Weiden in der Oberpfalz
21.04.2020 - 10:55 Uhr

Corona: Sogar Bäcker in der Krise

Von wegen "krisensicherer Job". Gerade auch den Bäckereien setzt die Corona-Krise zu. Vor allem, weil das Liefergeschäft wegbricht und Cafés geschlossen sind.

Die Filiale der Stadtbäckerei Schaller in der Mooslohstraße/Ecke Tulpenstraße hat wegen Umsatzeinbrüchen in der Corona-Krise geschlossen. Bild: Kunz
Die Filiale der Stadtbäckerei Schaller in der Mooslohstraße/Ecke Tulpenstraße hat wegen Umsatzeinbrüchen in der Corona-Krise geschlossen.

Die Bäckerei Götz hat ihre Filiale in der Frauenrichter Straße geschlossen. In der Mooslohstraße/Ecke Tulpenstraße wird gerade eine Nebenstelle der Stadtbäckerei Schaller geräumt. Wie aus der Zentrale zu erfahren war, stand der Laden schon länger auf der Schließungsliste. Aufgrund der Corona-Krise sei er dermaßen abgerutscht, dass man sich jetzt entschlossen habe, das Geschäft sofort dicht zu machen und den Mietvertrag auslaufen zu lassen. Für Außenstehende ist diese Entwicklung nicht leicht nachvollziehbar, gilt doch gerade der Beruf des Bäckers als krisenresistent.

Die Rückzug seiner Filiale aus der Frauenrichter Straße habe mit Corona nichts zu tun, betont hingegen Jürgen Götz. Er habe wegen Auflagen hinsichtlich der Öffnungszeiten und die damit einhergehenden rückläufigen Zahlen geschlossen – und zwar bereits im November. Dass ihm die Krise extrem zu schaffen macht, will er nicht verhehlen. „Mir fehlen aktuell 80 Prozent vom Liefergeschäft.“ Alle Hotels und Schulen seien zu. In den Läden gingen ihm 60 Prozent durch die Lappen. „Unser Geschäft ist sehr auf Frühstück und Café-Betrieb ausgerichtet, was jetzt nicht stattfinden darf." Götz beschäftigt 35 Personen in seinem Hauptgeschäft sowie in den beiden Filialen in der Mooslohe und in Vohenstrauß. „Wir haben Kurzarbeit beantragt und müssen abwarten, wie sich das jetzt entwickelt.“

Der Antrag beziehe sich aber nicht auf die Produktion. „Hier werden derzeit noch Überstunden abgefeiert, damit die Mitarbeiter weiterhin ihr volles Gehalt bekommen.“ Im Laden arbeite derzeit nur noch eine einzige Verkäuferin. Wie lange er die Krise noch durchstehen könne? Die Mieten für die beiden großen Läden habe er noch bezahlt. „Aber für die Löhne wird es knapp werden.“ Deshalb habe er Soforthilfe beantragt, die auch schon bestätigt sei. „Irgendwann müssen ja wieder Lockerungen kommen.“ Andere Branchen treffe es ungleich schlimmer, glaubt Götz, der sehr auf die Unterstützung durch die Bäckerinnung setzt. Ein ganz dickes Lob gilt Innungsobermeister Wolfgang Schmid, der sich mit Herzblut um die Abwicklung entsprechender Anträge kümmere.

„Ich weiß von einigen Betrieben, dass sie an der Grenze des Möglichen arbeiten“, berichtet der auch für Weiden zuständige Innungsobermeister. Schmid betreibt in Kulmain eine Bäckerei mit fünf Angestellten. Er selber sei nur am Rande betroffen, weil er neben dem Ladenverkauf lediglich fünf kleinere Kunden beliefere: unter anderem ein Altenheim und eine Metzgerei. Es sei der Liefersektor, der mit Umsatzeinbrüchen kämpfe.

