27.08.2018 - 09:56 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Arche für Regenbogenfische

Gunnar Loibl bezeichnet sein Hobby als "ziemlich bekloppt". In seinem Keller züchtet der 48-jährige Weidener Fischarten, die in ihrem natürlichen Lebensraum gefährdet oder bereits daraus verschwunden sind.

Im Haus von Gunnar Loibl in Weiden gibt es keinen Raum ohne Aquarium. 27 Fischarten pflegt der 48-Jährige in 44 Aquarien. Ein bisschen schrullig könnten manche das schon finden, sagt er selbst.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

(jak) Erst vor wenigen Tagen sind bei dem zweifachen Familienvater einige tierische Schätze eingetroffen, die in seinem Keller ein neues Zuhause gefunden haben. "Die australische Unterart 'Running River' der Regenbogenfische lebt in einer relativ abgeschlossenen Schlucht in einem Fluss. Oberhalb dieser Stelle haben Menschen eine andere Regenbogenfisch-Art eingesetzt. Die verdrängt nun die ursprüngliche Art und kreuzt sich mit ihr. Jetzt wird versucht, die ursprüngliche Art wieder anzusiedeln. Das ist eine Riesen-Aktion, mit Genehmigung der Naturschutzbehörden. Wir versuchen, in Aquarien einen Reserve-Pool dieser Tiere zu halten, um gegebenenfalls darauf zurückgreifen zu können." Das, was er tut, gehe weit über "Ich gehe in ein Zoogeschäft und hole einen blauen und einen gelben Fisch", hinaus, so Gunnar Loibl.

Seine Liebe für Fische hat schon früh begonnen: "Ich interessiere mich seit ich sechs Jahre alt war für Fische", erzählt der Pressesprecher beim Bayerischen Landesamt für Statistik. Seit 2005 hat er sich überwiegend auf Regenbogenfische aus Australien und Neuguinea spezialisiert. Rund 150 Arten gebe es. "Die sind keinesfalls alle bedroht. Aber Neuguinea wird sozusagen gerade plattgemacht. Es verschwinden Unmengen Quadratkilometer Naturfläche. Viele Arten gehen verloren, bevor sie überhaupt entdeckt werden. Und wo man früher abenteuerliche Wege vorgefunden hat, gibt es heute riesige Straßen."

Herzstück im Keller

Der gebürtige Weidener reist für Treffen mit anderen Fisch-Liebhabern quer durch Europa und geht mehrmals im Jahr auf Kongresse, wo auch Fische ausgetauscht werden. "Das ist wichtig, um Inzucht zu vermeiden. Und man braucht diese Beziehungen. Ansonsten kommt man an die Fische nicht ran." Loibl pflegt seine Kontakte offenbar intensiv: 44 Aquarien besitzt der 48-Jährige. "Das kann man als ziemlich bekloppt bezeichnen. Es gibt keinen Raum, in dem kein Aquarium steht", sagt er, als er an der Küche vorbeigeht. Darin ist ebenfalls eines zu finden. Wie viele Fische Loibl hat, weiß er nicht. "Ich pflege 27 Arten. Es dürften etliche Hundert Tiere sein."

Das Herzstück seines Hobbys befindet sich im Keller. Dort hat er extra den Heizungsraum umgebaut, in dem sich die Aquarien gleich reihenweise über drei Stockwerke stapeln. In jedem Behälter befindet sich eine andere Art. Und auf einem Tisch in der Mitte stehen mehr als zehn Pokale, die der zweite Vorstand im Verein Aquarien- und Terrarienfreunde Weiden und Umgebung gewonnen hat.

In einem Aquarium schwimmt eine Reisfisch-Art aus Sulawesi, die es vermutlich nur noch in Aquarien gibt. Die Weibchen tragen dunkle Eier unter ihren Flossen, damit sie gut mit Sauerstoff versorgt werden. "Ich habe derzeit unglaublich viele Jungtiere von vielen Arten. Wegen deren Fütterung brauche ich im Moment täglich rund eineinhalb Stunden für die Pflege. Sonst sind es rund drei Stunden pro Woche."

Laienwissenschaft

Die größte Herausforderung an seinem Hobby sei, die Jungfische großzukriegen. Kein Wunder: Selbst die schon mehrere Wochen alten Baby-Fische sind winzig und nahezu durchsichtig. Mit dem bloßen Auge sind sie fast nicht zu erkennen. Sie fressen Ein- und Mehrzeller, die Loibl ebenfalls züchtet. Quasi "nebenbei" bekommen bei ihm außerdem Grundeln, Halbschnäbler und Reisfische Nachwuchs. Der Erlös aus seinen Nachzuchten wird für die Finanzierung des "Running-River"-Projektes genutzt. Geld verdienen lässt sich mit dem Hobby nicht: "Es heißt Hobby, weil es Geld kostet." Pro Jahr gebe er rund 3000 Euro für Strom, Wasser und Futter aus.

Loibl bezeichnet seine Leidenschaft als "Laienwissenschaft, aber durchaus mit einem wissenschaftlichen Anspruch". Gerade in Spezialgebieten komme es auf das Fachwissen von Laien an. Die sogenannte Public Science sei in den USA durchaus angesehen. In Deutschland habe sich das noch nicht so durchgesetzt.

500 Liter Wasser fasst das Aquarium im Wohnzimmer. Zwischen den Pflanzen tummeln sich prächtig schimmernde Regenbogenfische.

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