Von Helmut Kunz und Stephanie Hladik
Es sollte ein glanzvoller Abschluss werden. Nach zehn Tagen Open-Air-Kino auf dem Gelände des VfB Weiden stand am Sonntagabend die Filmbiografie „Michael“ über das Leben von Michael Jackson auf dem Programm. Ein Gewitter machte den Veranstaltern einen Strich durch die Rechnung. Sie mussten abbrechen.
Zunächst schien das Wetter noch zu halten. Rund 300 Besucher wollten am Sonntag den Film sehen. Viele waren bereits mit Regenponchos ausgerüstet. Die Betreiberin des Neue-Welt-Kinocenters und Organisatorin des Open-Air-Kinos, Lisa Lahm, hatte vor dem Filmbeginn angekündigt, die Vorstellung bei einem heraufziehenden Gewitter notfalls abzubrechen. Die Wetterlage behielt sie die ganze Zeit im Blick.
Plötzlich alles dunkel
Als das TBX-Dance-Studio zur Einstimmung seine einstudierten Moves zeigte, regnete es bereits, und in der Ferne zuckten Blitze. Mit etwas Verspätung hieß es: Film ab. Doch nach weiteren knapp 20 Minuten war die Vorstellung plötzlich vorbei. Auf der Leinwand war der junge Michael Jackson gerade im Studio zu sehen, als er „Who’s Lovin’ You“ einsingt und von Motown-Chef Berry Gordy ermahnt wird, bei den Aufnahmen nicht mit den Beinen zu wackeln. Dann gab es einen ohrenbetäubenden Knall, und die Leinwand blieb dunkel. Auch auf dem Gelände war das Licht aus.
Zunächst sei nicht klar gewesen, ob tatsächlich ein Blitzschlag die Technik lahmgelegt hatte. Fest stand nur: An eine Fortsetzung der Vorstellung war angesichts der plötzlich nahen Gewitterfront nicht mehr zu denken.
Wie die Kinobetreiberin noch am Abend vor Ort betonte, wurde ein Großteil der Besucher umgehend und geordnet vom Open-Air-Bereich in das Vereinsheim des VfB Weiden gebracht. Einige seien aber auch sofort in Richtung Ausgang gelaufen. Alles sei ruhig und ohne Zwischenfälle verlaufen. Nach ihrem Kenntnisstand sei niemand verletzt worden. „Die Sicherheit unserer Gäste und unseres Teams hatte zu jedem Zeitpunkt oberste Priorität. Deshalb war der Abbruch der Veranstaltung die einzig richtige Entscheidung.“
Wie Lisa Lahm noch in der Nacht informierte, sei ein Blitz in einen Flutlichtmast auf dem Fußballplatz eingeschlagen. Infolge dessen sei auch die Stromversorgung auf dem Veranstaltungsgelände unterbrochen gewesen.
Schreck sitzt tief
Der Schreck sitzt bei manchem Kinofan auch am Tag danach noch tief. „Es war ein echt lauter Buscher. Der Einschlag war ganz schön nah“, berichtet ein Besucher gegenüber Oberpfalz-Medien am Montag. „Mir war schon mulmig, als ich über die Wiese zu meinem Auto lief“, sagt eine junge Frau, die mit Freundinnen das Event genießen wollte. Auch Kinobetreiberin Lisa Lahm steckt der Sonntagabend in den Knochen. „Unsere Entscheidung, die Veranstaltung abzubrechen, war richtig“, sagt sie am Montag auf Nachfrage. Dass es so heftig wird, habe aber niemand erwartet.
Nach den vergangenen Hitzetagen waren für Sonntag Regen und Gewitter gemeldet worden. Vom Deutschen Wetterdienst (DWD) habe Lahm aber die Information gehabt, dass die Gewitterfront an Weiden vorbeiziehen werde. „Ich habe den ganzen Abend beim DWD nachgefragt und die Warn- und Wetter-Apps beobachtet. Weiden war bei den Warnungen nicht dabei“, sagt Lahm. Hätte es eine amtliche Warnung gegeben, dann hätte sie sofort abgebrochen.
Als der Regen stärker wurde und der Film schon lief, habe sie entschieden, doch kurz zu pausieren. „Gerade als mein Mann im hinteren Bereich des Platzes zum Betriebshäuschen mit dem Projektor lief, schlug mit lautem Krachen ein Blitz in einen Flutlichtmast ein. Dann war der Strom weg und alles dunkel.“ Viele Leute seien erst einmal sitzen geblieben, ein Teil sei gegangen. „Wir haben die Besucher dann ins VfB-Heim gebracht, wo sie das Ende des Gewitters abwarten konnten.“ Ihr sei nur wichtig, dass niemand zu Schaden kam. Die Tickets würden den Besuchern natürlich rückerstattet.
Am Montagvormittag bauten Mitarbeiter der Technikfirma zweiB aus München bereits die Air-Screen-Leinwand samt Technik auf dem Sportplatz ab. Nach erster Einschätzung seien keine größeren Schäden entstanden. Zum Open-Air-Kino-Start am Abend in Grafenwöhr werden trotzdem eine andere Leinwand und andere Lautsprecher zum Einsatz kommen. "Die haben gleich Ersatz mitgebracht", erklärt Lisa Lahm. Bis zum 23. August findet das Freiluftkino auf der Naturbühne Schönberg seine Fortsetzung. Veranstalter ist hier die Stadt Grafenwöhr.
In Weiden hatte das Wetter die ganze vergangene Woche über mitgespielt und das Open-Air-Kino zu einem Erfolg werden lassen. Besonders der neue Eberhofer-Film erwies sich an drei Abenden als Publikumsmagnet. Umso bitterer war das vorzeitige Finalende. Für Grafenwöhr hofft Lahm nun auf einen ruhigeren Verlauf.





















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