14.02.2020 - 19:12 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Von Bamberg nach Weiden: GLS-Paket ist zwei Wochen unterwegs

Nervenaufreibende Tage liegen hinter Susanne Kempf. Die Weidenerin, die gerade eine Ausstellung organisiert, erwartete ein wichtiges Paket mit Bildern einer Künstlerin. Zwei Wochen lang rennt sie dem Zustelldienst hinterher.

Susanne Kempf freut sich, dass die Bilder doch noch wohlbehalten in Weiden ankamen.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Es ist die 13. Ausstellung, die Susanne Kempf mit an Multipler Sklerose (MS) erkrankten Künstlerinnen aus Deutschland und Argentinien organisiert. 35 Bilder werden demnächst im Alten Schulhaus zu sehen sein. Nach und nach treffen die Pakete mit den Bildern bei der Weidenerin ein. Doch auf eins wartet sie vergebens. "Das hat es in all den Jahren, in denen rund 150 Bilderpakete an mich geschickt wurden, noch nie gegeben", ist Kempf immer noch verärgert. Zwei Wochen lang sucht sie nach der verschollenen Lieferung.

Was war passiert? Die Bamberger Künstlerin Susanne Montag hat Ende Januar ihre zwei Kunstwerke (circa 60 mal 50 Zentimeter groß) über den Zustelldienst GLS losgeschickt. In Weiden kam nichts an. Per Sendungsverfolgung sah sie, dass es offenbar bei einem Paketshop in Weiden hinterlegt wurde, da die Empfängerin Susanne Kempf es nicht persönlich entgegengenommen hatte. Diese sei auch schriftlich informiert worden. Die Künstlerin gab daraufhin Kempf Bescheid.

"Ich hatte keine Ahnung, in welchem Paketshop es hinterlegt ist. Ich habe auch keinen Zustellzettel erhalten", sagt diese gegenüber Oberpfalz-Medien. Kempf telefoniert die drei Weidener GLS-Shops ab. Ohne Ergebnis. Nur ein vager Hinweis, dass es im Gewerbegebiet Brandweiher noch ein GLS-Depot geben soll. Ist ihr Paket dort gelandet?

Als sie zufällig einen GLS-Ausfahrer auf der Straße sieht, bittet sie ihn um Hilfe. Er telefoniert mit der Zentrale und erhält die Zusicherung, dass das Paket am kommenden Tag zuverlässig zugestellt werde. "Im ersten Moment war ich total glücklich, gewartet habe ich vergeblich." Sie wendet sich per E-Mail direkt an das Unternehmen mit Sitz in Neuenstein (Hessen).

"Dann wurde es richtig spannend", sagt die Weidenerin. Das GLS Service-Team meldet sich: „Ihr Paket wurde am 4.2.2020 in der Nachbarschaft bei Frau/Herrn R. alternativ hinterlegt. Ist der Name Ihnen bekannt? Bitte entschuldigen Sie die entstandenen Unannehmlichkeiten.“ Susanne Kempf kennt die Familie R. "aus der Nachbarschaft" (rund 400 Meter von der Lieferadresse Franz-Mörtl-Straße entfernt) nicht. Sie recherchiert die Telefonnummer und fragt dort nach. Die Familie wusste von nichts.

Wieder gehen Mails hin und her. Das Unternehmen entschuldigt sich und sichert "umgehende Problemlösung" zu. Das Reklamationsverfahren laufe. Kempf wird um Geduld gebeten. "Mit der war es bei mir aber langsam vorbei. Ich hatte die Bilder schon abgeschrieben." Sie setzt GLS eine Frist. Wieder Warten. Im Depot am Brandweiher hat Kempf zwischenzeitlich auch nachgefragt. Das Paket ist nicht da.

Am vergangenen Samstag (8.2.) passiert nach Kempfs Aussage dann "das Unglaubliche". "Ich war zufällig in einer Apotheke in der Mooslohestraße, als die Apothekerin, die mich kennt, anspricht, sie habe ein Paket für mich. Da war ich baff." Sie hatte das Paket ein paar Tage zuvor nur angenommen, weil der Zusteller versicherte, er werde die Empfängerin informieren. "Mich hat aber niemand informiert", sagt Kempf, weder schriftlich, noch telefonisch.

Zwei Wochen waren die Bilder unauffindbar. "Das hat mich ganz schön Nerven gekostet", sagt Susanne Kempf, selbst an MS erkrankt. "Stress sollte man bei der Krankheit eigentlich vermeiden." Für sie sei es nicht nachvollziehbar, warum sie nie eine Benachrichtung im Briefkasten hatte. "Und warum der Fahrer auf die Idee kommt, das Paket in der Apotheke abzugeben, ist mir schleierhaft. Die Apotheke ist ja auch kein offizieller GLS-Paketshop und liegt rund 700 Meter von meinem Wohnort entfernt."

Die Bilderausstellung ist nun komplett. Das freut auch die Bamberger Malerin. Kempf hat sie natürlich sofort vom glücklichen Ausgang der Geschichte unterrichtet. "Die Bilder haben einen hohen ideellen Wert für die Künstlerin. Sie sind unverkäuflich. Plan B, dass wir Werke vom Vorjahr ausstellen, ist nun nicht mehr nötig."

Zwei Wochen war das Paket aus Bamberg unterwegs. Statt in der Franz-Mörtl-Straße landet es schließlich in der Mooslohestraße. Davon erfährt die Empfängerin eher zufällig.
Info:

Stellungnahme der GLS Germany

Auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien, wie es denn sein könne, dass Susanne Kempf nie eine Benachrichtung erhalten hat und wie das Paket in der Apotheke landen konnte, nimmt der Zustelldienst GLS Germany wie folgt Stellung:

"Wir bedauern sehr, dass Ihre Leserin eine schlechte Erfahrung mit unserem Service gemacht habt und bitten sie dafür um Entschuldigung. Das beschriebene Vorgehen entspricht in keiner Weise den Prozessen und Richtlinien von GLS. Der korrekte Zustellprozess sieht zwingend vor, dass ein Zustellfahrer sowohl den Versuch einer Haustürzustellung als auch einer alternativen Zustellung bei einem direkten Nachbarn unternimmt, bevor er das Paket in einen Paketshop bringt – wenn ein solcher in der Nähe verfügbar ist. Wird das Paket in einen Paketshop gebracht, liegt es dort ab dem Folgetag der Zustellung acht Arbeitstage zur Abholung bereit. Ansonsten geht das Paket zurück ins Depot und es erfolgt an einem der nächsten Tage ein erneuter Zustellversuch. Die Zustellfahrer sind in jedem Fall verpflichtet, eine Benachrichtigungskarte an der Empfängeradresse zu hinterlassen."

Zum genauen Sachverhalt bei dieser Zustellung gebe es noch keine Erklärung. Die Nachforschungen würden noch laufen, so das Unternehmen weiter. (shl)

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