09.07.2018 - 10:56 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Baumhotel zum Vermieten

Die Vorlage liefert das Kunsthaus Graz. Dieses besteht aus einem Ufo-ähnlichen Gebäude, bekannt als Warzenschwein. Monatelang haben Schüler und Eltern der Montessori-Schule an diesem Projekt gearbeitet. Jetzt ist das Baumhotel fertig.

Endlich alles fertig, die Kinder der Montessori Schule freuen sich über das neue Baumhotel, das sie selbst mitgebaut haben
von Siegfried BühnerProfil

(sbü) Vor wenigen Tagen wurde es mit einem großen Kran in luftige Höhe gehoben. Eine ganze Familie kann dort übernachten. Die Anlage erfüllt daneben zahlreiche weitere Funktionen: Sie ist Unterrichtsobjekt der Montessori-Pädagogik während der Bauzeit, Unterrichtsraum danach und gleichzeitig ein einmaliges Kunstwerk. Ein Aufenthalt lädt zum Philosophieren ein. Ein Weltall-Gefühl soll entstehen. Viel dazu beigetragen hat die künstlerische Beteiligung von Silvia Lobenhofer-Albrecht.

"Jedes Kind hat mit modelliert", berichtet Schulleiterin Gerda Högl-Siegler. Farbkleckse der Kinder an den Außenfronten wurden künstlerisch umgestaltet. Eine Öffnung zum Himmel, Bullaugen und sternförmige Lüftungsöffnungen ergänzen das Bauwerk. Wer kommt, muss sich mit einem Tür-Gong anmelden. Die gesamte Entstehungsgeschichte sowie die jetzt beginnende Nutzung sind eng in die Montessori-Pädagogik der Schule eingebunden, erklärt die Schulleiterin. Der Erfolg ist vorprogrammiert, weil Kinder zu dem Projekt eine ganz persönliche emotionale Beziehung entwickelt haben. Die Montessori-Pädagogik arbeite ganzheitlich, individuell und mit einer vorbereiteten Umgebung, damit sich Kinder zu selbstständigen und unabhängigen Menschen entwickeln, erläutert die Schulleiterin.

Am Objekt Baumhotel wird dieses Konzept auch in Zukunft umgesetzt. Die Schülerfirma "Monte-Relax" wurde gegründet. Toni, Emily, Sofia, Theresa, Lukas, Emilie und Sebastian leiten diese "Traumhaus-Ufo-Hotel-Firma" gemeinsam. Drei Jahrgangsstufen sind hier vertreten. Sie regeln selbstständig die Hotelbuchungen und die Abrechnungen. Eine eigene E-Mail-Adresse ist eingerichtet. Somit können zahlreiche Unterrichtsfächer wie Mathematik und Deutsch in das Projekt eingebunden werden.

Vermietet wird nur an Familien mit Kindern der Montessori-Schule. Eine Nacht kostet 30 Euro. Schließlich sind die Baukosten noch nicht finanziert. Mitgebracht werden müssen Schlafsack, Matten und Verpflegung. Waschräume der Schule können benutzt werden. Erste Gäste werden die Eltern der Kinder der Schülerfirma sein. Gefördert wurde das Baumhotel vom Stadtkulturnetzwerk Bayrische Städte und durch Spenden der Eltern und des Trägervereins.


Info:

Entstehung des Baumhotels

Gerda Högl-Siegler, Schulleiterin der Montessori Schule Weiden, erzählt die Entstehungsgeschichte. "Ursprünglich wünschten sich die Schüler nur ein Baumhaus". Weil jedoch gemeinsam immer wieder neue Ideen entwickelt wurden, entstand am Ende ein 5 Meter langes und 2,5 Meter breites Gebäude mit einem 2,5 Meter hohen Innenraum. Keine dreidimensionale Planentwürfe, sondern nur eine einfache Skizze lieferte den Bauplan. Alles steht auf einem 1,70 Meter hohen Stahlgerüst. Erwachsene steigen über eine gesicherte breite Stahltreppe in das Gebäude, Kinder über einen "Geheimgang" aus Kletternetzen. Kinder und ihre Eltern haben während des Unterrichts und am Wochenende am Baumhotel gebaut. Fachlicher Rat und Hilfestellung kam von der Künstlerin Lobenhofer-Albrecht und von einem Schlosser. Das Gebäude besteht aus einem Stahlkorsett, das mit einem einfachen Drahtgefecht umwickelt wurde. 760 Kilogramm "Ton-Zement-Kunststoff-Pulver" wurde angerührt und mit den Händen auf beiden Seiten von Draht und Stahlgerüst modelliert. (sbü)

Das war die erste Skizze des Baumhotels.

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