20.03.2020 - 16:21 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Bauernmarkt Weiden abgesagt, aber Boom bei Direktvermarktern

Alles wird abgesagt, manches aber erst ganz spät. Der Weidener Bauernmarkt sollte am heutigen Samstag stattfinden. Dann kommt am Freitag um 18.30 Uhr die Absage vom Katastrophenschutz der Stadt.

Dieses Bild gehört bis auf Weiteres der Vergangenheit an. Geduldig warten Käufer auf dem Weidener Bauernmarkt in der Schlange. Am heutigen Samstag und wohl in den kommenden Wochen fällt er erst mal aus.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Kaum hatte Markus Söder am Freitagmittag weitere Einschränkungen im Kampf gegen das Coronavirus verkündet, rief Bauernmarkt-Sprecher Josef Wittmann im Ordnungsamt bei Reinhold Gailer an. Dessen Antwort ließ ihn aufatmen: Die Anbieter dürfen weiterhin kommen. Stunden später teilte Bürgermeister Jens Meyer Landrat Andreas Meier mit, dass die Entscheidung revidiert wird. Die Direktvermarkter haben aber auch ohne Stände Hochkonjunktur.

Über Nachfrage können die Beschicker zurzeit nicht klagen, erklärt Heidi Schneider, die Rotvieh-Produkte vertreibt. "Die Leute kaufen jetzt noch lieber unter freiem Himmel ein, da kann man besser Abstand halten", hat sie beobachtet. Da nun auch Gaststätten ganz dicht seien, werde wieder mehr zu Hause gekocht. Von Hamsterkäufen möchte sie nicht pauschal sprechen. Viele kauften Fleisch zum Einfrieren ein, aber wohl deshalb, damit sie nicht so oft zum Einkaufen raus müssen, wo das Ansteckungsrisiko nie ganz auszuschließen ist.

Hamsterei, Angst - "eine Mischung aus allem", schätzt Josef Wittmann. Ihm reißen die Kunden Bauernbrot aus den Händen. Ein Indiz für gebunkerte Vorräte. Genauso wie die enorme Nachfrage nach Fleisch und Wurst im Glas und in Dosen, wie ihm Kollegen berichteten. Der Bäcker hat sehr spezielle Probleme: "Dinkel wird knapp. Meine Mühle kann schon nicht mehr liefern. Das kaufen zurzeit alles die großen Nudelfabrikanten auf."

Apropos: Bei der Gailertsreuther Mühle in Floß kommen zehn Mitarbeiter derzeit kaum zum Durchschnaufen, berichtet Besitzer Gerald Meierhöfer. "Aufgrund der aktuellen Situation sind keine Bestellungen per Mail oder Telefon möglich. Wir bitten um Verständnis", heißt es, sobald jemand die Homepage anklickt. Die Mühle verkauft nur mehr über den Online-Shop.

Herrscht in der Bevölkerung doch eine gewisse Panik, dass Lebensmittel knapp werden oder eine monatelange Quarantäne droht? Man könnte es meinen, wenn Meierhöfer erläutert, dass seine Lebensgefährtin nur eine Stunde nach der Söder-Rede sämtliche Spezialmehle aus dem Online-Sortiment nehmen musste, weil die Mühle sonst nicht mehr mit den Bestellungen hinterhergekommen wäre. Übrig bleiben je eine gängige Sorte Weizen- und Roggenmehl.

Die Coronakrise beschert Alfons Wittmann, Metzger auf Rädern aus Parkstein, ebenfalls ein verfrühtes Ostergeschäft. Es werde jetzt auch mal das eine oder andere edle Tafelspitzstück mehr gekauft. Das Geld ist dafür ist da. Für viele Familien fällt der Osterurlaub flach, ein Teil des Budgets fließt offenbar in hochwertige Lebensmittel. "Das Doppelte wie sonst" verkauft Christina Pröls aus Floß, die Eier, Wurst, Milch und Kartoffeln ab Hof vertreibt. "Nach der Söder-Rede zog es gleich noch mal richtig an."

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