15.04.2019 - 18:09 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Bekommt Weiden einen Shaolin-Tempel?

Wird die Max-Reger-Stadt bald das Zentrum chan-buddhistischer Religion und Shaolin-Kultur in Europa? Die gebürtige Neustädterin Ruth Weis setzt sich dafür ein. Und ihre Chancen stehen offenbar nicht schlecht.

Kampfsportler nehmen vor dem Shaolin-Tempel auf dem Song Shan Berg in China an einer Aufführung teil. Ein solcher Tempel könnte auch in Weiden entstehen, meint eine Neustädterin.
von Autor hczProfil

Seit Jahren ist es der Wunsch von Großmeister Shi Yong Chuan, für seinen Shaolin-Tempel eine Immobilie zu erwerben. Derzeit befindet sich der Tempel in Berlin. Der Bau einer Tempelanlage nach chinesischem Vorbild war dort auf dem Tempelhofer Feld geplant, scheiterte aber an einem Bürgerentscheid. Deshalb weiteten die Shaolin-Mönche ihre Suche nach einem geeigneten Standort auf das gesamte Bundesgebiet aus. Sie würden Bayern wegen seiner zentralen Lage in Europa bevorzugen. Durch den persönlichen Einsatz von Ruth Weis ist Weiden in den Fokus der Mönche gerückt.

Weis, eine gebürtige Neustädterin, war schon öfter für jeweils zwei Wochen im Shaolin-Tempel in Berlin. Sie begeistert sich für den Shaolin-Orden und den Buddhismus. Dass sie neben ihrem Management- und Technologie-Studium auch Sprachen – darunter Chinesisch -, studiert hat, kam ihr bei der Kontaktaufnahme mit dem höchstrangigen Mönch zugute. Ihm empfahl sie Weiden als wirtschaftlich prosperierende Stadt, die durch die Hochschule über studentisches Flair verfüge, ein beachtenswertes Einzugsgebiet habe und durch gute Zug- und Autobahnanbindung auch für von weiter her Anreisende attraktiv sei. Zudem, so die 33-Jährige, käme das Preisniveau, das hier doch erheblich niedriger als in Regensburg oder Nürnberg ist, den Finanzierungsplänen des Abts entgegen.

Laut Weis sucht der Abt ein Grundstück oder eine bestehende Immobilie, die für seine Pläne geeignet wären: Drei Hallen und ein großer Garten zur Meditation. In Berlin werden Kampfkünste, buddhistische Lehren und Chinesisch gelehrt - unter anderen durch Abt Shi Yong Chuan, der seit 2001 in Deutschland ist, und den Großmeister Shi Yong Dao, einem Mediziner, der seit 2007 hier ist.

Vergangene Woche zeigte Weis, die seit September als Laien-Buddhistin ordiniert ist, interessierten Zuhörern im Naturfreunde- Wanderheim in Trauschendorf Filme und eigene Fotoaufnahmen, die sie bei zwei mehrwöchigen Besuchen in China gemacht hatte. Sie hatte in dieser Zeit auch im Shaolin-Kloster im Wudan-Gebirge und in Peking gewohnt. Dort habe sie erstmals in ihrem Leben „völlige Entspannung, Versenkung und inneren Frieden verspürt“, berichtete sie. Weis erklärte den Besuchern die Lehren des Buddha, schilderte sein Leben und demonstrierte anschließend die von Bhodidarma entwickelten Kung-Fu- und Qui-Gong-Übungen. Stellvertretender Naturfreunde-Vorsitzender Herbert Schmid dankte der Referentin mit einem kleinen Präsent für ihren „Vortrag aus einer anderen Welt“.

Stimmen zu den Tempel-Plänen:

"Grundsätzlich Religionsfreiheit"

Viele, die vor 1970 geboren wurden, denken beim Wort „Shaolin“ an Cane, den von David Carradine gespieten Mönch, der in einer TV-Kultserie aus den Siebzigern mit Kung-Fu-Schlägen Schurken aufs Kreuz legt.

Viel mehr fällt auch Experten nicht ein, die sich mit Weltanschauungen besser auskennen. Etwa der katholische Dekan Johannes Lukas. „Ich wüsste nicht, warum ich dagegen Einwände haben sollte,“ antwortet er spontan auf die Frage, ob er sich einen Shaolin-Tempel in Weiden vorstellen könnte.

Wenrich Slenczka, der dem evangelische Dekanat Weiden vorsteht, tut sich etwas schwerer. „Grundsätzlich haben wir Religionsfreiheit, aber ob so ein Tempel in die Region passt? Nicht unbedingt, das ist doch hier nur eine Handvoll Leute, das wäre also was Importiertes.“ So weit er wisse, sähen Anhänger in Shaolin eher eine Alternative zur Religion. Es sei ein Weg, Glück zu suchen und klinge für ihn „etwas zweifelhaft“, gibt Slenczka zu.

Zweiter Bürgermeister Jens Meyer hört von der Tempel-Idee das erste Mal. „Grundsätzlich sind wir eine christlich geprägte Stadt mit jüdischen und muslimischen Facetten. Der Buddhismus ist aber eine Lebensform, die sich mit allen Religionen verträgt“, signalisiert er Aufgeschlossenheit. Zudem hätten verwandte Aspekte wie Qi Gong und Tai Chi auch in Weiden Tradition. (phs)

Ruth Weis ist ordinierte Laien-Buddhistin und setzt sich engagiert für den Bau des Shaolin- Tempels in Weiden ein.
Qi-Gong, Tai-Chi und Shaolin-Kung-Fu erlernte Ruth Weis bei ihren Aufenthalten in China und Berlin. Hier übt sie eine Stellung zusammen mit Zaneta Weidner und Lilija Ströhle.
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