17.08.2018 - 14:20 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Eilgeburt im Schlafzimmer

Nein, so war das nicht geplant. Zuzana Veresová bringt am Donnerstagnachmittag ihr Kind daheim am Hammerweg zur Welt. Das Schlafzimmer wird zum Kreißsaal. Das Wohnzimmer zur Kinderstation. Alles geht so schnell, dass Ehemann David keine Chance hat, seine Frau noch in die Klinik zu bringen.

Eine schöne Familie: David und Zuzana Veraz mit den Söhnen Daniel (links) und Nikolas.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Weiden.(ca) Mittwoch, kurz nach 13 Uhr. David Veres, beruflich tätig im Centrum Bavaria Bohemia in Schönsee, kommt nach Hause. In einer Woche soll er zum zweiten Mal Vater werden. Als Termin wurde der 24. August berechnet. Es kommt alles ganz anders. David findet seine Frau in der Wohnung am Hammerweg auf dem Boden vor. "Ich habe schnell gemerkt, dass es keinen Sinn mehr hat, sie zum Auto zu bringen." Der 38-Jährige wählt den Notruf. Um 13.28 Uhr trifft der Rettungsdienst des Roten Kreuzes ein. "Die wenigen Minuten bis zum Eintreffen des Notarztes haben sich angefühlt wie ein halber Tag."

Was dann passiert, dafür möchte sich der frisch gebackene Vater noch einmal herzlich bedanken. "Das war ein super eingespieltes Team." Der Notarzt und die Rettungsassistenten haben ausrüstungsmäßig "das halbe Krankenhaus samt Inkubator" dabei, für alle Fälle. Acht, neun Helfer füllen die Wohnung am Hammerweg. Das Schlafzimmer wird zum Kreißsaal umgebaut. Die Geburt begleitet Notarzt Dr. René Meichner. Aus dem Kreißsaal eilt Hebamme Melanie Burger herbei.

Kinderarzt kommt ins Haus

Aus der Kinderklinik fährt der Leitende Oberarzt, Dr. Klaus Adam, zum Hammerweg. Im Wohnzimmer wird der Esstisch abgeräumt. Hier richtet sich Kinderarzt Adam ein, der das Neugeborene sofort durchcheckt. Nach nur 30 Minuten ist er schon da: Nikolas Veres erblickt um 14.06 Uhr das Licht der Welt. Bei bester Gesundheit. 3120 Gramm schwer, 51 Zentimeter groß.

Überraschend zur Geburtshelferin wird Nichte Dominika. Die pharmazeutisch-technische Assistentin aus Weiden sollte eigentlich auf Cousin Daniel (fast 5 Jahre) aufpassen, wenn Zuzana Veresová entbindet. Sie hielt sich seit zwei Wochen in Bereitschaft. Am Donnerstagnachmittag ist sie plötzlich live dabei und wird eingespannt. In der Mikrowelle macht sie Handtücher für das Baby warm. Im Januar erwartet sie selbst ein Kind. "Das war eine gute Vorbereitung."

Wohlauf werden Mutter und Kind die wenigen Kilometer ins Klinikum gebracht. Die Fahrt mit Blaulicht und Martinshorn sorgt für einiges Aufsehen. Man fährt in Kolonne. Der Sanka voraus. Der Notarztwagen hält an den Kreuzungen bei der Thermenwelt und beim Klinikum den Verkehr auf, damit auch der Papa im Privatauto folgen kann.

Erster Weg: Standesamt

Am Freitag sitzt zwar der Schreck bei Zuzana Veresová noch in den Knochen: "Ich hatte anfangs schon Angst." Aber die Freude über den kerngesunden Zweitgeborenen ist sehr groß. Kliniksprecher Michael Reindl kommt zum Gratulieren. Brüderchen Daniel, bald Vorschulkind im Kindergarten St. Konrad, hält den kleinen Bruder wie ein Profi im Arm. Zuzana (28) und David stammen beide aus Tschechien. Davids Familie ist schon vor der Wende übergesiedelt. Er hat an der Fachhochschule in Weiden studiert und später in Pilsen gearbeitet. Dort lernte er Zuzana kenne, die gerade ihr Soziologie-Studium in Prag abgeschlossen hat.

Auch wenn das nicht ganz so geplant war: "Wer kann heute noch behaupten, zu Hause geboren zu sein?", sagt Papa David. Am Freitag macht er sich auf den Weg ins Standesamt, um den jüngsten Weidener anzumelden. Und auch dort macht man große Augen.

Daniel mit Brüderchen Nikolas.

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