auch von den Unteren Naturschutzbehörden der Landratsämter um Hilfe gebeten.

Auch fliegende Ameisen lösen mal einen "Notruf" aus. Dabei handelt es sich um Weibchen im Hochzeitsflug, auf dem sie mit vielen Millionen Samenzellen begattet und damit zu Königinnen werden. Der Spuk dauere nur wenige Tage. Verirren sich die fliegenden Ameisen jedoch ins Haus, könne das lästig werden. "Dann hilft eigentlich nur noch ein Kammerjäger", sagt Michael Weiß. Andere Ameisenarten, meist Wiesenameisen, die einen Weg in die Wohnung gefunden haben, lassen sich leichter "umleiten" (siehe Infokasten). Der Ameisenfachmann hat noch einen Tipps: "Das Schlupfloch ausfindig machen und am besten von außen verschließen." Auch Duftstoffe wie Lavendel oder Zitronenschalen sollen helfen, dass die Krabbler draußen bleiben.

Info:

Ameisen im Haus – wie werde ich sie los?

  • Ameisen im Garten: Im Grunde ein gutes Zeichen, denn sie helfen dabei Keime und Krankheiten aus dem Garten fernzuhalten. Sie fressen Blumen und Gemüse nicht an. Stören sie im Rasen, kann man ihnen den Platz verderben, indem man den Rasen feucht hält. Denn Ameisen brauchen trockenen Boden für das Gedeihen ihrer Brut.
  • Duftbarriere gegen Ameisen: Sie orientieren sich an Duftstraßen, auf denen sie sich fortbewegen. Wenn Ameisen zum Beispiel immer wieder ins Haus gelangen, kann die Straße mit einer Duftbarriere "umgeleitet" werden: Lavendel, Thymian, Zimt, Gewürznelken, Chilipulver, Zitronenschalen oder Essigessenz mögen sie nicht. Auch Kreidepulver oder Gartenkalk werden in der Regel nicht überquert.
  • Fliegende Ameisen loswerden: Fenster auf oder vorsichtig mit einem Besen auf eine Kehrschaufel kehren und nach draußen bringen. Treten sie immer wieder massenhaft im Haus auf, nach der Stelle suchen, durch die sie ins Haus kommen und diese verschließen – oder Fliegengitter anbringen.
  • Vorbeugender Schutz:Lebensmittel und Essensreste nicht offen rumliegen lassen; Fressnäpfe für Tiere mit Resten nur im Bedarfsfall stehen lassen - sie locken Ameisen an

Quellen: www.br.de, Verbraucherzentrale Hamburg, nabu.de

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