08.07.2019 - 09:58 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Burgruine Waldeck digital rekonstruiert

Über zwei Jahre arbeitet Bernhard Weigl an der digitalen Rekonstruktion der kurbayerischen Festung Waldeck von 1660. Dabei helfen ihm Zeichnungen, Grundrisse, Inventarlisten und Rechnungen nach Bränden und Reparaturaufträgen.

So soll die Burg Waldeck um 1660 laut einer digitalen Rekonstruktion von Bernhard Weigl ausgesehen haben.
von Autor rdoProfil

Sein Vortrag beim Heimatkundlichen Arbeitskreis stieß auf großes Interesse. Vorsitzende Petra Vorsatz begrüßte den Heimatforscher Bernhard Weigl in der „Almhütte“. Die Geschichte der Burg Waldeck und des Alten Marktes auf dem Schloßberg war eng verbunden, sagte der Referent. Die Erstnennung datiert vom Jahr 1124 mit Gebhard I. von Leuchtenberg als Eigentümer. 1283 verkaufte Landgraf Friedrich II. von Leuchtenberg an Herzog Ludwig II., genannt „Der Strenge“, vom Herzogtum Oberbayern.

1494 hält die erste Nennung von Baunachrichten durch Kurfürst Philipp über den Bau eines Brunnens oder einer Zisterne sowie Arbeiten am Viehhaus und am äußeren Tor fest. 1578 erfolgte die Errichtung des „neuen Gebäudes“ im Osten der Burg, 1586 die Renovierungen der Amtswohnung für den Pfleger Heinrich von Ortenburg. Der Bau des oberen Treppenturmes begann 1613. Kriegsereignisse verursachten 1634/35 große Schäden. 1648 erfolgte die Besetzung der Burg durch den schwedischen General von Königsmarck, der begann die Festungsanlage auszubauen. Die obere Burg ging am 18. November 1965 in Flammen auf. In einer niederländischen Zeitung war ein Bericht von 1704 von Überläufern zu bayerischen Reichstrupps auf der Burg und 1705 kam das eigentliche Ende der Festung.

Holzmodell der Burg Waldeck entdeckt

Sehr gut verlief die Zusammenarbeit mit dem Heimat- und Kulturverein der Waldecker Burgruine. Ausgrabungen aus den 1990er Jahren mit dem Landesamt für Denkmalpflege haben Steine mit Jahreszahlen und prunkvolle Kachelofenscherben hervorgebracht. Am wertvollsten war für Weigel ein Holzmodell der Anlage aus der Mitte des 17. Jahrhunderts, auf das er bei seinen Recherchen im bayerischen Nationalmuseums in München stieß und erkannte, dass es fälschlicherweise mit der Burg Hohenwaldeck am Chiemsee benannt war. Dieses Modell ermöglichte, Fenster und nach außen gehende Türen nachzuvollziehen.

Der Referent rekonstruierte mit einem Drahtgittermodell eines Architekturprogramms die digitale Ansicht der Burg nach Bauplänen, Zeichnungen und Erkenntnissen aus Baurechnungen und dazu eine Animation (sie kann unter YouTube aufgerufen werden). Weigl gab auch einen Einblick in die Einrichtung der Räume in den wichtigsten Bauten. Insgesamt bezeichnete Weigl die Obere Burg aufgrund der Ausstattung eher als ein Schloss. Im ersten Obergeschoss des Herrenhauses mit großem Pultdach, Zinnen und großen Fenstern war die Wohnung des Pflegers und im zweiten Geschoss war der Burgherr zu Hause. Sogar die einzelnen Möbel konnten dargestellt werden. An das Haus war ein Schneckenturm mit zirka 8,50 Meter Höhe und 36 Stufen angebaut. Inventarlisten bezeugen eine reich ausgeschmückte Ägidius-Kapelle.

Petra Vorsatz bedankt sich bei Heimatforscher Bernhard Weigl für seine interessanten Ausführungen zur Burg Waldeck.
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