29.06.2020 - 16:56 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Diese Regeln gelten aktuell für den Turnhallen-Sport in Weiden

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Unter bestimmten Bedingungen ist es wieder erlaubt, in Turnhallen Sport zu treiben. In der Praxis ist dies jedoch nicht so einfach. Welche Regelungen gelten aktuell für den Hallensport in Weiden?

Gähnende Leere in der Turnhalle im Kepler Gymnasium. Hier findet derzeit kein Sportunterricht statt, weil die Hygienemaßnahmen in der Praxis nicht umsetzbar sind.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

Thomas Wachsmann ist erleichtert: Endlich können die Weidener Handballer wieder in der Mehrzweckhalle trainieren. Ihm ist es wichtig zu zeigen: „Wir leben noch.“ Die rund 160 aktiven Sportler mussten wegen der Coronakrise bereits auf rund 20 Spiele und viele Trainingseinheiten verzichten. „Ich warte noch auf die schriftliche Genehmigung der Stadt. Dann dürfen inklusive Trainer 20 Handballer gleichzeitig in die Halle“, erklärt der Vorsitzende des Handballclubs. Der Club werde daher auch den Außenplatz an der Berufsschule nutzen. Wachsmann spricht von einem deutlichen Mehraufwand wegen der Coronabeschränkungen.

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Er zählt einige Regeln auf, an die die Handballer sich halten müssen. So habe man das Hygiene-Schutzkonzept des Bayerischen Handball-Verbandes angepasst und kümmere sich um Desinfektionsmittel. Während des Betretens und Verlassens der Halle müssen Masken getragen werden, Hände und benutzte Geräte müssen desinfiziert werden, die Hallennutzung ist auf 60 Minuten beschränkt. Der Club führt wie in der Gastronomie Kontrolllisten, nach dem Training muss gelüftet werden, die Mannschaften sollen in der Halle nicht zusammentreffen. Derzeit plant Wachsmann mit der Spielleiterin die zeitlichen Abläufe.

Kontaktsport mit Abstand

Besonders herausfordernd im Handballsport: Auch hier muss der Mindestabstand von 1,50 Metern eingehalten werden. „Das ist natürlich bei einer Kontaktsportart schwierig.“ Deshalb ist eine inhaltliche Anpassung des Trainings erforderlich. „Ich kann vieles nicht durchführen und habe obendrein nur 60 Minuten Zeit.“ Wachsmann ist froh, dass zumindest Wurftraining erlaubt ist – ohne Körperkontakt und möglichst so, dass jeder Spieler seinen eigenen Ball hat. Ansonsten gelte: Mehr Kraft- und Koordinationstraining, weniger direkter Kontakt. Dies sei vor allem bei den Kleinen in der E- und F-Jugend nicht einfach umzusetzen. Eltern müssten deshalb eine Einverständniserklärung abgeben. Der Vorsitzende hofft, dass der Beginn des Kindertrainings Eltern im Home-Office entlastet.

Er ist optimistisch: „Die Situation wird alle 14 Tage von der Staatsregierung neu bewertet.“ Mit etwas Glück sei bald normales Training möglich und vielleicht sogar der Einstieg in den Ligabetrieb. Ob sich dann Spätfolgen der trainingslosen Zeit zeigen, ist offen. Wachsmann fürchtet, es könnte bei den Spielen wegen des späten Trainingseinstiegs mehr Verletzungen geben.

Der Clubvorsitzende zeigt sich dankbar gegenüber der Stadt und den Clubmitgliedern. „Es gab keine Mitglieder oder Eltern, die sich bei mir beschwert haben. Alle hatten Verständnis. Und Weiden gehört zu den wenigen Städten, die die Hallen jetzt überhaupt öffnen.“

"Weiden gehört zu den wenigen Städten, die die Hallen überhaupt öffnen."

