27.05.2019 - 15:29 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Beim Bouldern den Kopf frei bekommen

"Mir wurscht" nennt Benjamin Kahnes vom Verein "Das Magische Projekt" die Aufwärmübung. "Schultern hoch bis zu den Ohren und dann wieder fallen lassen!" Wurscht ist hier allerdings niemandem etwas, weder den Jugendlichen noch den Trainern.

von Redaktion ONETZProfil

Seit zwei Jahren ist der Boulderworkshop "Trainiere hart, bleib fair!" des Weidener Jugendzentrums und des Vereins "Das magische Projekt" fester Bestandteil des Aktiv-Angebots im Bereich der präventiven Gewalt- und Aggressionsarbeit. Bouldern: Das ist nicht nur Klettern ohne Sicherung, sondern Selbstbewusstsein stärken und Teamwork schaffen.

Schon beim Aufwärmen ist die Gruppendynamik spürbar. Nacheinander macht einer der Jugendlichen eine Übung vor, alle anderen machen mit. Ohne Wiederrede, ohne Zwang. Hampelmänner, Unterarmstütz und Schulterkreisen. Dann geht es los. Bunte Griffe zeigen den Weg an. "Wer sich drei Sekunden am Zielgriff festhalten kann, hat es geschafft", erklärt Nico Erhardt vom Jugendzentrum. Als Belohnung gibt es ein High-Five.

Was wie eine Solotour aussieht, ist eigentlich Kollektivarbeit. Jeder Kletterer braucht auch einen "Spotter". Der sichert den Kletterer von hinten und hilft ihm, im Falle eines Sturzes, auf den Füßen und nicht auf dem Rücken zu landen", erklärt Erhardt. Außerdem halte er nach passenden Griffen Ausschau und helfe so beim Aufstieg. "Das ist kein Wettbewerb. Die Kinder freuen sich gemeinsam, wenn einer was schafft. Manchmal tauschen sie auch heiße Tipps aus." Es gibt verschiedene Pfade. Die Schwierigkeitsgrade reichen von A bis F. "Man lernt seine Grenzen auszutesten", erklärt Alex Riedl. Nach einer Verletzung musste er eine Pause einlegen. Jetzt ist er wieder da. Zusammen mit seinem Bruder kommt er schon seit über einem Jahr zum Workshop. "Das ist ein super Angebot für uns Jugendliche. Man kann sich austoben ohne zu raufen", sagt er.

Das Projekt soll den Jugendlichen die Chance bieten, dem oftmals tristen Alltag zu entfliehen und überschüssige Energie sinnvoll abzubauen. "Durch das gemeinsame Training wird auch ein Vertrauensverhältnis aufgebaut", erklärt Nico. Dadurch entstehe Raum für Gespräche, bei denen die Jugendlichen auch ihre Probleme und Sorgen besprechen. Zentraler Inhalt des Projektes sei es, Handlungsalternativen aufzuzeigen, um künftig auftretende Probleme und Auseinandersetzungen gewaltfrei und selbstbewusst zu lösen. "Das ist wirklich was für alle. Wir sind eine multikulturelle, geschlechter- und altersgemischte Gruppe." Mitmachen kann jeder ab 13 Jahren.

Den Startschuss zum Boulderworkshop gab vor zwei Jahren die Projektfinanzierung des Bayerischen Jugendrings. Einige kommen schon seitdem hierher, andere sind zum ersten Mal da: in der Kletterhalle des "Boulderverein Glashaus e.V." in der Friedrich-Ebert-Straße. Momentan stehen den Jugendlichen gut 200 Quadratmeter Platz zur Verfügung. Ab Juli sollen es sogar 400 sein. Der Anbau steht bereits.

Geplant ist auch ein Ausflug in die Fränkische Schweiz: Bouldern im Freien. Zwei Mal pro Jahr unternehmen sie zusammen Ausflüge. "Wir wünsche nun sehr, dass wir dieses Projekt noch lange machen können und auch die Förderung nicht ausbleibt", sagt Nico Erhardt. Noch nie habe er bei Jugendlichen so eine Begeisterung für eine Sportart gesehen. "Jeder verlässt die Halle mit einem Lächeln."

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