17.12.2018 - 18:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Bethlehem im böhmischen Elbtal

Die Skulpturengruppe „Betlém“ des Bildhauers Matthias Bernhard Braun hinterlässt beim Betrachter einen tiefen Eindruck. Ein Besuch des Kulturdenkmals in der Ortschaft Žírecˇ lohnt sich.

Bildhauer Matthias Bernhard Braun hat zwei Kilometer entfernt von Kuks in einem meterhohen Felsvorsprung das beste Werk des böhmischen Barock geschaffen.
von Rainer ChristophProfil

Auf dem Hügel Nový les über der Ortschaft Žírecˇ schuf der berühmte Bildhauer Matthias Bernhard Braun in den Jahren 1723 bis 1733 mit seinen Schülern ein umfangreiches Ensemble von Reliefs. Es wird nach dem bedeutendsten Werk einer Krippendarstellung „Betlém“ (Bethlehem) genannt. Seit 1970 gilt diese gestaltete Gesteinsformation als Kulturdenkmal. Der „World Monument Fund“ setzte es auf die Liste der 100 meist bedrohten Denkmäler der Welt. Obwohl nur ein Teil der einst umfangreichen Skulpturengruppe erhalten ist und einige beschädigt sind, hinterlassen sie beim Betrachter einen tiefen Eindruck. Braun wird mit Recht als „böhmischer Michelangelo“ bezeichnet. Der gebürtige Tiroler verarbeitete italienische und süddeutsch-österreichische Vorbilder zu einem Stil, der die Vorstellung vom „böhmischen" Barock bis heute stark bestimmt. Seine Skulpturen finden sich in vielen Orten und Klöstern und Palästen des Landes. Seit 1712 arbeitete er für den Grafen Franz Anton Sporck. In dessen Auftrag schuf Braun in den folgenden Jahren in und um Kuks (Kukus) seine Skulpturen. Vorausgegangen war die Idee des Grafen, Natur und Kunst zu vereinigen. So entstand eine im barocken Stil komponierte Landschaft. Es ist ein durchdachtes System von Alleen, Waldschneisen, solitären Bäumen, Einsiedeleien, Kreuzen und Statuen. Vieles von dem hat die Jahrhunderte nicht überstanden.

Doch wer war dieser Graf Spork? Franz Anton Sporck erbte den Adelstitel seines Vaters, der aus einem alten westfälischen Adelsgeschlecht stammte und in der K.-u.-K.-Monarchie zu Würden und Einfluss kam. Von dem Erbe ließ er am Anfang des 18. Jahrhunderts das „Kuckus-Bad“ bauen. Im Osten Böhmens wurden in dieser Zeit Heilquellen entdeckt. 1692 errichtet er eine imposante architektonische Komposition aus Schloss, Kloster und Spital (Hospital) für 100 betagte Soldaten aus dem Adel. Und hier bekam der Bildhauer Braun in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts den Auftrag, ein monumentales bildhauerisches Kunstwerk zu errichten. Er sollte für die Kurgäste in Kukus einen Meditations- und Ausflugsort schaffen.

So entstand im Riesengebirgsvorland eine Gruppe von Plastiken und Reliefs, die Braun im Wald zwischen Königinhof (Dvu˚r Králové) an der Elbe und Kukus (Kuks) schuf. Die Plastiken und Reliefs wurden mit großer Präzision in Sandstein auf eine Länge von 500 Metern gehauen und stellen biblische und religiöse Figuren und Szenen dar. Viele Figuren sind bereits bis zur Unkenntlichkeit verwittert. Den Namen Bethlehem trägt das Werk dank des Zentralmotivs, die die Geburt Jesu abbildet.

Den Gipfel und damit das beste Werk des böhmischen Barocks hat der geniale Meister im Wald zwei Kilometer weit von Kuks entfernt in einem meterhohen Felsvorsprung (mit einer Höhle mit Quelle) unter freiem Himmel geschaffen. In der Mitte ist die Geburt des Herrn mit Maria, Josef und dem kleinen Jesuskind dargestellt. Von links kommen die Drei Könige mit einem reichen Begleitzug in Richtung der Heiligen Familie. Hirten knien und verbeugen sich an der Krippe. Den Eingang zur Höhle verbarg das Himmelsgewölbe mit dem Engel Gloria auf dem höchsten Punkt. Die Barockstatuen waren einst bunt bemalt. In einigen Falten der Figuren Brauns haben sich bis heute Farbreste erhalten. Die Szenerie wurde vervollständigt durch weitere freistehende Gestalten, einen großen Brunnen und andere Bauten.

Im Laufe der Zeit verfiel das Werk – teils aus klimatischen Gründen, teils durch menschliches Zutun. Von Brauns Bethlehem ist nur ein Torso übrig geblieben, trotzdem gehört es zu den besten Werken der europäischen Barockkunst. Es ist eine große Herausforderung, ausgesuchte Figuren zu konservieren und zu retten. Das monumentale Relief hat diesem Ort seinen Namen gegeben: „Matthias Braun Bethlehem“.

Die Anlage des „Hospital Kuks“ wurde mittlerweile glanzvoll renoviert und daraufhin mit dem höchsten Denkmalpreis (Europa-Nostra-Preis) ausgezeichnet. Das Schloss existiert nicht mehr, der Besuch von „Hospital Kuks“ mit Kirche, der zweitältesten Barockapotheke des Landes, der Familiengruft und Parkanlagen ist ein Erlebnis. In das Gesamtprojekt hat man europäische Mittel in Höhe von rund 16 Millionen Euro investiert.

Von der einst umfangreichen Skulpturengruppe ist mittlerweile nur noch ein kleiner Teil erhalten.
Der Schöpfer dieses Skulpturen-Ensembles, Bildhauer Matthias Bernhard Braun, gilt als „böhmischer Michelangelo“.
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