18.11.2019 - 11:42 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Bernd Posselt: Am Ende steht ein Schub für Europa

Die Wanderausstellung „Unter einem Dach“ in der VHS in Weiden erzählt über Begegnungen zwischen Tschechen und Deutschen. Ein Vortrag von Bernd Posselt hob das Thema auf die europäische Ebene.

Paneuropa-Union-Präsident Bernd Posselt (rechts) zusammen mit Moderator VHS-Bereichsleiter Harald Krämer.
von Siegfried BühnerProfil

Mit dem Satz „Meine Vorfahren haben 800 Jahre in Nordböhmen gelebt“ begann der Präsident der Paneuropa-Union Deutschland und langjährige Europaabgeordnete Bernd Posselt seinen Vortrag bei der VHS in Weiden. Posselt wollte damit zeigen, dass er sehr viele persönliche Bezüge zum Thema der grenzüberschreitenden Ausstellung „Unter einem Dach“ hat.

Der Europapolitiker sieht im deutsch-tschechischen und im deutsch-französischen Verhältnis die Kernelemente eines vereinten Europas. Auch sei der Gedanke der europäischen Einheit erstmals 1922 in Ronsperg in Westböhmen durch den Gründer der Paneuropaunion Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi formuliert worden. Auch die christliche Soziallehre sei in Böhmen entstanden. Die weiteren Ausführungen des Vortrags betrafen dann eher die gesamteuropäische Ebene. Posselt machte deutlich, dass Europa schon vor 1500 Jahren bestanden habe, bevor die Nationalstaaten entstanden sind. Und er sprach von „Dreiklängen der europäischen Identität“.

Vermischt hätten sich christlicher Glaube, griechische Philosophie und Römisches Recht im Rahmen der Zusammenführung der Volksstämme der Germanen, Romanen und Slaven. „Das Thema Europa begleitet mich seit meiner Geburt, denn ich habe auch österreichische Vorfahren“, berichtete Posselt. Seit gut 40 Jahren habe er an jeder monatlichen Plenarsitzung des Europaparlaments teilgenommen. In allen osteuropäischen Ländern habe er persönlich die Niederschlagung des kommunistischen Systems erlebt. „Dies alles war ein europäischer Aufbruch.“

Überrascht wurden die Zuhörer dann von dem Satz „Ich bin der einzige bayrische Bürger, dem Putin ein Einreiseverbot nach Russland gegeben hat“. Posselt sieht den Grund dafür darin, dass er sich aktiv für Menschenrechte als Basis für Europa einsetzt. Alle weiteren Ausführungen im Vortrag können dann als vehementes Plädoyer für ein vereintes Europa zusammengefasst werden. Dem politischen Willen, in einer europäischen Demokratie zu leben, sei die längste Friedensperiode in der europäischen Geschichte zu verdanken. Themen wie Islamismus, Klimaschädigung, Welternährung und die wirtschaftliche Herausforderung durch Asien können nicht mit „winzigen Nationalstaaten angegangen werden“. Europa insgesamt bilde heute nur sieben Prozent, Ende des Jahrhunderts nur drei Prozent der Weltbevölkerung. Der Friede sei „Ausnahmezustand“ und das müsse den jungen Leuten immer wieder vermittelt werden. Gegen neuen Nationalismus „müssen wir gemeinsam kämpfen“. Populisten hätten immer auf komplizierte Fragen einfache Antworten. Posselt sagte „Entweder scheitert Europa oder es macht einen Sprung.“ Sich selbst bezeichnet er als „genetischen Optimisten“. Nicht Europa, sondern die Nationalstaaten würden eine Krise erleben. Und am Ende des Krisenprozesses wird „ein Schub für Europa stehen“. Niedergeschrieben hat Posselt seine Gedanken auch in seinem neuen Buch „Bernd Posselt erzählt Europa“.

Paneuropa-Union Deutschland-Präsident Bernd Posselt.
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