Weiden in der Oberpfalz
19.06.2026 - 15:13 Uhr

Barrierefreiheit am Bahnhof Weiden: Warten ohne Ende?

Für Menschen mit Gehbehinderung ist Weidens Bahnhof eine große Herausforderung. Das wird wohl eine lange Zeit so bleiben. Es ist gut möglich, dass sich der Zeitraum sogar noch weiter verzögern wird.

Die Arbeiten am Bahnhof im kleinen Kirchenlaibach bei Speichersdorf sind abgeschlossen, hieß es vor Kurzem in einer Pressemitteilung der Deutschen Bahn. Mit der Fertigstellung ist der Zugang zu den Bahnsteigen nun durch Aufzüge barrierefrei. Am deutlich belebteren Bahnhof in Weiden lässt die Barrierefreiheit jedoch noch auf sich warten. Nach neuesten Erkenntnissen vermutlich sogar länger, als gedacht.

Doch wie lange genau? Eine Frage, die man sich besonders nach dem Ergebnis der „Fulda-Konferenz“ stellen kann. Zu dieser treffen sich jährlich Vertreter des Bundesverkehrsministeriums, des Eisenbahn-Bundesamts und der Deutschen Bahn, um anstehende Maßnahmen an der Schieneninfrastruktur zu koordinieren. Beim diesjährigen Treffen wurde aber wohl nicht koordiniert, sondern gestrichen. Das Elektrifizierungsprojekt wurde auf unbestimmte Zeit „auf Eis gelegt“, wie es in einer Mitteilung des Fahrgastverbandes „Pro Bahn“, der Bahnkunden-Lobbyvereinigung, hieß. Und damit wohl auch die Barrierefreiheit am Bahnhof in Weiden.

Barrierefreiheit an Elektrifizierung gekoppelt

„Die Barrierefreiheit am Bahnhof Weiden wird seitens der Bahn mit der Planung der Elektrifizierung zwischen Hof und Regensburg verknüpft“, erklärt der grüne Bundestagsabgeordnete Stefan Schmidt aus Regensburg im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Ohne fertige Planung der Elektrifizierung gebe es demnach auch keine Barrierefreiheit am Bahnhof. Auf die Anfrage, ob es dennoch alternative Pläne zur Verbesserung der Barrierefreiheit gibt, hat die Deutsche Bahn nicht reagiert.

Fest steht: Für die Elektrifizierung ist es möglicherweise notwendig, Gleise neu zu verlegen und Bahnsteige umzubauen. „Das klingt für mich erst mal nachvollziehbar“, erläutert Schmidt. Und weiter: „Wenn man bedenkt, dass es noch zehn Jahre oder länger dauern wird, bis die Elektrifizierung geplant und umgesetzt ist, klingt das aber immer mehr nach einer Ausrede statt einer klaren Zusage.“ Auch der CSU-Bundestagsabgeordnete Albert Rupprecht aus Weiden hatte sich bereits in der Vergangenheit für die Barrierefreiheit am Bahnhof Weiden eingesetzt. Er habe sich jedoch kurzfristig nicht zu dem Thema äußern wollen.

Antrag der SPD im Landtag

Laut Schmidt stelle die Bundesregierung aus Union und SPD voraussichtlich kein Geld für die weitere Planung der Elektrifizierung zur Verfügung – trotz Sondervermögens. „Deswegen könnte das Projektteam bei der Bahn aufgelöst werden, womit nicht nur ein Stillstand von mehreren Jahren drohe“, erklärt er weiter.

Selbst im Landtag ist der Stopp der Elektrifizierung und ihre Auswirkung ein Thema. „Besonders problematisch wäre eine Verzögerung der Elektrifizierung, weil mit ihr zugleich wichtige Maßnahmen zur Modernisierung und Barrierefreiheit der Bahnhöfe verbunden sind“, heißt es in einem Antrag der SPD-Fraktion am vergangenen Mittwoch, 17. Juni. In Städten wie Schwandorf, Amberg und Weiden warten die Bürgerinnen und Bürger seit Jahrzehnten auf einen umfassenden barrierefreien Ausbau der Bahninfrastruktur, heißt es dort weiter. Die SPD will mit ihrem Antrag unter anderem bewirken, die Planungen der Elektrifizierung weiter fortzuführen und zeitnah Barrierefreiheit an den Bahnhöfen zu schaffen. Was passieren wird, entscheidet jedoch das Bundesverkehrsministerium, von deren Seite bis jetzt nur ausweichende Antworten kamen.

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