27.10.2021 - 13:36 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Cybertrading"-Betrug: Anzeige in Weiden führt zu Festnahmen in zwei Ländern

Nachdem die Polizei in der Oberpfalz auf einen Fall von Anlagebetrug aufmerksam geworden ist, wurden nun elf Personen in Georgien und Israel festgenommen. Sie sollen Millionen gemacht haben.

In Georgien und Israel wurden am Dienstag elf Haftbefehle wegen "Cybertrading" erlassen.
von Celina Rieß Kontakt Profil

In Tiflis (Georgien) und im Großraum Tel Aviv (Israel) wurden am Dienstag acht Männer und drei Frauen zwischen 27 und 47 Jahren festgenommen. Der Grund war ihre mutmaßliche Zugehörigkeit zu einer kriminellen Organisation. Der Ausgangspunkt der Aktion liegt allerdings in der Oberpfalz.

Denn im Oktober 2018 wurde ein Anleger in Weiden Opfer der Anlageplattform "GetFinancial". Das brachte er zur Anzeige. Laut Angaben der Polizei gelang es der Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB) durch Ermittlungen im In- und Ausland gemeinsam mit der Kriminalpolizeiinspektion mit Zentralaufgaben Oberpfalz, die Beschuldigten zu identifizieren und ihre Aufenthaltsorte festzustellen.

15 Objekte durchsucht

In Georgien betrieb die Gruppierung mehrere Callcenter. Insgesamt wurden im Rahmen der Ermittlungen 15 Objekte in Georgien und Israel durchsucht. Umfangreiches Beweismaterial in Form von Datenträgern und Dokumenten wurde sichergestellt. Mehr als 30 Zeugen und Beschuldigte wurden vernommen.

Nach Angaben der Polizei war es Ziel dieser Organisation, Personen aus verschiedenen Staaten vorzutäuschen, bei Online-Plattformen gewinnbringend Gelder anzulegen. Insgesamt 18 solcher Plattformen sollen die Beschuldigten betrieben haben. Tatsächlich sollen sie aber allein das Ziel verfolgt haben, die Gelder der Anleger für sich zu vereinnahmen. Zwei weitere Plattformen waren in Vorbereitung und sind von den Beschuldigten bei der zuständigen Behörde in Zypern beantragt worden.

Betrug in Millionenhöhe

Sie sollen die Anleger dabei seit 2015 in Form von "Cybertrading" um Millionenbeträge betrogen haben – vor allem aus Georgien und Israel heraus. Die Gesamtschäden sind derzeit noch nicht sicher abschätzbar, dürften sich aber mindestens auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag belaufen, erläutert die Polizei. Der höchste Einzelbetrag in Bayern beläuft sich wohl auf 340.000 Euro.

Einige der Online-Plattformen waren auch am Mittwoch noch online. "Wir versuchen, die dichtzumachen", sagte der ZCB-Sprecher. Rechtlich sei das aber nicht so einfach: Zwar könne man Internetseiten beschlagnahmen, weil diese aber in anderen Ländern gehostet würden, müsse dies über die Rechtshilfe passieren - und das könne kompliziert sein und dauern.

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Bayern
Eines der durchsuchten Büros in Georgien.
Bei der Durchsuchung in Georgien wurde auch Bargeld festgestellt.

 

 

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