17.05.2019 - 15:46 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Anita läuft dem Krebs davon

Diagnose: Brustkrebs. "Das war wie ein Schlag ins Gesicht", blickt Anita Schiller zurück. "Ich habe gewusst, das wird mein Leben verändern." Doch die 35-Jährige hat die Krankheit besiegt, will leben und am 29. Mai beim Nofi-Lauf dabei sein.

Beim Nofi-Lauf am 29. Mai wird Anita Schiller ihre Sportschuhe schnüren und an den Start gehen. Damit will sie anderen Frauen, die wie sie an Brustkrebs erkrankt sind, Mut machen.
von Michaela Lowak Kontakt Profil
Anita Schiller (35) zeigt von Fotos von sich mit Kopftuch, mit Glatze und von der Zeit auf Reha, die sie mit Tochter Klara (5) an der Ostsee verbrachte.

Hinter Anita Schiller liegen harte Monate, die geprägt waren von Operationen, den schlimmen Nebenwirkungen der Chemotherapie und der Angst um ihre 5-jährige Tochter Klara. "Es gab Momente, in denen ich gedacht habe, die Chemo bringt mich um", erinnert sich die 35-Jährige. Quälende Gedanken lassen sie nicht mehr los. "Was wird aus meiner Tochter, wenn ich nicht mehr da bin." Anita Schiller redet ganz offen über ihr Schicksal. "Ich möchte mich nicht verstecken und anderen Mut machen, niemals aufzugeben."

Im Juni 2017 geht die alleinerziehende Mutter, von Beruf Kinderpflegerin, zur Versorgeuntersuchung. "Ich hatte ein ungutes Gefühl und gedacht, da stimmt was nicht", erinnert sie sich. Der Befund weist keine Auffälligkeiten auf. Den Knoten in ihrer Brust bemerkt sie nur wenige Woche später. Die Ärzte in der Radiologie überweisen sie ans Brustzentrum im Klinikum Weiden. Eine Biopsie bringt Gewissheit: Der Knoten ist bösartig, muss operiert werden. Die Laborwerte nach der OP sind eindeutig: Es ist Krebs. "In dieser Zeit habe ich kaum etwas mitbekommen. Ich stand komplett unter Schock", erzählt Anita Schiller. "Warum ich? Sterbe ich jetzt? Was ist mit meiner Tochter? Die Angst um ihr Kind begleitet sie auch bei einer zweiten Operation. "Ich hatte das Gefühl, auch während der Narkose immer meine Tochter zu sehen." Danach gibt's wenigstens eine gute Nachricht: "Der Krebs hat nicht gestreut."

"Füße weggezogen"

Um eine Chemotherapie kommt Anita Schiller nicht herum. Nach der ersten Anwendung am 29. September 2017 ist sie noch guter Dinge. "Ich habe gedacht, vielleicht wird es ja nicht so schlimm bei mir. Doch es hat mir die Füße weggezogen", blickt sie zurück. "Mir war unfassbar übel. Ich bin in der ersten Nacht aufs Klo gekrochen." 16 Mal muss der Cocktail, der dem Krebs den Garaus machen soll, durch ihren Körper laufen. Anita spricht von vier großen Chemos, die sie alle drei Wochen bekommt und von zwölf kleineren, die wöchentlich verabreicht werden.

Über ihr eigenes Schicksal kann die junge Frau heute ganz entspannt sprechen. Sie lächelt, zeigt Fotos und geht sehr offen mit dem Thema um. "Ich habe meinen inneren Frieden gefunden, und den möchte ich mit anderen teilen." Nur wenn sie von Tochter Klara erzählt, füllen sich die Augen mit Tränen und sie schluckt. "Für dich tue ich alles", habe sie sich in der schweren Zeit immer wieder gedacht. "Ich möchte diejenige sein, die mein Kind in die Disco bringt und auch wieder abholt", sagt sie.

Anita Schiller redet viel mit ihrer Tochter, erklärt ihr, was Krebs ist und warum es ihr oft schlecht geht. "Klara wollte wissen, warum die Krankheit Krebs heißt." Die Mutter googelt und erfährt, dass das befallende Gewebe wohl manchmal wie ein Krebstier aussieht. Und dieses Tier müsse verjagt werden. Das versteht die Kleine. Mutter und Schwester unterstützen sie, wo sie nur können. "Mir war es immer am liebsten, wenn ich offen sein konnte", sagt sie.

Für das Team der Onkologie im Weidener Klinikum hat Anita Schiller nur Lob übrig. "Die Schwestern waren immer für mich da, gaben gute Tipps. Auf die Idee, eine Haushaltshilfe zu beantragen, wäre ich nicht gekommen." Auch jetzt noch gibt es für die 35-Jährige Tage mit Angst. "Doch ich habe gelernt, mich auf Positives zu konzentrieren, Dinge loszulassen und nicht zu hinterfragen, warum manches so gelaufen ist."

Im März 2018 ist die Chemotherapie abgeschlossen, danach folgen noch 28 Bestrahlungen. Im November 2018 fährt Anita an die Ostsee auf Reha. Allein die Autofahrt wird zum ersten Erfolgserlebnis ihres neuen Lebens. "Ich wollte da unbedingt mit dem Auto hinauffahren", erzählt sie, obwohl ihr alle von der lange, strapaziösen Fahrt abgeraten haben. "Doch ich habe es geschafft. Meine Klara war die beste Beifahrerin der Welt."

"Nicht aufgeben"

Anita Schiller schwärmt immer noch von den Wochen an der See. "Als ich das Meer gesehen habe, bin ich freier geworden." Zusammen mit ein paar anderen Frauen beschließt sie, ins Wasser zu gehen. "Wir sind einfach in die Wellen hineingelaufen. Es war zwar eiskalt, aber da war wieder diese Befreiung." Aus der Zeit in der Klinik der Annette-Rexrodt-Stiftung nimmt sie viel Positives mit nach Hause. Sie knüpft dort Kontakt mit Nadja Will aus Bielefeld, die den "Think Pink-Club" gegründet hat.

Mit dem Netzwerk will sie anderen Frauen helfen, ihr Leben mit der Krankheit zu meistern. "Dadurch habe ich gemerkt, wie viele Menschen mich schätzen. Das ist unfassbar gut fürs Herz und gibt einem Kraft." Anita Schiller möchte ihre Erfahrungen auch weitergeben. "Mich kann jeder über Facebook anschreiben."

Für den "Think Pink-Club" möchte Anita Schiller am Mittwoch, 29. Mai, beim Nofi-Lauf an den Start gehen. "Damit möchte ich andere Frauen motivieren, nicht aufzugeben und weiterzukämpfen." Ein T-Shirt dafür hat sie selbst entworfen - mit der Brustkrebsschleife und der Aufschrift des Songtitels "I love my life" von Robbie Williams.Weitere Informationen: www.think-pink.club

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