Schmids Prognose: Bäckereien, die ihren Hauptumsatz mit Lieferungen erwirtschaften, geraten noch in große finanzielle Schwierigkeiten. Oft bleibe Bäckereien aber gar nichts anderes übrig. Vor allem solchen in kleineren Orten mit wenig Publikumsverkehr. Die seien auf Kunden wie Schulen und Kantinen angewiesen, deren Bestellungen aber jetzt weggebrochen seien. „Die trifft es am stärksten.“

Deutlich besser laufe es zurzeit für Betriebe, die nach seinem Geschäftsmodell arbeiteten: Ein Laden mit Thekenverkauf und treuem Kundenstamm, der auch in Krisenzeiten zu seinem Bäcker steht. Gerade das Kundenverhalten habe sich für ortsgebundene Bäckereien in den letzten Wochen eher zum Positiven gewandelt. Schmid beobachtet nämlich nicht, dass die Leute verstärkt Tiefkühlbackwaren im Supermarkt kauften. Im Gegenteil: „Die Leute vermeiden große Menschenansammlungen und gehen lieber zu ihrem Bäcker vor Ort.“

Rund 20 seiner insgesamt 50 Innungskollegen in der nördlichen Oberpfalz seien ähnlich strukturiert wie er. Um diese Bäckereien sei ihm auch nicht bange. Natürlich müssten auch sie Umsatzeinbußen von bis zu 20 Prozent hinnehmen. Man müsse sich vorstellen: „Festlichkeiten stehen vor der Tür: Kommunionen, Maifeiern. Das fällt alles flach, und das merken wir Bäcker in der Region.“

Vor allem spürten das gerade auch Großbäckereien mit ihrer Streubreite. „Da passiert es dann schon einmal, dass die eine oder andere Filiale schließen muss. Entweder weil kein Personal da ist oder ganz einfach, weil die Lage so schlecht ist.“ Viele größere Bäckereien und Filialisten hätten schon Kurzarbeit angemeldet. „Darum muss ich mich als Obermeister persönlich kümmern.“

Kurzarbeit in kleinen Bäckereien befürchte er nicht. „Diese Betriebe brauchen jeden Mann. Da wäre Kurzarbeit etwas schwierig.“ Was er sich für die nahe Zukunft wünsche: „Dass wir keinen Handwerksbäcker verlieren. Wir appellieren an die Leute, dass man in einer solchen Lage zusammenhalten muss. Viele Kunden haben das verstanden und sie unterstützen uns.“ Allerdings wäre es auch ihm recht, „wenn wir wieder langsam aber sicher zur Normalität zurückkommen könnten.“

Diese Pandemie habe Auswirkungen auf alle, betont ein Branchenkenner aus der Region, der nicht genannt werden will. Betroffen sei die komplette Bäckerzunft mit ihren Arbeitsplätzen. Heute zu glauben, dass man sich hinterher wieder an den Tisch setzen und sich lustig zuprosten könne, das werde nicht passieren. So viel könne er jetzt schon prognostizieren: Viele Kollegen in ähnlichen Berufen, wie etwa in der Gastronomie, würden bei Wiederaufnahme des Geschäftsbetriebs nicht mehr dieselben Umsätze generieren können wie sie vor Ausbruch. In seinem Betrieb zeichneten sich schon jetzt deutlich höhere Einbußen für den April ab als im März.

Die ehemalige Filiale der Stadtbäckerei Schaller in der Mooslohstraße/Ecke Tulpenstraße. Bild: Kunz
Die ehemalige Filiale der Stadtbäckerei Schaller in der Mooslohstraße/Ecke Tulpenstraße.
Die Filiale der Bäckerei Götz in der Frauenrichter Straße wurde bereits im November wegen hoher Auflagen in Zusammenhang mit den Öffnungszeiten aufgelöst. Bild: Kunz
Die Filiale der Bäckerei Götz in der Frauenrichter Straße wurde bereits im November wegen hoher Auflagen in Zusammenhang mit den Öffnungszeiten aufgelöst.
Die Filiale der Bäckerei Götz in der Frauenrichter Straße ist geschlossen. Bild: Kunz
Die Filiale der Bäckerei Götz in der Frauenrichter Straße ist geschlossen.
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