31.08.2018 - 11:44 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Barista mit Herz für Soziales

Er ist leidenschaftlicher Barista, Hobbyschrauber und -fotograf. Doch bekannt ist Siegmund Bergmann in erster Linie als Geschäftsführer des VdK-Kreisverbands Weiden-Neustadt. Bis Ende August. Ab 1. September ist er in Ruhestand.

Auf eine letzte Tasse Kaffee in der VdK-Geschäftsstelle: Am Freitag verabschiedet sich Siegmund Bergmann, langjähriger Geschäftsführer des Sozialverbands, offiziell in den Ruhestand.
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Welche Rolle Sohn Maximilian bei dieser Entscheidung spielte, verrät Siegmund Bergmann im Interview mit Oberpfalz-Medien. Ebenso wie die Themen, die ihn in seiner 36-jährigen Tätigkeit für den VdK am stärksten beschäftigt haben.

ONETZ: Sie waren 36 Jahre lang beim VdK tätig, 35 davon als Geschäftsführer des VdK-Kreisverbands Weiden-Neustadt. Wie kamen Sie als junger Mann zu dieser Organisation?

Bergmann: Nach der Fachhochschulreife habe ich zunächst eine kaufmännische Ausbildung gemacht. Dann war ich vier Jahre lang bei der Luftwaffe in Erding im Bereich Logistik. Während dieser Zeit wurde bei mir Morbus Bechterew diagnostiziert. Das war der Grund für einen ersten Kontakt mit dem VdK in Erding. Dort war ein sehr netter Mensch. Den fragte ich, ob ich Bewerbungschancen hätte. Schon ein halbes Jahr später hat es geklappt. Es stimmt also: Jedes Schlechte hat auch sein Gutes.

ONETZ: Was meinen Sie damit konkret?

Bergmann: Die Arbeit beim VdK war die beste Schule meines Lebens. Man lernt in diesem Job die schlimmsten Krankheiten kennen, kriegt alles ungefiltert mit: Zum Beispiel wie Menschen mit Kriegsbeschädigungen ein neues Leben beginnen, neue Beziehungen. Es ist erstaunlich, was sie aus ihrem Leben machen. Die Menschen haben Vertrauen zu dir. Es ist eine schöne Arbeit, natürlich vor allem wenn man Erfolg hat.

ONETZ: Welche Themen bestimmten Ihre Arbeit in der Anfangszeit?

Bergmann: Anfangs standen die Probleme der Kriegsbeschädigten im Vordergrund, also dass sie ausreichend Rente erhalten. Da ging es zum Beispiel um Anträge auf Verschlimmerung beim Versorgungsamt. Später ging es mehr um die Witwenversorgung. Das war eine komplizierte Thematik. Und die gesetzliche Rente hat schon immer eine wichtige Rolle gespielt.

ONETZ: Welche Themen bestimmten die letzten Jahre Ihrer Tätigkeit.

Bergmann: Immer noch die gesetzliche Rente. Das hat sich durchgezogen wie ein roter Faden, ebenso wie Probleme im Bereich Schwerbehindertenrecht. Die Versorgung im Alter, bei Krankheit, im Falle einer Behinderung oder nach einem Arbeitsunfall stehen bei unserer Arbeit im Vordergrund. Als Bevollmächtigter habe ich außerdem über 1000 Fälle von Mitgliedern vor dem Sozialgericht in Regensburg vertreten.

ONETZ: Der VdK-Kreisverband zählt mittlerweile über 8000 Mitglieder. Eine stolze Zahl. Wie war das 1982?

Bergmann: Ich habe den Kreisverband mit rund 4000 Mitgliedern übernommen. Dass es jetzt über 8000 sind, ist aber nicht mein alleiniger Verdienst. Dazu haben alle Mitarbeiter und Aktiven beigetragen.

ONETZ: Was sind aus Ihrer Sicht die größten Erfolge des VdK?

Bergmann: Unser Sozialverband hat an der Einführung der Mütterrente wesentlich mitgewirkt, ebenso an der Verbesserung der Erwerbsminderungsrente, und er hat verhindert, dass das Schwerbehindertenrecht verschlechtert wird. Wir sind die größten Lobbyisten im sozialen Bereich, was viele Menschen gar nicht so mitkriegen. Mit Ulrike Mascher, Landesvorsitzende des VdK Bayern, haben wir außerdem einen direkten Draht zur Bundeskanzlerin.

ONETZ: Sie haben Ihren Beruf stets mit Leidenschaft ausgeübt. Trotzdem haben Sie sich entschlossen, mit 61 Jahren in den Ruhestand zu gehen.

Bergmann: Das liegt in erster Linie an meinem Sohn. Ich bin ein spätberufener Papa und genieße jeden Tag mit Maximilian (7). Natürlich liegt es auch an meiner Frau Daniela, mit der ich in zweiter Ehe verheiratet bin. Sie ist promovierte Mathematikerin an der Fachoberschule. Zu meinem Leidwesen bin ich in dem Fach nicht so fit.

ONETZ: Dafür kennen Sie sich - was viele nicht wissen - mit Kaffee ausgezeichnet aus. Und Sie pflegen noch einige anderer Hobbys ...

Bergmann: Das stimmt. Ich bin leidenschaftlicher Barista. Das Wissen habe ich mir mit Hilfe von Büchern und learning by doing selbst beigebracht. Außerdem kenne ich viele Italiener. Die haben mir auch einiges verraten.

ONETZ: Gibt es für Sie eine Lieblingssorte?

Bergmann: Ja, eindeutig Arabica. Die Sorte Robusta ist mir zu rau, die brennt. Arabica dagegen ist mild und cremig.

ONETZ: Womit werden Sie sich als Ruheständler noch beschäftigen?

Bergmann: (schmunzelnd) Ich will auf keinen Fall nochmal 30 Jahre Rasen mähen. Als ehrenamtlicher Versichertenberater bei der Deutschen Rentenversicherung Bund bin ich weiter aktiv. Aber mein wichtigstes Hobby bleibt die Familie. Daneben schraube ich auch gerne an meiner Moto Guzzi und an allem, was Krach macht. Und ich bin leidenschaftlicher Hobby-Fotograf, habe sogar ein eigenes Schwarz-Weiß-Labor. Keine Chance also für Langeweile.

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