13.10.2019 - 12:39 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Mit der Dampflok durch die Oberpfalz

Großer Bahnhof für eine alte Lok und ein paar Waggons. Egal, wo die Dampflok 528195 am Samstag zwischen Amberg, Schwandorf und Weiden hält, stehen Hunderte Schaulustige neben den Gleisen.

Impressionen von der Fahrt eines historischen Zugs durch die Oberpfalz.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Mitfahren wollen viele. "Der Zug ist überausgebucht", freut sich Ulrich Rühling. "Wir haben auch etliche Stehplätze verkauft." Lok und Waggons gehören dem Verein Fränkische Museumseisenbahn mit Sitz in Nürnberg, Rühling ist dort Gastroleiter. Etwa 200 Fahrgäste gelangen mit dem Sonderzug am Samstag von Nürnberg über Amberg nach Schwandorf. Von dort pendelt er nach Weiden und zurück, ehe er am Nachmittag von Schwandorf die Rückfahrt nach Nürnberg antritt.

Lok für Güterzüge

Lokomotive und Waggons sind zwar in die Jahre gekommen, am Samstag halten sie ihren Fahrplan aber genau ein. Hunderte Schaulustige stehen an der Strecke und in den Bahnhöfen, wenn die Dampflokomotive 528195 aus dem Jahr 1943 mit ihren Waggons aus dem 1930er und 1950er Jahren sich nähert. Viele knipsen Fotos. Eigentlich war die Lok, Baureihe 50, im Zweiten Weltkrieg für fünf Jahre Betrieb mit Güterwaggons ausgelegt. "Sie hat bissl dünneres Blech, bissl größeren Kessel, um mehr Zugkraft zu haben für längere Güterzüge", sagt Rühling. Bei der Museumseisenbahn zieht sie aber ausschließlich Personenzüge.

Fotos von der Fahrt mit dem historischen Zug

Zu verdanken ist die Fahrt Johannes Wiemann aus Nürnberg. "Aus Freude, Enthusiasmus, Idealismus und Leidenschaft" hat Wiemann die Dampflok samt Waggons gechartert. 12 000 bis 20 000 Euro kostet das, je nach Dauer, Strecke und Kohlenpreis, erläutert Rühling. Wiemann, Verleger des Kalenders "Mit der Eisenbahn durch Land und Zeit", liebt die alte Technik, seit er als Kind die Züge in Köln beobachtet hat. "Da sprang der Funke über", erzählt der frühere Lehrer der Realschule in Neunburg vorm Wald lachend.

"Machen wir das Fenster zu, das stinkt ja rein", sagt ein Fahrgast aus Amberg zu seiner Frau. Der dunkelbraune Ruß aus dem Schornstein der Lok zieht über die Waggons hinweg. Alles nicht so schlimm, meint später Lokführer Max Kramer. "Einmal kräftig husten und schnäuzen und das Zeug ist wieder draußen." Autoabgase seien gefährlicher, weil sie sich in der Lunge festsetzen können.

In den sieben Waggons herrscht gute Stimmung wie in einer Partytram. Wer Durst hat, geht in den Bierwaggon. Aber nicht nur dort ist es so laut, dass man Durchsagen nicht versteht. Vor allem Familien mit kleinen Kindern und Senioren haben sich ein Ticket für die Fahrt gekauft. "Ich hab mich darauf eingestellt, dass wir auf Holzbänken sitzen", sagt der Passagier aus Amberg. Doch in der zweiten Klasse gibt es gepolsterte Bänke, in der ersten bequeme Sessel und etwas mehr Platz.

"Tolles Gefühl auf der Lok"

Eng ist es ganz vorne bei Lokführer Max Kramer, Heizer Sebastian Pfaller und Gehilfe Steffen Kröger. Bis zu 80 Kilometer pro Stunde schafft die Lokomotive, 1650 PS Leistung bringt sie, fünf bis sechs Tonnen Kohle sind am Samstag dafür nötig. "Wahnsinn, macht's weiter so", freut sich ein Fahrgast, als er bei einem Halt durch die Türe lugt.

Immer wieder schippt Kröger Kohle in den Ofen (Feuerbüchse) und bedient Hebel und Räder. Es ist heiß, Kröger schwitzt. Rußpartikel schweben durch den Raum. Die Fenster sind offen, damit Lokführer Kramer seinen Kopf rausstrecken und die Strecke beobachten kann. Von Schwandorf nach Weiden fährt die Lok Tender voraus. Es rumpelt, wer sich fest hält, hat schwarze Finger. Der Boden vibriert im Rhythmus der Kurbelwelle an den Rädern so sehr, dass die Apfelschorle der Mitarbeiter in den Flaschen schäumt. Es ist laut. "Die Lok lebt im Gegensatz zu den modernen Fahrzeugen noch richtig. Man sieht, wie die Technik arbeitet", sagt Kramer. Er liebt das gute Stück wie seine 16 Vereinskollegen, die an diesem Tag im Einsatz sind. "Es ist ein tolles Gefühl auf dieser Lok."

Was kostet ein solches Gefährt? "Die Anschaffung kostet fast nichts, das ist Schrottpreis", sagt Rühling. Aber alle paar Jahre muss die Lok wie ein Auto zur Hauptuntersuchung, zur Bremsenprüfung. Auch die Waggons werden durchgecheckt. "Wir haben Trinkwasserqualität in den Toiletten und im Speisewagen", freut er sich. "Die Betriebskosten sind aber sehr hoch." Auch deshalb gibt es solche Sonderfahrten, mit denen sich der Verein finanziert. Steht wieder eine Fahrt mit der Dampflok an, muss der Lokführer sie 24 Stunden vorher anheizen, damit sich der Stahl langsam an die Hitze gewöhnt. Das Mitbenutzen der Schienen ist kein Problem. Der Verein hat als Eisenbahnunternehmen per Gesetz "diskriminierungsfreien Zugang zum Schienennetz", erklärt Heizer Pfaller. Er müsse sie nur einige Wochen vorher bei der Bahn anmelden. Für die nächste Fahrt der Fränkischen Museumseisenbahn ist das erledigt. Am 30. November geht es von Fürth nach Regensburg.

Zum Verein Fränkische Museumseisenbahn

Für Sie empfohlen

 

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.