17.08.2018 - 16:45 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Einmarsch in Prag - Demo in Weiden

In der Nacht zum 21. August 1968 marschieren Truppen des Warschauer Paktes in der Tschechoslowakei ein. Das lässt viele Bürger in Weiden und Umgebung nicht kalt.

Vereint im Protest: Hunderte von Bürgern beteiligten sich am 23. August 1968 in Weiden an der Demonstration gegen den Einmarsch in der Tschechoslowakei. Mit dabei auch der spätere Kulturamtsleiter Bernhard M. Baron (vordere Reihe mit Brille und verschränkten Armen), der in den Folgejahren enge Kontakte zu Schriftstellern aus dem Nachbarland auf- und ausbaute.
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Weiden. (ps) Das Schülerforum Weiden rief für Freitagabend, 23. August 1968, zu einer Sympathiekundgebung für das tschechoslowakische Volk und zu einem Protest gegen die Gewalt vor dem Alten Rathaus auf. Und viele Bürger folgten diesem Aufruf. "At zije svoboda! Es lebe die Freiheit! In übergroßen Lettern standen diese Worte auf einem Transparent", berichtet der "Neue Tag" am 24. August. ",Russen raus! Russen raus!' klang es aus vielen Kehlen, rhythmisch und zornig, trotzig und ohnmächtig zugleich." Auch die Rufe "Dubcek, Dubcek" und "Svoboda" hallten über den Platz.

"Der neue Tag" hatte bereits kurz nach dem Einmarsch der Militärs im Nachbarland ein Extrablatt herausgebracht. "Wir waren mit hoher Wahrscheinlichkeit eine der ersten, wenn nicht die einzige Zeitung in Deutschland mit einem Extrablatt zum Einmarsch in der Tschechoslowakei", erinnert sich Altverleger German Vogelsang. Er war damals selbst als Reporter an der Grenze aktiv.

Das Besondere an dieser Demonstration, die mehrere hundert Menschen in die Weidener Altstadt lockte: Der Protest ging über Parteigrenzen hinweg. Der damalige Bundestagsabgeordnete Franz Zebisch (SPD), zugleich Vorsitzender des Kuratoriums Unteilbares Deutschland, verurteilte "den Überfall auf die CSSR als reine Strafexpedition". CSU-Fraktionsvorsitzender August Lang bedauerte: "In dieser Stunde stehen wir ohnmächtig den Geschehnissen gegenüber. Es bleibt bei moralischer Hilfe." Zu den Rednern zählte auch der damalige bayerische Bezirksleiter der IG Chemie, Alfred Kunzmann, der erst am Nachmittag mit einer Delegation aus Prag zurückgekehrt war. Er lieferte den Anwesenden Erkenntnisse aus erster Hand. Für das Schülerforum, das eine Gruppe politisch interessierter Gymnasiasten in den 60er Jahren ins Leben gerufen hatte, trat Ex-Sprecher Helmut Bäumler (siehe unten) ans Rednerpult. Er nannte den Weidener Protest ein Mosaiksteinchen im Gesamtbild der weltweiten Demonstrationen gegen das brutale Vorgehen der Sowjets. Ebenso wie CSU, SPD und DGB hatte auch der FDP-Kreisverband seine Mitglieder zur Teilnahme an der vom Schülerforum initiierten Protestkundgebung aufgerufen.

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