09.04.2020 - 08:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Jeder ist sein eigener Manager"

Personal Trainer Stephan Thesing empfiehlt Arbeitnehmern, ihre Karriere selbst in die Hand zu nehmen. Wichtig hält er vor allem, die eigenen Ziele zu ergründen.

Stephan Thesing: "Eine Führungskraft muss Menschen im Job mitnehmen".
von Reiner Wittmann Kontakt Profil

ONETZ: Herr Thesing, die Oberpfalz und Oberfranken: Sind das gute Gegenden zum Karriere machen?

Stephan Thesing: Ich selbst lebe seit 21 Jahren in der Oberpfalz und komme aus Norddeutschland. Ich glaube, eher ländliche Gegenden sind für Menschen, die neu hierherkommen und Karriere machen wollen, immer dann besonders gut geeignet, wenn sie etwas bewegen wollen und neue Ideen einbringen. Dazu benötigt man im Beruf aber ein hohes Maß an Integrationsvermögen. Für die Führungskraft heißt das, sie muss die Menschen im Job mitnehmen und begeistern können. Es heißt aber auch, auf die Menschen zuzugehen, mit ihnen zu sprechen.

ONETZ: Das hilft auch im Privaten weiter.

Stephan Thesing: Genau - und schafft letztlich eine hohe Identifikation mit der Region. Ich gehe zum Beispiel gerne joggen und habe mir die Gegend erlaufen und erwandert. Ich war immer neugierig, habe Kontakte geknüpft und fand es toll, dass sich relativ schnell ein Netzwerk von Gleichgesinnten ergeben hat.

ONETZ: 2020 mag symbolisch für eine Neuauflage der wilden Zwanziger Jahre stehen. Ist jetzt auch der Zeitpunkt gut, um beruflich neu durchzustarten?

Stephan Thesing: Das würde ich nicht mit der Symbolkraft einer Jahreszahl in Verbindung bringen. Generell gilt: Diejenigen werden in den nächsten Jahren erfolgreich sein, die den Wandel durch Digitalisierung annehmen und sich spätestens jetzt dafür positionieren. Es geht darum, den digitalen Prozess zu verstehen, anzuwenden und zu leben. Ich fürchte, dass das bei vielen Menschen noch nicht angekommen ist. Wer jetzt beruflich neu durchstarten will, muss den Rhythmus der Digitalisierung erkennen, akzeptieren und für sich nutzen.

ONETZ: Wie sollte man bei seiner Karriereplanung denn ganz allgemein vorgehen?

Stephan Thesing: Man sollte seine eigene Karriere als evolutorisches Management betrachten. Das heißt, man sollte sich als sein eigener Manager sehen – mit allem, was dazugehört: Analyse, Planung, Realisierung, Kontrolle, Anpassung. Jeder Schritt, den ich tue, muss einen Beitrag liefern zur Zielerreichung. Dazu bedarf es eines hohen Maßes an Selbstreflexion. Es gilt, sich selbst zu verstehen, über seine Ziele nachzudenken, zu ergründen, wohin man will.

ONETZ: Genügt das für den Erfolg?

Stephan Thesing: Wichtig sind im Betrieb belastbare Netzwerke, informelle Gruppen, Menschen, die zu einem halten. Es bedarf dazu eines guten Stakeholder-Managements. Man muss sich fragen: Wer sind meine Unterstützer? Wer kann mir gefährlich werden? Wer ist ein Neider? Ganz zentral ist darüber hinaus, dass man seine eigenen Stärken erkennt und diese im Beruf bewusst einsetzen kann. Aber auch die Schwächen müssen erkannt werden. Für die benötigt man Lösungen.

ONETZ: Haben Sie dafür ein Beispiel?

Stephan Thesing: Wenn ich ein guter Stratege bin, der Visionen entwickeln kann, sich aber schwer tut bei der Umsetzung im Detail, benötige ich jemanden an meiner Seite, der das für mich erledigt. Wenn ich Karriere machen will, müssen die Schwächen kompensiert werden. Anders gesagt: Was ich nicht kann, muss ich so organisieren, dass es trotzdem läuft.

ONETZ: Das klingt nach kompletter Ausrichtung am beruflichen Erfolg. Ist denn Karriere wirklich so bestimmend im Leben? Oder sollte nicht besser die Familie über allem stehen?

Stephan Thesing: Dazu fällt mir ein Satz ein, der es aus meiner Sicht auf den Punkt bringt: Wenn ich wieder die Wahl hätte zwischen Karriere und Familie, ich würde wieder beides nehmen. Aber das ist eben eine große Herausforderung!

Stephan Thesing

ONETZ: Würden Sie einem wechselwilligen Menschen eher das große Unternehmen empfehlen, mit seinen Ränkespielen, taktischem Geklüngel und Hierarchie, oder eher den kleinen Betrieb mit einem Patriarchen und einer Chef-Sekretärin, die hinter den Kulissen das Zepter führt?

Stephan Thesing: Es gibt für beides gute Argumente. Der entscheidende Punkt ist, dass der Einzelne sich selbst darüber im Klaren ist, was er will. Er muss wissen, wo er seine Persönlichkeit am besten verwirklichen kann. Da wären wir wieder bei der Selbstreflexion.

ONETZ: Als Coach und Mentor begleiten Sie andere Menschen im Berufsleben. Was lernen Sie selbst dabei?

Stephan Thesing: Die Menschen, die sich als Klient oder Kunde an mich wenden, sind mit Unsicherheit konfrontiert und suchen Stabilität. Die Unsicherheit hat ihre Ursachen zum Beispiel in drohender Arbeitslosigkeit oder in bevorstehenden Karrieresprüngen. Wie soll ich mich verhalten? Was ist richtig, was falsch? Hat man Antworten darauf, gibt das Stabilität. Was ich persönlich lerne, wenn ich Menschen begleite? Ich lerne dabei, dass Stabilität nicht umsonst zu haben ist, sondern jeden Tag neu erarbeitet werden muss. Dafür gibt es kein Schema F. Jeder Lebensweg ist individuell.

Hintergrund:

Zur Person

Stephan Thesing ist Diplom-Kaufmann, Systemischer Berater, Trainer und Coach sowie Mediator. Er stammt aus Norddeutschland und lebt seit 21 Jahren in Weiden/Oberpfalz. Vor seinem BWL-Studium absolvierte er eine Berufsausbildung bei OTTO in Hamburg. Im Anschluss war er in führenden Positionen im Personalwesen tätig, unter anderem als Leiter des Personalmarketings bei der Witt-Gruppe in Weiden und Personalchef der Firma Frankonia in Würzburg. Heute betätigt sich der 51-Jährige unter anderem als Berater in der Personalentwicklung und steht Fach- und Führungskräften in der Karriereplanung und als Mentor zur Seite.

Denkraum - Konzepte für Personalentwicklung: Die Website von Personalberater Stephan Thesing.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.