Weiden in der Oberpfalz
04.04.2019 - 17:39 Uhr

Elektro-Tretroller: Polizei warnt vor kleinen Flitzern

Elektro-Scooter sind ein Riesenspaß - auch für Kinder. Der Nutzen der Flitzer ist auch der Politik nicht entgangen, so dass diese eine Zulassung für den Straßenverkehr plant. Doch die flinken Roller sind "nicht ohne", warnt die Polizei.

Noch ist das Fahren mit den E-Tretrollern nur auf dem Privatgelände erlaubt. Bald sollen die Zweiräder mit bis zu 20 Kilometern pro Stunde durch die Gegend flitzen dürfen. Wie das wohl wird, darüber grübeln derzeit Polizei, Händler und Versicherer. Bild: Gabi Schönberger
Noch ist das Fahren mit den E-Tretrollern nur auf dem Privatgelände erlaubt. Bald sollen die Zweiräder mit bis zu 20 Kilometern pro Stunde durch die Gegend flitzen dürfen. Wie das wohl wird, darüber grübeln derzeit Polizei, Händler und Versicherer.

Einige Kinder düsen bereits munter damit durch die Gegend. Erlaubt ist das bislang nicht. Künftig soll sich das ändern. Wer mindestens zwölf Jahre alt ist, soll mit bis zu 12 Kilometern pro Stunde ohne Helm oder Prüfbescheinigung über die Straßen flitzen dürfen. Ab dem 14. Lebensjahr sollen Elektrotretroller mit bis zu 20 Sachen erlaubt sein.

Doch die kleinen Scooter sind "nicht ohne", weiß Polizeihauptkommissar Hans Wurm, Verkehrssachbearbeiter der Inspektion Weiden. Sie erforderten genaue rechtliche Regelungen zum Beispiel in Sachen zulässige Maße, technischer Zustand, Versicherung. Wurm weiß: "Wer Carbonbremsen betätigt, muss aufschauen, dass er nicht über die Lenkstange absteigt." Auch der hohe Lenker und der kurze Radstand machten die Beherrschung schwierig.

In Weiden gab es zwar bisher noch keine Vorfälle: "Die Scooter dürfen ja nur im privaten Grund genutzt werden. Wenn da was passiert, wird kaum einer die Polizei rufen", sagt Wurm. Bevor er abschätzen kann, wie gefährlich diese wirklich für Fußgänger und Straßenverkehr werden können, will er erst einmal die endgültig beschlossenen Bestimmungen lesen. Gerade wer wo wie schnell fahren darf, interessieren ihn.

Noch gibt es keine eigene Straßenzulassung für die E-Scooter. "Sollte ein Fahrer jetzt schon in der Öffentlichkeit angetroffen werden, drohen ihm drei Punkte in Flensburg," erklärt Wurm. Je nach Einzelfall können Staatsanwaltschaft oder Führerscheinbehörde Minderjährigen auch eine Sperre für die Fahrprüfung auferlegen (siehe Nachgefragt). Die Eltern hätten gegenüber ihren Kindern eine Garantenpflicht und müssten im Schadensfall haften. "Rein formell informieren wir auch das Jugendamt, aber die haben in der Regel Wichtigeres zu tun, als sich um Kinder auf Rollern zu kümmern."

Die Versicherungsgesellschaften warten noch die genauen gesetzlichen Regelungen ab. Kommunikationsbeauftragte Karin Benning von Huk-Coburg erklärt: "Wir verfolgen das weitere Gesetzgebungsverfahren. Vor dessen Abschluss werden wir keinen Versicherungsschutz für E-Scotter anbieten."

Das Interesse der Weidener Zweiradmärkte hält sich in Grenzen. Keiner führt nach einer Blitzumfrage von Oberpfalz-Medien augenblicklich Elektro-Tretroller oder plant eine zeitnahe Anschaffung. Einzig ein großer Elektromarkt bietet die E-Scooter an und plant wegen der Zulassung eine Ausweitung des Angebots. Siegfried Weitensteiner vom gleichnamigen Zweiradgeschäft äußert sich eher skeptisch hinsichtlich der neuen Zulassung: "Für Mofas brauche ich einen Führerschein. Aber sobald irgendwo Elektro draufsteht, ist alles problemlos möglich." Er wird die neuen Geräte nicht anbieten: "Wenn ich was verkaufe, biete ich auch den Service mit an. Die Anschaffungen für die Prüfung von Elektro-Maschinen würden sich nicht rentieren."

Nachgefragt:

Immer mehr fahren ohne Fahrerlaubnis

Über dieses Phänomen staunt auch Gerichtssprecher Matthias Bauer. 2019 entwickelt sich im Amtsgerichtsbezirk Weiden bisher zum Jahr des Fahrens ohne Fahrerlaubnis. 2018 verzeichneten die Juristen 78 Verfahren, davon waren in 21 Fällen Jugendliche betroffen. Das reicht vom auffrisierten Mofa über illegale Spritztouren mit Papas Auto – jüngst zwei Geschwister in Eschenbach – bis zu Unbelehrbaren, die sich ans Steuer gesetzt haben, obwohl der Führerschein wegen Alkohol oder zu hoher Geschwindigkeit für einige Monate eingezogen war. Das erste Quartal des laufenden Jahres deutet auf einen neuen Höchststand hin. Bis Ende März sind bereits 49 Verfahren verzeichnet, 6 betreffen Jugendliche. Rechnet man dies hoch, würde sich die Quote bis Ende Dezember im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt haben.

„So richtig erklären kann das keiner“, sagt Bauer. Unwahrscheinlich sei auch, dass dafür vermehrt Elektro-Tretroller infrage kämen.

 
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