19.09.2019 - 12:39 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Bewährung für Pöbelei und Hitlergruß

„Was für ein Fest!“, stellte Richter Dennis Herzog fest. Er kommentierte damit den Ausraster eines 33-Jährigen auf dem Maibaumfest eines Orts im westlichen Landkreis Neustadt/WN. Der Ledige hatte am 1. Mai 2018 dort Leute angepöbelt.

Symbolbild.
von Autor RNSProfil

Als eine Polizistin, die den Mann seit Langem als „Kunden“ kennt, mit ihrem Kollegen eintraf, rastete er völlig aus. Auf einen Platzverweis reagierte er aggressiv und schrie weiter herum. Als die Beamten ein Messer und ein Abwehrspray bei ihm sichergestellt hatten, ließ er sich doch zum Gehen bewegen. Beim Weggehen beobachtete die 46-jährige Beamtin, dass er gegenüber ihrem Kollegen ausfällig wurde. Diesen bezeichnete er als „Bullenschwein“ und zeigte den Hitlergruß. Außerdem bedrohte er den Polizisten, dass er sich „sein Gesicht merken werde“. Widerstand, ein zerrissenes Hemd, Beleidigungen, Tritte, Beißversuche und gezielte Faustschläge gegen die Vollstreckungsbeamten folgten. Und: die Blutprobe im Klinikum Weiden, die 3,71 Promille ergab.

Anscheinend hat der Vater vierer Kinder von drei Frauen, der außer einer abgebrochenen Lehre noch nie etwas gearbeitet hat und bei den Eltern lebt, ein riesiges Problem mit Uniformierten, meinte Staatsanwältin Franziska Hofmann. 15 Vorstrafen zeugen davon. Seit 2000 reihen sich Körperverletzungs-, Diebstahls- , Beleidigungs- und Drogendelikte – jedesmal mit kleinen Geldstrafen oder kurzen Gefängnisaufenthalten geahndet – nahtlos aneinander. Nun bekommt der Hartz-IV-Empfänger medizinisches Marihuana vom Arzt verschrieben, ist angeblich clean und trinkt auch keinen Alkohol mehr. Landgerichtsarzt Dr. Bruno Rieder bescheinigte ihm, dass er „ein schwer suchtkranker Mensch mit emotionalen Instabilitäten“ ist.

Da der Bewährungshelfer des Angeklagten bestätigt hatte, dass dieser eigentlich ganz verträglich sei, gut bei der Bekämpfung seiner früheren Heroin-Sucht mitarbeite und normalerweise auch keinen Alkohol mehr konsumiere, ging Staatsanwältin Franziska Hofmann von einem „einmaligen Rückfall“ aus. Der Vorfall sei eineinhalb Jahre her und seitdem sei nichts mehr vorgefallen. Obwohl der Angeklagte unter laufender Bewährung stand, wollte sie ihm trotzdem noch einmal die Möglichkeit der Bewährung zugestehen. Sie plädierte auf 16 Monate mit einer Bewährungsauflage von 300 Euro. Verteidigerin Jutta Carrington-Conerly schloss sich erfreut diesem Antrag an, wies auf das Geständnis ihres Mandanten hin – soweit er sich erinnern konnte – und bat um Festsetzung moderater Raten für die Geldauflage. Richter Herzog verurteilte den 33-Jährigen zu 15 Monaten auf Bewährung und 500 Euro, die er in Raten zu 25 Euro abstottern kann.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.