14.10.2019 - 13:23 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Darmkrebs durch Vorsorge verhindern

Jährlich erkranken mehr als 60.000 Deutsche an Darmkrebs, meist ab dem 50. Lebensjahr. Damit ist Darmkrebs die zweithäufigste Krebserkrankung. Prof. Karl-Heinz Dietl informiert im Interview über Vorsorgemöglichkeiten.

Ein begehbares Darm-Modell zeigt verschiedene Arten von Darmkrankheiten
von Externer BeitragProfil

Diese hohe Zahl der Darmkrebs-Kranken könnte mit einem geringen Aufwand deutlich reduziert werden, weiß Prof. Karl-Heinz Dietl, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Thorax- und Visceralchirurgie und Leiter des Darmkrebszentrums am Klinikum Weiden. In einer Mitteilung der Kliniken AG erklärt er, wie Darmkrebs verhindert werden kann.

ONETZ: Herr Prof. Dietl, kann man Darmkrebs verhindern?

Prof. Karl-Heinz Dietl: Bei Darmkrebs bietet eine Vorsorgeuntersuchung eine einmalige Chance, die wir bei anderen Tumorarten nicht haben: nämlich Krebs im Vorfeld zu erkennen und zu verhindern. Natürlich ist so eine Darmspiegelung nicht angenehm, aber wenn man dadurch eine Krebserkrankung verhindern kann, ist es diese kurze Behandlung doch wert.

Prof. Karl-Heinz Dietl ist Leiter des Darmkrebszentrums am Klinikum Weiden.

ONETZ: Was passiert genau bei einer solchen Koloskopie?

Prof. Karl-Heinz Dietl: Die Koloskopie ist die wichtigste medizinische Untersuchung und zuverlässigste Methode zur Früherkennung von Darmkrebs. Dabei wird der gesamte Dickdarm untersucht, Gewebeproben entnommen und teilweise gleich kleinere Eingriffe durchgeführt. Bei Darmpolypen handelt es sich erst einmal um gutartige Geschwulste im Darm, aber aus diesen entstehen rund 90 Prozent der Darmkrebserkrankungen, wenn diese entarten und zu Krebszellen werden. Und genau das kann durch eine Entfernung verhindert werden.

ONETZ: Ab wann sollte man zur Vorsorge?

Prof. Karl-Heinz Dietl: Grundsätzlich gilt: je früher die Vorsorgeuntersuchungen erfolgen, desto besser sind die Erfolgsaussichten. Aber spätestens ab dem 50. Lebensjahr sollte man regelmäßig Früherkennungs-Untersuchungen wahrnehmen, um das Risiko einer Erkrankung zu minimieren.

ONETZ: Bei welchen Symptomen sollte man vorsichtig sein?

Prof. Karl-Heinz Dietl: Ist Blut im oder am Stuhl, ändern sich die Stuhlgewohnheiten oder kann man Verhärtungen im Bauchraum ertasten – das alles sind Warnsignale. Vor allem Risikogruppen, also Personen, bei denen bei nahen Verwandten Darmpolypen entfernt oder Darmkrebs in der Familie diagnostiziert wurde, sollten dann schnellstens eine Koloskopie durchführen lassen.

ONETZ: Was kann das Darmkrebszentrum am Klinikum Weiden leisten und warum ist das so wichtig für die nördliche Oberpfalz?

Prof. Karl-Heinz Dietl: Wir konnten im vergangenen Jahr 162 Kolokarzinome erfolgreich behandeln. Damit gehören wir zu den Top 3 der rund 290 Darmkrebszentren in Deutschland. Wir haben am Klinikum Weiden herausragende Möglichkeiten, was die Therapie und Behandlung betrifft. Im integrierten OP-Saal und mit unserem da Vinci können wir Operationen mit einem bestmöglichen Ergebnis durchführen und dabei alle Krebsarten operieren: Speiseröhre, Leber, Magen, Bauchspeicheldrüse, Lunge oder eben auch im Darm.

ONETZ: Welche Rolle spielt dabei das Onkologische Zentrum?

Prof. Karl-Heinz Dietl: Im Onkologischen Zentrum Nordoberpfalz wird für jeden Patienten in einer sogenannten Tumorkonferenz ein individuelles und optimales Behandlungsschema festgelegt. Das ist eine interdisziplinäre Besprechung, bei der mehrere Disziplinen eng zusammenarbeiten, zum Beispiel die Gastroenterologie, die Visceralchirurgie, die Onkologie, die Radiologie und
interventionelle Radiologie, die Strahlentherapie, Pathologie, Nuklearmedizin oder auch die Gynäkologie und die Urologie. Jeder Patient wird hier individuell betrachtet – und das von Experten aus verschiedensten Bereichen. Alles zum Wohl unserer Patienten.

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