22.08.2019 - 17:12 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Als Bayernligist Weiden die Bayern-Stars bezwang

Eine der größten Sternstunden für die SpVgg Weiden: Im Sommer 1999 ringt sie den großen FC Bayern München nieder. Mann des Spiels ist Torhüter Peter Romeis. Ein Interview 20 Jahre danach.

Ausgezaubert: Mehmet Scholl im Zweikampf.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Stefan Effenberg, Mehmet Scholl, Mario Basler, Paolo Sergio, Michael Tarnat... Sag' nur keiner, die Bayern wären mit ihrer zweiten Garnitur angetreten. Um so höher ist der Erfolg der SpVgg Weiden zu bewerten: In einem Spiel für den guten Zweck – der "Sternstunden"-Aktion des Bayerischen Rundfunks – rang der Bayernligist die großen Bayern am Wasserwerk mit 1:0 nieder. 20 Jahre ist das jetzt her. Mit einer Reihe von Glanzparaden hielt SpVgg-Torhüter Peter Romeis seinen Kasten sauber und trieb die Stars zur Verzweiflung. Im Interview erinnert sich der 50-Jährige an ein Stück Weidener Sportgeschichte im Sommer 1999.

ONETZ: War das Ihr schönstes Zu-Null-Spiel?

Peter Romeis: Naja, da gab es schon sehr viele schöne Zu-Null-Spiele, auch wichtigere, bei denen es in der Liga um Punkte ging. Aber wenn man natürlich gegen einen solchen Gegner zu Null spielt, gegen den FC Bayern, und man kann sich als Torwart auch noch auszeichnen – das ist schon ein persönliches Highlight.

ONETZ: Werden Sie heute noch auf den 1:0-Sieg gegen die großen Bayern angesprochen?

Peter Romeis: Ab und zu, aber eher von ehemaligen Mannschaftskameraden. Vor kurzem zum Beispiel von Markus Weinhart, der damals als linker Verteidiger dabei war.

ONETZ: Wie hat Trainer Reinhold Schlecht die Mannschaft eingestellt?

Peter Romeis: Wir sollten uns einfach so gut wie möglich verkaufen. Aus einer gesicherten Defensive heraus agieren, gut stehen, die Räume eng machen, so lange wie möglich kein Gegentor kriegen. Das weiß man ja von verschiedenen Pokalspielen: Je länger die unterklassige Mannschaft kein Tor bekommt, desto schwieriger wird es für den Favoriten. Natürlich haben wir gehofft, dass die Bayern, die gerade aus dem Trainingslager kamen, vielleicht etwas müde waren. Und so war's dann ja auch. Wir wollten so wenige Tore wie möglich kassieren. Dass wir gar keines bekamen, hätte vorher keiner gedacht.

ONETZ: Und das Fernsehen war live dabei.

Peter Romeis: Als ich zehn Minuten vor Schluss ausgewechselt wurde, kam sofort Lambert Dinzinger auf mich zu, hat mir zu einer "tollen Leistung" gratuliert und mich interviewt. Unser damaliger Vorsitzender Günther Zwick hat sich ziemlich verhaspelt. Das war schon lustig.

ONETZ: Einige Bayern-Stars sind ziemlich arrogant aufgetreten, wollten keine Autogramme geben und sind schnell im Bus verschwunden. Wie gingen sie mit Ihnen und Ihren Kameraden um?

Peter Romeis: Ich kann mich an eine Aktion von Carsten Jancker erinnern. Er foulte einen unserer Spieler, ich kam von hinten gelaufen und rief: "Hey, was soll denn das?" Da hat er zu mir gesagt: "Geh' wieder hinter in dein Tor, und am Montag gehst wieder arbeiten." Das hat mich schon enttäuscht. Nach dem Spiel haben wir uns aber die Hand gegeben. Auch nicht schlecht: Als Stefan Effenberg aus der Kabine kam, hat er sich erkundigt: "Wo geht's denn hier zum Platz?" Dabei war der doch direkt vor seiner Nase! Das war auch ein bisschen hochnäsig. Positiv überrascht hat mich Otmar Hitzfeld. Nach dem Spiel bin ich ihm nochmals begegnet, als er auf dem Weg zum Bus war. Er ging auf mich zu, schüttelte mir die Hand und sagte: "Glückwunsch, Torwart, für eine klasse Leistung." Er war ganz der Gentleman, als den man ihn kannte.

