26.08.2019 - 17:21 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Elektrische Zentrale für den gesamten Park

Totgesagte Hütten stehen länger. Nach drei Stadtratsbeschlüssen sollte das Handreinigerhäuschen im Park längst abgerissen sein. Jetzt liefert die CSU triftige Gründe für den Fortbestand.

Auch nach drei Beschlüssen zum Abbruch steht das Handreinigerhäuschen im Park noch. Jetzt unternimmt die CSU einen Vorstoß zur Renovierung. Derweil haben Bauhof-Mitarbeiter die Fassade auf einer Seite schon mal frisch gestrichen.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Marode soll es sein? Bisher überstand das unansehnliche Handreinigerhäuschen im Max-Reger-Park gleich mehrere politische Breitseiten binnen eines Jahres. Im Ferienausschuss 2018 fiel der erste Beschluss, es abzureißen. Einstimmig. Passiert ist nichts. Auch nach einem zweiten einstimmigen Beschluss im Bauausschuss im Juni blieb der "Schandfleck" (SPD-Stadträtin Hildegard Ziegler). Im Juli beschäftigte sich schließlich der Bauausschuss ein zweites Mal mit der Hütte, nachdem Baudezernent Oliver Seidel sie als unverzichtbar darstellte. Diesmal votierten alle außer den drei CSU-Räten für den Abbruch. Aus der selben Ecke kommt jetzt ein Vorstoß, der sogar den Erhalt des Häuschens zum Ziel haben könnte.

"Auf Grundlage eines Gutachtens des Ingenieursbüros Schindler, in dem eine gute Bausubstanz und überschaubare Kosten für eine Instandsetzung attestiert wurden, ist eine Weiternutzung des Häuschens vorgeschlagen worden", erinnert CSU-Fraktionsvorsitzender Markus Bäumler in einem erneuten Antrag an die Juli-Sitzung. Jetzt gebe es einen neuen Stand: "Nun hat sich zusätzlich herausgestellt, dass wohl die gesamte elektrische Steuerung des Parks in diesem Häuschen zusammenläuft. Bei einem Abbruch müssten deshalb auch hierfür Alternativen geschaffen werden, was unserer Ansicht nach die Folgekosten für Ersatzbauten und -lösungen weiter unverhältnismäßig in die Höhe treiben würde." Die Kosten würden den Nutzen bei weitem übersteigen.

"Wir wollen das einfach nochmal abgeklärt haben", begründet Bäumler die Initiative gegenüber Oberpfalz-Medien. Falls sich bewahrheite, dass das Häuschen die Elektrik-Zentrale des Parks ist, "wäre es absoluter Wahnsinn, es abzureißen. Dann nageln wir uns Kosten ans Bein..."

Deshalb spielt Bäumler den Ball nun zurück an den Bauausschuss, der das nächste Mal am 11. September zusammenkommt. Nach CSU-Willen soll die Verwaltung einen genauen Kostenplan für den Abbruch sowie für Ersatzbauten für Mitarbeiter und Geräte vorlegen – und auch für "die dann notwendige Einrichtung einer neuen elektrischen Steuerung der Parkbeleuchtung". Zudem wünscht sich Bäumler eine Aufstellung der Kosten für eine Renovierung. Möglicherweise könnte der Bauhof hier sogar selbst zur Tat schreiten.

Auf die Elektrik hat Baudezernent Oliver Seidel in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses nicht verwiesen, wohl aber auf andere Verwendungen, die das Gebäude "nicht entbehrlich" machten: Die Handreiniger bräuchten einen Aufenthalts-, die Gerätschaften einen Abstellraum. Dagegen wollen die Stadträte Platz schaffen, um den angrenzenden Kinderspielplatz erweitern zu können.

Kommentar:

Unkaputtbar

Dass das hässliche Häuschen im Park nicht schon längst dem Erdboden gleichgemacht ist, darüber zeigten sich die Stadträte schon in der Juni-Sitzung des Bauausschusses leicht verärgert. Zwei einstimmige Beschlüsse zum Abriss hatte es bis dahin überstanden. Dafür gab es Kritik an der Verwaltung. Tatsächlich legte sich der Baudezernent nochmals mächtig ins Zeug für die Handreiniger, die das Gebäude als Aufenthaltsraum und Geräteschuppen bräuchten. Es nutzte nichts: Beschluss Nummer drei für den Abbruch.
Nun folgt die nächste Stufe des Treppenwitzes. Nach CSU-Erkenntnissen verbirgt sich mehr in der heruntergekommenen Hütte als bisher bekannt. Die elektrische Schaltzentrale für den gesamten Park soll sie sein. Das entscheidende Argument für den Fortbestand? Der Bauausschuss muss sich erneut mit dem offenbar unkaputtbaren Häuschen beschäftigen. Stefan Rank (Bürgerliste) war es dabei schon beim letzten Mal zu viel der Diskussion. „Man bekommt fast den Eindruck, wir wollten den Bauhof abreißen“, ätzte er. Nun steht die Hütte immer noch – und der Abbruch schon wieder auf einer Tagesordnung.

Ralph Gammanick

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