12.10.2018 - 18:07 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Crystal gegen die Kälte

24. März, 11 Uhr, auf der B 299 bei Waldsassen: Eine etwas seltsame Erklärung macht die Polizisten stutzig. Eine Kontrolle bestätigt ihre Skepsis.

von Autor hczProfil

(rns) In Steyr/ Österreich sei man morgens um 6 Uhr losgefahren, um sich in Eger Zigaretten zu holen und sich die Fingernägel machen zu lassen. Daraufhin kontrollierten die Polizeibeamten die Insassen eines roten Renault Clio mit österreichischem Kennzeichen etwas genauer, die diese Erklärung abgegeben hatten. Und wurden fündig. In der Innentasche einer auf der Rückbank liegenden Winterjacke fanden sie ein Tütchen mit einer weißlichen, kristallinen Substanz: 12,96 Gramm Methamphetamin, sprich Crystal.

Bei der polizeilichen Vernehmung war der 34-jährige Beifahrer noch recht unkooperativ. Jedoch schon beim Ermittlungsrichter gestand er. Er habe das Rauschgift auf dem Asia- Markt bei Eger gekauft. 35 Euro pro Gramm habe er gezahlt. Die Fahrerin, seine Ex-Lebensgefährtin, habe nichts davon gewusst. Auch in der Verhandlung vor dem Schöffengericht am Donnerstag zeigte sich der in der Türkei geborene Österreicher geständig und reuig. Er habe das Rauschgift gebraucht, weil er im Dezember aus zweimonatiger Haft entlassen worden sei und danach drei Monate im Freien habe übernachten müssen. Wegen eines Streits mit seiner Lebensgefährtin, mit der er eine Tochter habe, sei er obdachlos gewesen. Die Kälte hätte er ohne den Konsum von Crystal nicht überstanden.

Landgerichtsarzt Dr. Bruno Rieder attestierte dem Hilfsarbeiter eine "polyvalente Drogenabhängigkeit" und empfahl die Unterbringung in einer Einrichtung zur Therapie. Angesichts dreier Vorstrafen in Österreich - eine wegen Raubes, eine wegen Drogenhandels und die letzte wegen Bedrohung zweier Personen durch Erschießen mit einer Bazooka - beantragte Staatsanwältin Carina Särve zwei Jahre und neun Monate Freiheitsstrafe sowie die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus. Rechtsanwalt Andreas Schätzler plädierte auf eine deutlich geringere Strafe. Es handle sich um einen "minder schweren Fall", weil das Rauschgift die Grenze der "nicht geringen Menge" nur geringfügig überschritten habe. Der Angeklagte betonte, dass er künftig drogenfrei leben wolle. Er schaffe dies auch ohne Therapie. Eine solche sei daher "Zeitverschwendung". Richter Hubert Windisch entsprach den Wünschen des Verteidigers und des Angeklagten. Weil der 34-Jährige keine Bereitschaft zur Therapie zeigte und schon sieben Monate in U-Haft gesessen hat, wurde er zu eineinhalb Jahren verurteilt.

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