"Wir sind sehr glücklich, uns geht's prima", sagt René Lang am Telefon. Der 31-Jährige aus Weiden lebt mit seiner Ehefrau Sabrina (29) und Töchterchen Leonie (4) seit drei Monaten in Spanien. Gerade erst hat die Familie dort ihr neues Eigenheim bezogen. Doch die ersten Wochen waren aufregend. Nicht alles lief nach Plan.
Im Februar hatte René Lang gegenüber Oberpfalz-Medien über die geplante Auswanderung gesagt: "Wenn der Funke nach drei Monaten nicht übergesprungen ist, dann kommt er vermutlich auch nicht mehr. Wenn wir dann sagen, dass es ein schöner Urlaub war, dann ist das auch in Ordnung." Die drei Monate seit der Abreise aus Weiden sind inzwischen vergangen. Und René sagt: "Es ist genau das, was ich mir vorgestellt habe." Von Rückkehr also keine Spur. Doch die Langs besuchen natürlich ihre Familien in Deutschland, und IT-Projektleiter René Lang arbeitet seit Oktober bei der IGZ (Falkenberg). Ab und an muss er auch deshalb zurück in die Heimat. Diese fühle sich gar nicht so weit weg an, sagt er. "Wir haben die Leute jetzt teilweise schon öfter gesehen als vor der Auswanderung. Und die Wiedersehen sind herzlicher als zuvor, man umarmt sich zum Beispiel plötzlich." So ganz Friede, Freude, Eierkuchen herrschte aber die ersten drei Monate nicht. Lang fasst die Zeit mit einem Wort zusammen: "turbulent".
Reihenhaus statt Traumhaus
Vor allem den Kauf eines Hauses hatte sich die Weidener Familie leichter vorgestellt. Unter hunderten Häusern auf dem Markt hatte sie bereits vor der Einreise ein gutes Dutzend Favoriten ausgewählt. Doch vor Ort stellte sich heraus, dass Ausländer für ein Darlehen weniger gute Konditionen bekommen als erwartet. Die Familie plante um: Die Ferienwohnung – in der der Kühlschrank zeitweise nicht funktionierte und es einen Wasserschaden gab – wurde um einen Monat verlängert. Statt eines Traumhauses in Meernähe kauften die Langs ein Reihenhaus aus einer preisgünstigeren Kategorie, in Mijas Golf zwischen Málaga und Marbella, acht Kilometer von der Küste entfernt.
"Man muss ja nicht alles übers Knie brechen", sagt René Lang dazu. "Die ersten drei Monate auf engstem Raum, nur mit den Sachen, die man im Auto dabei hatte, dazu die Unsicherheit – das war schwieriger als gedacht und eine Herausforderung. Die Wohnung war nicht so toll, ich hatte gerade erst einen neuen Job, Leonie ging in den neuen Kindergarten, es gab die sprachliche Barriere."
Ende November kamen sechs Paletten mit dem Hausstand aus Deutschland, die Familie zog in ihr 190 Quadratmeter großes Heim ein. René Lang wäre wohl nicht René Lang, würde er hier nicht schon die ersten Wände einreißen. Jahrelang verfolgten zehntausende Menschen bei Instagram seine Umbauten im inzwischen verkauften Eigenheim in Weiden. Nun fängt er in Spanien von vorne an. Im neuen Haus ist längst Baustellen-Romantik eingekehrt.
"Aus fünf Räumen im Erdgeschoss machen wir einen", erklärt der 31-Jährige. Neue Fenster, Böden, Bäder und eine neue Küche sowie ein neuer Zugang zur Dachterrasse – es gibt viel zu tun. Langs Motto: "Wir haben ein gutes Haus, danach holen wir uns das perfekte." Die Familie plant, das neue Haus zu verschönern und später zu vermieten oder zu verkaufen, um sich doch noch ein Traumhaus kaufen zu können. Im Moment müssen aber erst einmal zwei Matratzen als Couch herhalten, und statt bequemen Stühlen stehen Campingstühle am Tisch.
