28.12.2018 - 18:40 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Christkindlmarkt mal ganz anders

Den Weidener Christkindlmarkt zeichnet ein besonders Flair aus. Er ist kein hochkarätiger Kunsthandwerkermarkt. Eher bunt gemischt, nach dem Motto "für jeden etwas". Über vier Jahrzehnte haben Stadt und Marktkaufleute ihr Konzept verfeinert. Doch nun sehen sich die Kaufleute um den Erfolg gebracht.

Die Arbeitsgemeinschaft Christkindlmarkt der Marktkaufleute lässt seit Jahrzehnten den Oberen Markt in der Adventszeit erstrahlen. Bereits 2019 wird die Stadt Weiden als Veranstalter des Weihnachtsmarktes auftreten. Diese Änderung stößt bei den Marktkaufleuten auf wenig Gegenliebe.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Die Gerüchteküche brodelt nämlich. Bei den Schaustellern kursiert die Befürchtung, dass die Stadt schon im nächsten Jahr eine wesentlich dominierendere Rolle einnehmen will. Es geht um die öffentliche Ausschreibung und Vergabe der Belegung des Christkindlmarktes. Das hat seit 42 Jahren eine Arbeitsgemeinschaft der Marktkaufleute selbst erledigt, in Eigeninitiative und stets im besten Einvernehmen mit der Stadt. Eine schriftliche Fixierung der Rollenverteilung, schon vor zehn Jahren ausgehandelt und vereinbart, blieb allerdings ohne Unterschrift. Geschadet hat es dem guten Verhältnis zwischen Marktkaufleuten und der Stadt nicht. Jeder wusste, was er am anderen hatte.

Sand im Getriebe

Die Vergaberichtlinien bringen Sand ins Getriebe. Die Stadt nimmt die Organisation des Christkindlmarktes in die eigene Hand. "Wir haben es doch nicht schlecht gemacht", stellt Gerd Donhauser dazu fest. Er kann nicht verstehen, warum jetzt, da es so gut läuft, wieder alles umgestoßen werden solle. "Wir plädieren dafür, dass es bei der engen Zusammenarbeit mit dem Kulturamt bleibt."

Eine weitere Kostensteigerung befürchtet Daniela Margraf. So sei bei den Kollegen "zu hören", dass etwa auch für die Öfen und Unterstellhütten Standgebühren fällig würden. Johanna Heindl, ebenfalls in die Arbeitsgemeinschaft eingebunden, verweist darauf, dass die Marktkaufleute diese Einrichtungen selbst gebaut oder angeschafft und der Stadt zur Verfügung gestellt hätten. Es sei ein Unding, wenn sie dafür noch Standgebühren zahlen sollten. "Wir haben das doch gemacht, um die Attraktivität des Christkindlmarkts zu steigern", pflichtet ihr Johannes Heindl bei. "Warum sollten wir dafür bezahlen, wenn alle davon profitieren?"

Mit viel Herzblut

Das Grundproblem sei die geforderte öffentliche Ausschreibung, die offiziell bei der Stadt Weiden angesiedelt werden solle, räumt Gertrud Wittmann (Eventmanagement der Stadt) ein. Wie der Christkindlmarkt neu konzipiert werden solle, sei noch völlig offen. "Ich habe alles zusammengetragen, was die Marktkaufleute zur Verfügung gestellt haben. Jeder hat sehr viel Herzblut in den Weihnachtsmarkt gesteckt und viel investiert, zum Beispiel in die Hütten, die dann nicht mehr kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Wir müssen uns alle an einen Tisch setzen."

Hierfür ist bereits ein Termin vereinbart. Am 24. Januar um 11.30 Uhr ist das Gespräch der Arbeitsgemeinschaft Christkindlmarkt mit Oberbürgermeister Kurt Seggewiß vorgesehen. Zunächst aber ist Bürgermeister Jens Meyer erster Ansprechpartner der Marktkaufleute, die ihm bei der Übergabe der Spende aus der Weihnachtstombola des Christkindlmarktes ihr Herz ausschütteten. Sie fürchten darum, dass das bewährte Organisatorenteam auseinandergerissen wird. Langjährige Marktbeschicker, die traditionell dabei sind und viel in ihre Stände investiert haben, könnten bei öffentlichen Vergaben außen vor bleiben.

Am Freitag bestätigte Meyer gegenüber den Oberpfalz-Medien, dass gravierende Änderungen anstehen. "Das hat nichts mit den Leistungen der Arge zu tun. Sie hat großartig gearbeitet." Im Hintergrund stehe vielmehr die Marktsatzung der Stadt, zuletzt im Jahr 2015 geändert. Demnach ist die Stadt Weiden Veranstalter des Weihnachtsmarktes. "Es dürfte klar sein, dass der Veranstalter auch die Institution ist, die den Markt ausschreibt und die Plätze vergibt." Das neue Konzept solle schon im Jahr 2019 greifen. Besondere Dynamik erhielt das Thema Umsetzung der Marktsatzung durch das Volksfest, das die Stadt ebenfalls veranstaltet.

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