Dass er zu seinem 90. Geburtstag noch einmal die Familie um sich hatte, war wohl das schönste Geschenk. Drei Tage später, am vergangenen Samstag, verstarb Rechtsanwalt Egbert Wanninger im Hospiz St. Felix in Neustadt/WN, in das er auf eigenen Wunsch hin vor zwei Wochen umgezogen war. „Die Geborgenheit dort hat ihm zuletzt sehr gut getan“, sagt sein Sohn Stephan Wanninger. Am Ende hätten seinen Vater nicht zuletzt wegen einer Krebserkrankung die Kräfte verlassen. Seine Ehefrau Berta war im Oktober 2022 vorausgegangen.
Über 40 Jahre war Egbert Wanninger Chef der gleichnamigen Anwaltskanzlei, die er 1964 von seinem Vater Josef übernahm. Dieser hatte die Kanzlei in Weiden 1928 gegründet. Als ein Jurist „vom alten Schlag“ lagen Egbert Wanninger alle Fälle am Herzen. Und manche, in denen es um privates Baurecht ging, vielleicht ein wenig mehr. Sein Faible für „Lost Places“, so vermutet sein Sohn, resultiere vielleicht aus der Zeit, als der Vater und seine beiden Brüder im Kindesalter auf dem ausgebombten Bahnhofsgelände spielten. Damals wohnte die Familie in der Keckstraße.
Wanninger wurde in München geboren und kam mit seinen Eltern früh nach Weiden. Nach dem Abitur am Augustinus-Gymnasium studierte er Jura, unter anderem in Marburg, Freiburg und Regensburg. 1962 erhielt er die Zulassung als Rechtsanwalt.
Rechtsanwalt mit Leib und Seele
Die Kanzlei wuchs. Und Anfang der 2000er Jahre übergab er an die nächste Generation. „Auch darin bewies mein Vater Weitsicht“, sagt Stephan Wanninger. Die Akten legte der damals 70-Jährige aber nicht beiseite. „Er behielt auch seine Zulassung. Mein Vater war Anwalt mit Leib und Seele“. In der Kanzlei behielt der Senior immer einen Platz und schaute regelmäßig vorbei. Bis Corona kam.
Anzug, Krawatte, dazu Stricksocken und Birkenstock waren Egbert Wanningers Markenzeichen. Ein kleiner Ausbruch abseits der Norm, aber authentisch. Dazu passte auch seine Arbeit als Yogalehrer bei der DJK. „Er war so, wie er war“, sagt sein Sohn. Viele Jahrzehnte engagierte sich der Verstorbene ehrenamtlich, unter anderem im Kneippverein (im Stadtbad stiftete er ein Tauchbecken), Deutschen Alpenverein, OWV, Förderverein Augustinus-Gymnasium und im Round Table, deren Gründungsmitglied und Präsident Wanninger war. Er unterstützte Kunstausstellungen in der Kanzlei und erlernte im hohen Alter noch die arabische Sprache.
Um ihn trauern Sohn Stephan und Tochter Anke sowie drei Enkel und eine Urenkelin. Die Trauerfeier mit anschließender Beerdigung findet am Freitag, 24. Februar, um 9 Uhr auf dem Stadtfriedhof statt.













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