Jetset und Promis
Auch Leonie scheint die Auswanderung mit ihren vier Jahren gut zu meistern. Sie geht in spanischen Ballett-Unterricht, und in ihrem neuen deutschen Kindergarten lernt sie Spanisch und kommt mit deutschen, spanischen und englischen Kindern in Kontakt. "Im Kindergarten hier gefällt es ihr besser als in dem in Deutschland", sagt ihr Vater. Sie habe sich dort mit mehr Kindern angefreundet als zuvor. Indirekt hilft die Kleine sogar ihren Eltern, neue Leute kennenzulernen. "Hier spielt das Leben draußen. Die öffentlichen Spielplätze sind fast schon kleine Freizeitparks, mit Imbiss oder Kiosk daneben." So falle es leicht, mit anderen Eltern und Kindern ins Gespräch zu kommen. "Wir kennen hier nach drei Monaten schon mehr Leute als nach sechs Jahren in Weiden." Darunter seien viele deutsche Auswanderer.
Die Costa del Sol, wo die Familie nun lebt, ist bekannt für ihre hohe Rate an Ausländern. Die Gegend ist bekannt für Jetset und Promis, und das merken auch die Langs. "Es ist alles etwas künstlich. Hier sind viele Millionäre, Immobilienhaie, Großunternehmer. Aber alles sehr bodenständige, nette Leute", findet René Lang. Wenn er mit seinem erst kurz vor der Ausreise gekauften Porsche zur Schule fährt, sei das unter all den teuren Autos, wie in Deutschland mit einem Golf zu fahren. Überhaupt: die Fahrweise.
"Wer hat zuerst die Schnauze in der Straße?", laute das Motto. "Es gibt alle Regeln, sie werden nur nicht eingehalten." Die Autos der Einheimischen seien alt und verbeult. "Sie parken halt ein, bis es angeht." Deshalb parke er selbst bei Einkäufen weiter weg oder fahre mit dem Bus. Das sei auch für Leonie wichtig. "Es ist uns wichtig, dass sie Bodenständigkeit lernt."
Badehosen-Stimmung
Weihnachtsstimmung kommt bei der Weidener Familie bislang nicht so richtig auf, trotz bunter Weihnachtsdeko überall. "Tagsüber sind es 18 bis 25 Grad, je nachdem, ob die Sonne scheint", erzählt der Familienvater. Seit drei Wochen habe es nicht geregnet, die Heizung im Haus ist noch gar nicht eingeschaltet. Stattdessen stehen die Fenster offen. Feste finden draußen statt, und René Lang geht in Badehose laufen und springt danach zur Abkühlung ins Meer. "Ich habe eher Badehosen-Stimmung", sagt er. Die Feiertage wird die kleine Familie zu dritt verbringen, über den Jahreswechsel kommt Familienbesuch.
Die Familie blickt positiv ins neue Jahr. Inseln wie Teneriffa, Ibiza, Mallorca und Madeira wollen erkundet werden, und auch Reisen nach Deutschland stehen gleich zum Jahresanfang auf dem Programm. Die Sorgen der ersten Monate sind wie weggefegt. "An Rückkehr ist derzeit nicht zu denken", sagt René Lang abschließend.
Familie Lang in Spanien
- September 2023: René und Sabrina Lang entscheiden, mit ihrer Tochter nach Spanien auszuwandern, an die Costa del Sol im Süden des Landes.
- Gründe für diese Entscheidung: Abenteuerlust, Wunsch nach Verbesserung und persönliche Weiterentwicklung
- Hoffnung: neue Erfahrungen durch Perspektivwechsel, mehr Weltoffenheit erleben, Leben in einem milderen Klima
- Rückkehr: Die Familie hält sich eine Rückkehr nach Deutschland offen.
- Instagram: Familie Lang hat bei Instagram über 30.000 Abonnenten und ist dort unter www.instagram.com/family.lang_official zu finden.
























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