15.07.2019 - 10:24 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Einbrecher haben Pilspubs im Visier

Mit vier Einbrüchen in Weidener Pilspubs verschaffen sich zwei Brüder Geld für ihre Drogen. Bei drei Raubzügen im Januar erbeuten sie Geld im hohen dreistelligen, einmal sogar im vierstelligen Bereich. Nun stehen sie in Weiden vor Gericht.

Symbolbild.
von Autor hczProfil

Erheblich höher war der jeweils entstandene Schaden, den sie an den Türen und Fenstern sowie bei den brachialen Aufbrüchen der Geldspiel- und Dart-Automaten in den Lokalen verursachten. Einen Einbruch brachen die beiden Ledigen ab, weil sie den Wirt schlafend in seiner Gaststätte vorfanden.

Seit Januar sitzen die 33 und 35 Jahre alten Männer in Untersuchungshaft. Am Freitag standen sie nun vor dem Schöffengericht. Die vier geschädigten Gaststättenbetreiber schilderten ihre Verluste, die nur teilweise von Versicherungen getragen wurden. Ein Polizeioberkommissar berichtete, wie man den Einbrechern auf die Spur gekommen war. Videoaufzeichnungen aus einem Pilspubs und die markante Jacke eines der Täter hatten die Männer überführt. Außerdem hatten Beamte bei einer Fahndung nach Einbrechern in einer Bäckerei einmal den Rucksack des 33-Jährigen kontrolliert und darin Einbruchswerkzeug gefunden. Mit dieser Tat hatten die Angeklagten zwar nichts zu tun gehabt, jedoch wusste die Polizei seitdem, dass sie für derartige Taten in Frage kommen.

Dr. Thomas Wenske vom forensischen Institut der Universität Erlangen hatte die Beschuldigten untersucht und war zu dem Schluss gekommen, dass beide seit ihrer frühen Jugend schwerst drogenabhängig sind. Angefangen hatte es mit Marihuana und Crystal. Wenig später, nach mehreren Hafterfahrungen und einer Rückkehr ins „Milieu“ nach Weiden, seien sie zu intravenösem Konsum von Heroin übergegangen. Bis zu 5000 Euro seien pro Monat für Rauschgift benötigt worden. Durch gemeinsame Benutzung von Spritzen in den Justizvollzugsanstalten seien beide an Hepatitis C erkrankt. Ohne Therapie in einer geschlossenen Heilanstalt sei die Wiederholungswahrscheinlichkeit für Straftaten „nahezu bei 100 Prozent“, so der Gutachter. Er empfahl, obwohl der ältere der Angeklagten schon zwei derartige Therapien hinter sich hat, auch diesem nochmals eine letzte Chance zu geben.

Staatsanwältin Sandra Dechant kreidete den zuletzt in Weiden wohnhaften Männern das rabiate Vorgehen bei ihren Straftaten an. Elf und zwölf Vorstrafen, sämtliche im Zusammenhang mit Rauschgift-Beschaffungskriminalität, sprachen zudem dafür, dass die Taten unter erheblichem Suchtdruck begangen worden waren. Zugute hielt Dechant den Männern, dass sie schon bei den polizeilichen Vernehmungen ihre Taten zugegeben hatten.

Die Verteidiger Bernd Ostheimer (Hof) und Thomas Bäumler wiesen darauf hin, dass ihre Mandanten ihren Raubzug sofort abgebrochen hatten, als sie einen Menschen in der Lokalität vorgefunden hatten. Zudem beantragten die Rechtsanwälte geringere Strafen als von Staatsanwältin Dechant gefordert, so dass die Verurteilten sofort auf Therapie gehen könnten. Richter Hubert Windisch und die zwei Schöffinnen verurteilten den jüngeren Angeklagten zu dreieinviertel Jahren Freiheitsstrafe, den Älteren zu drei Jahren und neun Monaten. Beide kommen alsbald in die geschlossene Psychiatrie zur Behandlung ihrer Suchterkrankungen. Wenn sie die 18 Monate dauernde Maßnahme erfolgreich durchstehen, können sie mit einer Haftentlassung nach der Hälfte der ausgeurteilten Zeit rechnen. Beim älteren Süchtigen ist es die dritte dieser knapp 200.000 Euro teuren Therapien. Ein großer Vorteil für die Verurteilten ist, dass im sogenannten Maßregelvollzug ihre Hepatitis-C-Erkrankung behandelt wird – eine Therapie die sehr Erfolg versprechend ist, bis zur völligen Ausheilung. Außerhalb der Anstalten werden die notwendigen Medikamente von den Krankenkassen nicht – oder nur sehr widerwillig – übernommen, berichtete Wenske.

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