05.06.2019 - 09:55 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Bald neuer Name für "Ostmark-Kaserne"

Die "Ostmark-Kaserne" soll laut Informationen von Oberpfalz-Medien einen neuen Namen bekommen. Ein Vorschlag zur Umbenennung: Major-Radloff-Kaserne. Der Name verdeutlicht eindrücklich, wie gefährlich der Einsatz unserer Soldaten sein kann.

Eine Sprengfalle und ein Granatenbeschuss töten am 10. April 2010 vier deutsche Soldaten in Afghanistan. Die Kameraden gedenken ihnen vor dem Abschiedsappell am Ehrenhain im Feldlager der Bundeswehr in Masar-i-Scharif.
von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

Doch wer war Jörn Radloff? Kurz gesagt: Der erste Angehörige der Weidener Unteroffiziersschule des Heeres, der in Afghanistan sein Leben lassen musste. Darüber hinaus gilt später aber der Tod Radloffs sowie der sechs weiterer Soldaten binnen zweier Wochen im April 2010 bei diesem Isaf-Einsatz als Zeitenwende. Denn in Deutschland wird seither nicht mehr nur von einem bewaffneten Konflikt in Afghanistan gesprochen, sondern von Krieg.

Rückblick: Am 1. November 2008 tritt der Fallschirmjäger-Major seinen Dienst in Weiden an, wohin er versetzt wurde. Dort ist er als einer von drei Inspektionschefs für die 9. Inspektion zuständig. Am 5. Januar bricht er nach Afghanistan auf. Dort soll er als Berater eine afghanische Infanterie-Kompanie ausbilden und sie in Einsätze begleiten. Gut drei Monate später stirbt er bei einem solchen Einsatz. Was genau passiert ist, schildert der Bundeswehrverband, der regelmäßig an die Gefallenen erinnert. Major Radloff ist demnach am 15. April 2010 mit seinen Kameraden in der nordafghanischen Provinz Baghlan unterwegs, als bei einem Zwischenstopp vor einer umkämpften Brücke ein ferngezündeter Sprengkopf unter seinem tonnenschweren Panzerfahrzeug explodiert und es in Stücke reißt. Radloff und zwei weitere Kameraden sind sofort tot. Wenig später stirbt ein Arzt. Er eilte mit einem "Beweglichen Arzttrupp" zu Hilfe. Eine Panzerfaust-Granate trifft das Sanitätsfahrzeug.

"Deutschland war in Schockstarre, der April 2010 sollte der blutigste Monate im ISAF-Einsatz der Bundeswehr werden", heißt es in einem Erinnerungsschreiben des Bundeswehrverbands an die in Afghanistan Gefallenen. Zudem heißt es: "Ihr Tod bleibt unvergessen!"

Der gebürtige Stendaler (Sachsen-Anhalt) und gelernte Elektromonteur, der mit 21 Jahren zur Bundeswehr ging, hinterließ eine Frau und zwei Kinder, damals sieben und eineinhalb Jahre alt - sowie tief getroffene Kameraden daheim in der Ostmark-Kaserne.

Sie scheinen Radloff nicht vergessen zu haben. Denn grundsätzlich liegt die Initiative für die (Um-)Benennung einer Kaserne bei der dort stationierten Truppe, sprich heute beim Artilleriebataillon 131. Es muss sich auf einen Namensvorschlag einigen. Übrigens auch in Absprache mit der Kommune, sprich der Stadt Weiden. Die endgültige Genehmigung erteilt dann das Verteidigungsministerium.

Ostmark-Kaserne: "Unglücklicher Name"

In etwa einem Jahr könnte dieses Namensschild überholt sein: Die Ostmark-Kaserne wird wohl umbenannt.

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