01.08.2019 - 17:27 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Borkenkäfer sichten und handeln

Frühzeitiges Erkennen, konsequentes Fällen und der zeitnahe Abtransport sind die nötigen Schritte bei Borkenkäferbefall im Wald. Nur so kann eine Epidemie verhindert werden, erklärt der Forstbetriebswirt bei einer Ortsbegehung.

Die Forstbetriebsgemeinschaft Neustadt/WN Süd mit Michael Bock (vorne, links) und Arnim Scheiblhuber vom AELF (Zwischen den Bäumen) informieren Interessierte bei einer Ortsbegehung am Fischerberg, wie sie Borkenkäferbefall erkennen und danach richtig handeln.
von Autor rdoProfil

Die Zunahme des Borkenkäfers treibt Forstwirte um, sagte Michael Bock, Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Neustadt/WN Süd bei einer Ortsbegehung im Waldgebiet auf dem Fischerberg bei Letzau am Fuße des Funkturmes. Wenn man hier vom Borkenkäfer spricht, handle es sich fast ausschließlich um die Fichten befallenden Arten Buchdrucker und Kupferstecher. Erstgenannte tritt vermehrt am Stammansatz auf, der andere tummelt sich im schwächeren Holz im Kronenbereich, weiß Bock. Zur Fortpflanzung bohren sich die Schädlinge in die Rinde der Fichten und unterbrechen so den Wasser- und Nährstofftransport zwischen Wurzel und Krone. Das führt zum Absterben der Kronen.

Forstoberinspektor Arnim Scheiblhuber, neu am Amt für Landwirtschaft und Forsten Weiden, machte hohe Temperaturen für die rasend wachsende Population der gefräßigen Käfer verantwortlich. Dauerte es früher etwa sechs Wochen, bis eine Käferpopulation ausflog, vergehen heute nur noch vier bis fünf Wochen. Ein Mutterkäfer kann in einem Jahr bis zu 100.000 Nachkommen hervorbringen. Im Landkreis Neustadt/WN stehen drei Fallen zur Zählung – und die Situation ist kritisch. Die Kontrolle des Waldes auf Käferbfall sollte von Mitte April bis in den September/Oktober (abhängig von der Temperatur) hinein alle vier Wochen und bei Massenbefall wöchentlich erfolgen.

Anzeichen für einen Befall sind rot-braune Baumkronen. Die Waldbesitzer sollten nach Bohrmehl am Stammfuß oder in den Rindenschuppen des Baumes suchen. Durch die Trockenheit sind die Bäume zusätzlich geschwächt. Ziel muss es sein, den befallenen Baum im Frühstadium komplett, auch mit Krone und Ästen, aus dem Wald zu entfernen. Denn frisches Restholz wie Baumkronen und starke Äste seien ein idealer Brutraum. Als Lagerplatz sollte ein Abstand von Mindestens 500 Metern zum Wald dienen, um nicht weiteren Befall zu riskieren.

Die FGB hilft beim Erkennen von Borkenkäferbefall, organisiert die Aufarbeitung des Schadholzes und den Abtransport zu Sammelplätzen, vermarktet die anfallenden Sortimente (Sägeholz, Brennholz oder Hackschnitzel) und unterstützt bei der Abwicklung von Förderungen (Sammelantrag), die bis zu 12 Euro je Festmeter beträgt. Auch Grundstücksnachbarn mit Waldbestand sollten gewarnt oder aufmerksam gemacht werden, um durch gemeinsames Handeln den kritischen Bestand des Borkenkäfers einzudämmen, riet Michael Bock und dankte sich den zahlreichen interessierten Waldbesitzern.

Achtung: Hier liegt Bohrmehl am Stammfuß der Fichte. Das deutet auf Borkenkäferbefall hin.

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