Wenn Michl Müller die Bühne betritt, spürt das Publikum bis zuletzt, dass hier einer steht, der Finale kann. Nicht ohne Grund setzen ihn die Macher der "Fastnacht in Franken" in Veitshöchheim traditionell immer an den Schluss. Weil er die Kurve kriegt, wenn andere schon im Ziel sind. In Weiden zeigt sich aber, dass Müller nicht nur am Ende funktioniert, sondern dass er einen ganzen Abend trägt.
Mit seinem "Limbo of Life" tänzelt der Unterfranke durch den Alltag, biegt sich zwischen Pointen hindurch und bleibt dabei erstaunlich beweglich. Schon vor Beginn mischt er sich unters Publikum und hat schnell sein Ziel ausgemacht: Uwe aus Krummennaab. Der Ortsname sorgt erst mal für Lacher, Uwe wird kurzerhand eingebaut. Fortan heißt es für ihn: Aufstehen und "Auf geht’s!" rufen, wenn Müller singt. "Das ist Emotionalität in Krummennaab", kommentiert Müller trocken und schenkt seinem Sidekick eines dieser "Dreggsack"-T-Shirts.
Inhaltlich zieht sich die "Straße von Hormus" wie ein roter Faden durch den Abend. Für den Kabarettisten aus Franken die Erklärung für alles, was teuer geworden ist. Tanken, Alltag, selbst der Schoko-Osterhase: Nichts bleibt verschont. "Bei den Preisen brauchst bald an Finanzberater an der Zapfsäule." Viele der 600 Besucher erkennen sich wieder und biegen sich vor Lachen.
Auch politisch bleibt er spitz. Bundeskanzler Friedrich Merz bekommt sein Fett weg, wird als ratloses Rebhuhn karikiert, weil seine Entscheidungen dauern. Markus Söder taucht ebenfalls auf, als "Bratwurstfresser von Nürnberg". Müller trifft den Ton zwischen Kritik und Klamauk. Das energiegeladene Schlitzohr serviert den Weidenern einen Abend ohne Durchhänger.
Dazwischen streut er Erinnerungen an die eigene Schulzeit und an den Schulsport - "hab ich g’hasst!". Er erzählt von Kindergeburtstagen mit Beyonce-Chantal und Sören-Lars und von anderen Alltagsabsurditäten. Der gelernte Werkzeugmechaniker lädt das Publikum ein zu einem Weiterbildungsseminar für Handwerker, das allein darauf zielt, den Kunden möglichst viel Geld aus der Tasche zu ziehen. Müller macht Wellnessurlaub im Bayerischen Wald und reist auf einem Kreuzfahrtschiff. Er wird laut, derb, dann wieder leise und fast nachdenklich. Es ist der ständige Wechsel, der trägt.
Zum Schluss zeigt sich dann doch die alte Stärke aus Veitshöchheim: Ein musikalisches Medley seiner besten Stücke "Ingwerreibe", "Metzgereifachverkäuferin". Es ist längst 23.15 Uhr. Nur keine Müdigkeit vortäuschen. Das Publikum ist nämlich immer noch auf Betriebstemperatur und geht voll mit.

















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