01.07.2020 - 10:27 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Beratungsstelle "Dornrose" in Weiden meldet deutlich mehr Anfragen wegen sexualisierter Gewalt

Während des Corona-Lockdowns war es bei "Dornrose" ziemlich ruhig. Doch seit drei Wochen gibt es in der Beratungsstelle "Dornrose" eine stark erhöhte Zahl von Anfragen wegen sexualisierter Gewalt.

Für Elisabeth Scherb (rechts), Leiterin der Beratungsstelle "Dornrose", und ihre Mitarbeiterin Ilkay Gebhardt gibt es seit drei Wochen wieder viel zu tun. Die Nachfrage nach Beratungen zu sexualisiertem Missbrauch und Gewalt ist deutlich angestiegen.
von Jutta Porsche Kontakt Profil

"Seit drei Wochen, als die Lockerungen eintraten, haben wir deutlich erhöhte Anfragen wegen Beratungen zu sexualisiertem Missbrauch und Gewalt", erklärt Sozialpädagogin Elisabeth Scherb von der Beratungsstelle "Dornrose" in Weiden. Betroffen seien sowohl Kinder als auch Erwachsene. Mit konkreten Zahlen hält sich die Leiterin der Weidener Beratungsstelle bei sexualisierter Gewalt bedeckt. "Dazu müssen wir erst die weitere Entwicklung abwarten. Es gibt immer Schwankungen. Aber im Moment ist es bei uns sehr belebt."

Familien waren abgeschottet

Sie könnte sich sogar vorstellen, dass die Zahl der Ratsuchenden in naher Zukunft noch weiter steigt. "Eventuell gibt es einen gewissen Nachholbedarf." Während des Corona-Lockdowns seien Familien gewissermaßen abgeschottet gewesen. Zum einen seien Schulen und Kindertagesstätten, aus denen sonst häufig Anfragen wegen Verdachts auf sexuellen Missbrauch kämen, erst seit kurzem wieder geöffnet. Zum anderen könnten auch Fachkräfte, beispielsweise von der Sozialpädagogischen Familienhilfe, ihre Klienten erst seit wenigen Wochen wieder Zuhause aufsuchen.

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Weiden in der Oberpfalz

Was die häusliche Gewalt an Kindern betrifft, geht die Psychologin Ilkay Gebhardt mit Hinweis auf eine Studie der Technischen Universität München davon aus, dass diese in der Zeit des Corona-Lockdowns gestiegen ist. Die Macher der Studie selbst verweisen darauf, dass ein Vergleich der von ihnen ermittelten Zahlen mit Daten vor der Corona-Pandemie nicht aussagekräftig sei, da in früheren Untersuchungen stets längere Zeiträume als nur einige Wochen betrachtet worden seien. In der Beratungsstelle von "Dornrose" wurden in jüngster Zeit jedenfalls zwei Fälle von häuslicher Gewalt gemeldet. Gebhardt: "Die haben wir an das Frauenhaus weiter vermittelt." "Dornrose" befasse sich ausschließlich mit Fällen von sexualisierter Gewalt.

Erhöhter Druck in den Familien

Dass die Fälle von sexualisierter oder auch häuslicher Gewalt in der Region - wie anderswo beobachtet - gestiegen sind, wäre durchaus naheliegend, meint Elisabeth Scherb. "In der Zeit des Lockdowns hat sich der Druck in den Familien erhöht." Ganz besonders, wenn eine Familie mit vielen Kindern in einer kleinen Wohnung lebe. "Da steigt die Spannung, und Gewalt kann ein Ventil sein." Zudem seien die Eltern durch das Homeschooling stark gefordert gewesen, manche überfordert. "Auch dadurch steigt der Druck in der Familie."

Während des Lockdowns waren die Expertinnen von "Dornrose" per Telefon und E-Mail erreichbar. Doch die Nachfrage hielt sich in engen Grenzen. Jetzt haben sie wieder alle Hände voll zu tun.

"Dornrose" zeigt sich mit neuem Gesicht::

Homepage ist frisch aufpoliert

Die Fach- und Beratungsstelle bei sexualisierter Gewalt "Dornrose" zeigt sich im Internet und den sozialen Medien mit neuem Gesicht. Da die sozialen Medien gerade in Zeiten der Corona-Pandemie immer wichtiger werden, hat "Dornrose" die Informationsgewinnung und Kontaktmöglichkeit über soziale Medien in den Vordergrund gerückt.

"Wir möchten Jugendlichen und Frauen die Möglichkeit geben, sich über unsere Fachberatungsstelle und unsere Unterstützungsangebote zu informieren", betont die Leiterin Elisabeth Scherb. Die Erfahrung zeige, dass sich viele Menschen erstmal im Internet über Themen "schlau machen" würden. Gerade bei sexualisierten Gewalterfahrungen seien die Hemmungen, sich Hilfe zu suchen, erfahrungsgemäß groß. "Daher möchten wir mit unserer neuen Internetpräsenz eine Plattform bieten, auf der sich Menschen vorinformieren können, unsere Arbeit und uns als Mitarbeiterinnen kennenlernen können."

Die neue Homepage www.dornrose.de ist seit kurzen online. "Dornrose" ist auch auf Facebook und Instagram vertreten. Die Möglichkeit der Onlineberatung ist laut Scherb bereits in Planung und wird bayernweit mit dem paritätischen Wohlfahrtsverband für Frauennotrufe bis voraussichtlich Ende 2021 umgesetzt.

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