Christian Wachsmann, Vorsitzender Handball-Club Weiden

Kein Sportunterricht am Kepler-Gymnasium

„Ich hoffe, dass die Schüler sich in ihrer Freizeit draußen bewegen“, sagt Sigrid Bloch, Leiterin des Kepler-Gymnasiums. An ihrer Schule finde im Moment kein Sportunterricht statt, weil die derzeit gültigen Hygienevorgaben in der Praxis nicht umsetzbar seien. „Zum Beispiel beim Thema Durchlüftung. Wir haben keine Möglichkeit, mit unserer Klimaanlage für die Durchlüftung zu sorgen, die wir bräuchten. Und wir haben im Vergleich zu den Vereinen zusätzlich die Vorgabe, dass es keine Durchmischung der Klassen geben soll.“ Diese machten aber normalerweise gemischt Sport. Ein weiteres Problem: Bei Einhaltung der Abstandsregel dürften sich in der Umkleidekabine nur maximal drei Schüler gleichzeitig aufhalten.“ Hinzu kommen Vorgaben bei der Desinfektion, zum Beispiel von benutzten Geräten. „Man soll sich einerseits kein Lineal und keinen Stift teilen, und dann gemeinsam Sport treiben?“ Wegen der Infektionsgefahr sei es generell am besten, wenn niemand ins Schwitzen gerate. Am Kepler gibt es statt Sportunterricht nun zusätzliche Stunden in den Kernfächern, vor allem Fremdsprachen, so die Schulleiterin. „Die Gesundheit der Schüler und Lehrkräfte geht vor.“ Wie es nach den Sommerferien weitergeht, ist unklar. „Das ist ein großes Fragezeichen.“

Hintergrund:

Aktuelle Regelungen für den Sport in Weiden

Die bereits gelockerten Regelungen im Sport unterliegen der 6. Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung vom 19. Juni. Pressesprecherin Roswitha Ruidisch erklärt, wie die Stadt Weiden damit umgeht. Sie bittet um Verständnis für ein bedächtiges Vorgehen. Es gelte, Infektionen mit dem Coronavirus zu verhindern. Von den folgenden Einschränkungen sind laut Ruidisch derzeit rund 20 Vereine betroffen.

  • Soweit möglich, soll Training an der frischen Luft durchgeführt werden. Dafür hat die Stadt die Freiflächen des Kepler-Gymnasiums und der Realschule zugänglich gemacht. Voraussetzung ist eine Nutzungsvereinbarung mit der Verwaltung. Ansprechpartner ist Sportbeirat Christian Meiler.
  • In Turnhallen dürfen nach Genehmigung durch die Stadt nur Vereine trainieren, die unbedingt eine Halle benötigen und kontaktfrei Sport treiben können. Die geltenden Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen, darunter eine Maximaldauer von 60 Minuten pro Trainingseinheit sowie ein anschließender vollständiger Frischluftaustausch, müssen eingehalten werden (Rahmenhygienekonzept Sport vom 20. Juni).
  • Die Nutzung von Sportgeräten und somit auch das Zuspielen von Bällen ist erlaubt. Vor und nach dem Training müssen diese ebenso wie Hände zwingend desinfiziert werden. Je nach Training können zusätzliche Maßnahmen nötig sein.
  • Im Innenraum (auch Gang zur Toilette) ist eine Mund-Nase-Maske zu tragen. Dies gilt nicht während des Sports.
  • Einige Hallen in Weiden werden derzeit für Unterricht, Abschlussprüfungen und Versammlungen wie die Stadtratssitzung genutzt.

6. Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung

Coronapandemie: Rahmenhygienekonzept Sport (Stand 20. Juni 2020)

Nur einzelne Schüler könnten sich in der Umkleidekabine der Kepler-Turnhalle bei Einhaltung der Abstandsregeln gleichzeitig aufhalten. Für die Durchführung von Sportunterricht ist dies nicht ausreichend.

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