Den besten Überblick über Selbsthilfegruppen hat die Selbsthilfekontaktstelle (Seko) Nordoberpfalz der Diakonie Weiden. Sie listet vier Gruppen auf, die sich mit der Corona-Pandemie und ihren Folgen beschäftigen. Zwei davon richten sich an Hinterbliebene, eine spricht Menschen in Ostbayern mit Post-Covid-Symptomen an. Jetzt ist eine vierte Gruppe mit Sitz in Weiden hinzugekommen. Sie will Menschen mit Long-Covid und Beschwerden nach einer Corona-Schutzimpfung unterstützen. Gegründet wurde die Gruppe unter anderem von Sonja Schuhmacher, Stadträtin in Weiden und wiederholt in die Kritik geratene Initiatorin von Protesten gegen die Infektionsschutzmaßnahmen.
Schuhmacher, die der Partei Die Basis angehört, organisierte Corona-Proteste, weigerte sich, in Stadtrats-Sitzungen Maske zu tragen. Der Tafel drohte sie rechtliche Schritte an, wenn Besucher und Mitarbeiter nicht von der Maskenpflicht befreit werden. Die SPD sprach daraufhin von „Fanatismus und Respektlosigkeit“. In den sozialen Medien teilt Schuhmacher widerlegte Behauptungen von Kanälen, die teilweise Verschwörungstheorien verbreiten. Nun will sie Menschen mit unerklärlichen Beschwerden nach einer Corona-Erkrankung oder -Impfung helfen.
"Alle Betroffene willkommen"
Sonja Schuhmacher schließt auf Nachfrage eine ideologische Ausrichtung der Gruppe aus. „Es sind alle Betroffenen willkommen. Es geht bei einer Selbsthilfegruppe um Austausch, ein offenes Ohr und Verständnis. Vorbehalte wegen ihrer Person seien unbegründet. „Der Sinn der Gruppe ist nicht, dass es um mich gehen sollte. Aber ich stelle mich vorher oder nachher gerne dem Gespräch.“
Neben Sonja Schuhmacher gibt es zwei weitere Gruppen-Gründerinnen. Schuhmacher zufolge handelt es sich um eine Ärztin, die bislang in der Kinder- und Jugendpsychiatrie tätig war, sowie eine Heilpraktikerin und Homöopathin, die allerdings selbst sage, dass Homöopathie für diese Hilfesuchenden nicht angezeigt sei. Schuhmacher sagt gegenüber Oberpfalz-Medien, sie selbst sei nicht von Langzeitfolgen einer Impfung oder Infektion betroffen. Sie kenne aber Menschen, auf die das zutreffe. Deren gesundheitliche Probleme seien vielfältig. Weil sie häufig mit ihren unerklärlichen Symptomen von Arzt zu Arzt gingen, ohne dass ihnen geholfen werde, fühlten sie sich alleine gelassen und nicht ernst genommen. Genau da wolle die Gruppe ansetzen.
„Die erste Anlaufstelle sollte der persönliche Hausarzt oder die persönliche Hausärztin sein“, empfiehlt Landratsamtssprecher Marcel Weidner nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt Neustadt-Weiden allen, die sich zu den von Langzeitfolgen Betroffenen zählen. Bei Bedarf könne ein Facharzt hinzugezogen werden. Alternativ komme eine Weiterleitung an eine Post-Covid-Spezialambulanz infrage. Die nächstgelegenen befinden sich an der Klinik Donaustauf sowie an der Uniklinik Erlangen.
Auch Michael Reindl, Sprecher der Kliniken Nordoberpfalz, verweist auf das Erlanger Zentrum. Er macht gleichzeitig keinen Hehl daraus, dass die Behandlung dieser Patienten eine Herausforderung darstellt. „Die Schwierigkeit der medizinischen Versorgung von Post-Covid-Patienten besteht darin, dass es sich um ein heterogenes Krankheitsbild handelt. Post-Covid kann sich in verschiedenen Formen und Symptomen darstellen, was eine Einordnung ebenso erschwert wie das Finden von Behandlungsansätzen.“ Der Umgang mit vermuteten Impfschäden sei ähnlich schwierig. „Auch hier ist es schwer, objektiv darzustellen, was ein Impfschaden ist. Wichtig kann dabei daher die Einschätzung von Ärzten sein, die den Patienten bereits gut kennen und wissen, wie sein Zustand vor der Impfung war.“
Keine Vorbehalte
Eine bayernweite Schalte zwischen Selbsthilfe-Kontaktstellen habe erst kürzlich gezeigt, dass vermutete Impfschäden ein Thema seien, berichtet Jürgen Huhn als Leiter der Seko. Vorbehalte, die neue Selbsthilfegruppe aufzunehmen, habe er nicht gehabt. Auch er kenne Menschen, die nach Corona-Impfungen Probleme haben.
Bisher haben fünf Treffen der Weidener Gruppe stattgefunden. Vor Ort seien je ein bis zwei Interessenten gewesen, weitere hätten telefonische Hilfe gesucht, berichtet Schuhmacher. Darunter seien Menschen mit Long-Covid, die wegen anhaltender Erschöpfung arbeitsunfähig seien, Menschen, die nach der Impfung eine Gürtelrose mit langfristigen Schmerzen bekamen, sowie ein junger Mann, der seit der Impfung keine 300 Meter mehr gehen könne. Alle seien in ärztlicher Behandlung. „Ob es sich um Impfschäden handelt, können wir nicht beurteilen“, betont Schuhmacher. „Das muss die Wissenschaft klären. Wir behaupten nicht, dass es soundso viele Menschen mit Impfschäden gibt und diese Schäden soundso aussehen.“ Infos zu weiteren Treffen der neuen Selbsthilfegruppe gibt es unter www.seko-nopf.de/gruppen.htm.
Weitere Anlaufstellen für Betroffene in der Umgebung
- Post Covid Selbsthilfe Ostbayern, Website: https://pc19.jimdofree.com, E-Mail: gruppe[at]pc-19[dot]de
- Post-Covid-Ambulanz der Klinik Donaustauf, Anmeldung unter www.klinikum-donaustauf.de/aktuelles.php, Telefon: 09403 / 80-0
- Post-Covid-Zentrum am Uniklinikum Erlangen, Telefon: 09131 / 85-40105, E-Mail: post-covid-zentrum[at]uk-erlangen[dot]de, Website: www.post-covid-zentrum.uk-erlangen.de













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