"Kommt ein Tourist nach Weiden, fragt: ‚Sagen Sie mal, wo ist denn hier das weltbekannte Weidener Nachtleben?‘ Sagt der Einheimische: ‚Das tut mir jetzt wahnsinnig leid. Die Dame ist heute in Nürnberg.‘" Und einmal mehr lacht der "Kulturbahnhof Parapluie". Was er übrigens schon den ganzen Abend über tut.
Seit Mittwoch weiß Bernard Liebermann auch, dass die Zugfahrt von Weimar nach Weiden fünf Stunden dauert. "Mit dem Auto würde man’s in 30 Minuten schaffen. Es gibt keine Geschwindigkeitsbeschränkung", scherzt der Kabarettist. Schnell wird klar: Liebermann ist nicht gekommen, um einfach ein vorbereitetes Programm abzuspulen. Er nimmt auf, was ihm begegnet und macht daraus Stand-up-Kabarett.
"Blaukraut bleibt Blaukraut und Brautkleid bleibt Brautkleid." Wehe aber, wenn das Brautkleid mit dem Blaukraut in Berührung kommt. Liebermann jongliert mit Sprache, Musik, Zungenbrechern und Pointen. Er buchstabiert sich um Kopf und Kragen. Es gibt keinen Mantel des Schweigens in Sachen der Ortschaft Mantel. Im Gegenteil: Die drei Damen aus der Marktgemeinde am Tisch vor der Bühne und ihr örtliches Umfeld baut der Typ aus Weimar kurzerhand wie einen roten Faden in sein Programm ein.
Ebenso finden eine Lehrerin und ein Lehrer, die zufällig nebeneinander sitzen, ihren festen Platz im Abend. Das Publikum liefert Stichworte, Liebermann verwandelt sie in Geschichten. Mal genügt ein Name, mal ein kleiner Zuruf und schon entwickelt sich daraus eine neue Nummer.
Nach der Pause wird es endgültig zum "Best of": Der komplette zweite Teil ist, wie Liebermann augenzwinkernd erklärt, "Zugabe". Dabei vergiftet er nach Georg-Kreisler-Manier Tauben im Park, plädiert für das echte, analoge Leben, also dafür, Dinge wieder live zu sehen, anstatt nur auf dem kleinen Bildschirm zu verfolgen.
Auch gesellschaftliche Themen bekommen ihren Platz. "Die Zeiten gendern sich", stellt Liebermann fest. Gegen Ende nimmt er schließlich als Goethe-Schiller-Denkmal auf dem Theaterplatz in Weimar Platz, zettelt einen Denker-Wettstreit an und lässt die beiden Dichter über Sexualität und Werteorientierung diskutieren.
In zahlreichen Programmen hat das Weimarer Kabarett frischen Wind, lautes Lachen und klugen Klamauk fabriziert. Mit Kollegen ist Bernard Liebermann durchs Land gereist. Nun hat das Ensemble seine besten Nummern zu acht neuen Programmen zusammengewürfelt. Von Weimarer Dichterfürsten über das Bauhaus bis zu Ernährungsmythen und den Goldenen Zwanzigern reicht das Spektrum. Eines dieser Programme hatte Liebermann nach Weiden mitgebracht.
Der Abend mit Liebermann auf der "Kulturbühne im Parapluie" machte eines wieder deutlich. Nämlich, dass Kabarett keine große Kulisse braucht. Vieles ist vorbereitet. Aber auch nur ein Stichwort aus dem Publikum, ein Zungenbrecher oder eine scheinbar nebensächliche Beobachtung reichen ihm, um daraus eine Pointe zu bauen. Mit ihm ist jeder Abend ein wenig anders, was genau den Reiz ausmacht.













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