07.10.2019 - 15:07 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Bald Kärtchen statt "Lappen": Leser zeigen ihre alten Führerscheine

Die Tage älterer Führerscheine sind gezählt. Bis zum Jahr 2033 müssen sie einheitlichen EU-Plastikkärtchen weichen. Für viele verbergen sich hinter den "Lappen" viele Erinnerungen, wie die Geschichten unserer Leser zeigen.

Die Zeit der alten Führerscheine ist gezählt. Leser schicken uns ihre "Lappen" zu. Ilse Wittmann will mit ihrem „Lappen“ von 1972 alt werden.
von Beate-Josefine Luber Kontakt Profil

Zwar ist die Plastikkarte in einheitlichem EU-Standard leichter und handlicher. Trotzdem hängen viele an ihrem alten "Lappen". Um das zu bestätigen, reicht ein Blick auf die Bilder unserer Leser, auf denen sie ihre jahrzehntealten Führerscheine in die Kamera halten. Sie sind oft überraschend gut in Schuss - die "Lappen" und die Leser. Vielen wird es schwer fallen, ihren Schein abzugeben, den sie schon so lange hüten.

Etwa 43 Millionen Autofahrer haben nach Informationen der Deutschen Presseagentur noch Führerscheine aus Papier. Die müssen sie bis spätestens 2033 gegen einheitliche EU-Plastikkärtchen umtauschen.

Hier stehen die Abgabefristen für die einzelnen Geburtsjahrgänge

Deutschland und die Welt

Ein kleiner Trost: Die Dokumente kann man beim Umtausch entwertet zurückbekommen.

Zu diesem Anlass gewähren Leser einen Blick in ihre langjährigen Alltagsbegleiter:

  • Hans Kayser aus Weiden erinnert sich noch ganz genau an die Hürden, die er mit seinem "Lappen" überwinden musste. Damals war der Führerschein noch lebenslang gültig. Musste man Änderungen vornehmen, gab es nur die Möglichkeit, sich einen Ersatzführerschein ausstellen zu lassen. "Dies wurde auch bei mir sehr bald Realität, da innerhalb von gut zwei Jahren das Passbild wenig Ähnlichkeit mit der Wirklichkeit aufwies", erzählt der heute 62-Jährige. Ein neues Foto mit Brille und Lockenfrisur musste her. "Im Normalfall war das kein Problem. Durchfuhr man damals jedoch das Gebiet der ehemaligen DDR, konnte es schon bitter werden", erinnert Kayser sich. Der neue Führerschein war gerade noch pünktlich zum Studienbeginn in Berlin fertig. Aufbewahrt hat er es bis heute.
  • Maria Schnurrer trennte sich bisher nicht von dem rosafarbenen Lappen. Für sie war er viel mehr als nur ein Dokument. "Der Führerschein war ein wichtiger Schritt zur Emanzipation", erklärt die 75-jährige Weidenerin.
  • Auch sie hängt an ihrem alten "Lappen": Ilse Wittmann, die damals noch Völkl hieß, hat ihre Fahrstunden 1972 bei der Fahrschule Greiner in Weiden gemacht, erinnert siesich. Sie wohnt inzwischen in Letzau, ist 65 Jahre alt, der Führerschein ist seit 46 Jahren ihr treuer Begleiter. "Er kann mit mir gerne weiterhin alt werden", wünscht sie sich.
  • Eva Brandl schickt uns ein historisches Dokument: Einen Führerschein ihres Großvaters Karl Haberzettl, ausgestellt am 17. März 1913. "Nach den Erzählungen meiner Mutter war mein Opa Chauffeur bei einer englischen Bank mit Filiale in Karlsbad." Den ersten gültigen Führerschein wurde bereits vor diesem Lappen im Jahr 1909 eingeführt.
Eva Brandl schickt uns den Führerschein ihres Großvaters Karl Haberzettl, ausgestellt 1913. Die ersten Scheine wurden 1909 ausgestellt.
Während derzeit 46,5 Millionen Autos in Deutschland angemeldet sind, fuhren Anfang des 20. Jahrhunderts nur Wenige einen Wagen. Karl Haberzettl war nach Erzählungen der Enkelin Chauffeur eines Firmenwagens.
Die Zeit der alten Führerscheine ist gezählt. Leser schicken uns ihre "Lappen" zu.
Opa und Enkel aus Kohlberg zeigen ihre Führerscheine: Robert Wipauer ist 77 Jahre und hat noch einen grauen Papierschein.
Seine Enkel Nico Heldmann ist 28 Jahre und hat bereits ein Plastikkärtchen. Der darf seinen Schein behalten. Der „Lappen“ des Opas gilt ab 2023 nicht mehr.
1961 bekam Helga Schlosser ihren Schein. „Sie fährt immer noch“, ist ihre Tochter Birgit Bauer stolz.
Gabriele Prechtl hieß noch Hoffmeier, als sie 1965 die Prüfung ablegte.
1960 wurde der Ausweis in Tirschenreuth für Christa Franke ausgestellt.
Helga Roscher aus Weiden lächelt noch genauso wie 1976. Nur die Brillenmode hat sich geändert.
Walter Thoma, geboren 1940 in Wiesau, darf ein Kfz „mit Antrieb durch Verbrennungsmaschine“ zu führen, heißt es in diesem Führerschein.
Hans Kayser brauchte für sein Studium in Berlin einen neuen Ersatzführerschein.
Für Maria Schnurrer war der Fahrausweis 1972 ein wichtiger Schritt zur Emanzipation.
Siegfried Schieder bekam seinen Schein 1978 in Eschenbach.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.