ONETZ: Zwei Jahre später haben die Bayern mit einer nicht allzu veränderten Mannschaft die Champions League gewonnen.

Peter Romeis: Ja, da sitzt man da und denkt sich: Vor zwei Jahren haben wir sie geschlagen, und jetzt sind sie Champions-League-Sieger! Aber wir kennen das ja auch: Im Toto-Pokal haben wir gegen Kreisklassisten ebenfalls schon mal nur mit Ach und Krach gewonnen. Da meint man auch, das gibt's nicht. Es ist halt Kopfsache. Wenn man so etwas nicht von Anfang an hundertprozentig ernst nimmt, bringt man das im ganzen Spiel nicht mehr raus.

ONETZ: Sind die Bayern in dieser Saison zu schlagen?

Peter Romeis: Mal sehen, wie jetzt Coutinho und Cuisance einschlagen. Dortmund hat gut investiert, auch Leipzig mit Nagelsmann ist stark. Die drei werden wohl die Meisterschaft unter sich ausmachen.

ONETZ: Und wann gibt's in Weiden wieder mal eine solche Sternstunde wie 1999?

Peter Romeis: Da muss man auf den Pokal hoffen, dass mal wieder ein solches Kaliber zugelost wird. Freundschaftsspiele gegen die Bayern bekommt man ja kaum noch, die spielen lieber in Asien. Aber ich würde jedem Spieler ein solches Highlight wünschen.

Info:

Schon in der Woche zuvor hatte die SpVgg Weiden für eine Sensation gesorgt – mit einem 1:0-Sieg gegen die Amateure des FC Bayern. Und nun, im Juli 1999, rückten also auch noch die "großen" Bayern an, der amtierende Deutsche Meister und Champions-League-Finalist. Bayern-Sprecher Michael Hörwick tippte auf ein 12:0 für die Seinen. Doch es kam ganz anders. Rund 8500 Fans im Stadion am Wasserwerk und viele weitere vor den Fernsehern (das Bayerische Fernsehen übertrug live) verfolgte, wie sich die Hitzfeld-Truppe, offenbar noch müde vom Trainingslager, gegen den Bayernligisten vergeblich abmühte. Dabei waren die Bayern, abgesehen vom verletzten Lothar Matthäus und Oliver Kahn, in Bestbesetzung aufgelaufen. Nach einem Tor von Michal Jiran siegten die von Trainer Reinhold Schlecht bestens eingestellten Schwarz-Blauen mit 1:0. Das Allerbeste daran: Das Spiel brachte eine Spende von 100 000 Euro. Verantwortlich für das Freundschaftsspiel zeichnete der FC Sternstunden, der seit 1993 für notleidende Kinder kickt. Von 1997 bis 2002 unterhielt er eine Kooperation mit dem FC Bayern München. Der trat jeweils in der Saisonvorbereitung gegen einen Amateurclub an. Die Begegnung lief live im Dritten, die Erlöse waren für den guten Zweck bestimmt. Die SpVgg Weiden bewarb sich 1999 erfolgreich für eine solche Begegnung. (rg)

Trubel um den Bayern-Bus. Viele Stars steigen nach dem Spiel sehr schnell ein.
Ganz der Gentleman: Otmar Hitzfeld gratuliert Peter Romeis zur „klasse Leistung“.
Uli Hoeneß kann nicht gefallen, was seine Bayern in Weiden bieten.
Die Lokalmatadoren kämpfen um jeden Ball.
„Das war schon lustig“: Peter Romeis (Mitte) und SpVgg-Chef Günther Zwick (links) stehen Lambert Dinzinger Rede und Antwort.
Paolo Sergio (rechts) hängt sich rein. Carsten Jancker schaut zu. Mit Peter Romeis liefert sich der bullige Bayern-Stürmer später einen kleinen verbalen In-Fight.
Stefan Effenberg führt „seine“ Bayern aufs Feld, Hermann Vogl die SpVgg-Elf.
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