08.07.2018 - 13:55 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Ende eines Erfolgsmodells?

Die Wirtschaft sucht händeringend Facharbeiter. Naheliegend war es deshalb, Frauen in Teilzeit in einem industriellen Fertigungsberuf auszubilden. Doch diese Arbeitsmarktreserve scheint erschöpft.

Stolz zeigt Madeleine Busch (Zweite von links) den von ihr selbstständig ausgestatteten und geprüften Schaltschrank. Er ist für eine Keramikproduktion in Portugal vorgesehen. Mit dabei ihr Fertigungsleiter Tobias Busch von der Lippert GmbH & Co KG sowie Christine Ritter vom ÜBZO in Weiden und Christina Schönberger vom Jobcenter Weiden-Neustadt (Dritte und Vierte von links)
von Siegfried BühnerProfil

(sbü) Seit gut sechs Jahren werden auf Initiative der Arbeitsagentur Weiden und des Jobcenters Weiden-Neustadt im Überbetrieblichen Bildungszentrum Ostbayern (ÜBZO) Frauen in Teilzeit zu Industrieelektrikerinnen und -Elektronikerinnen ausgebildet. Jahr für Jahr haben mehr als zehn Frauen diese zwei- oder dreijährige Ausbildung abgeschlossen.

Bei Arbeitgebern haben sie offene Türen gefunden, obwohl wegen der Betreuung von Kindern Kompromisse in der Lage der Arbeitszeit notwendig waren. Teilzeitausbildung, meist für Alleinerziehende, für Teilzeitarbeitsplätze in der industriellen Produktion galt als langjähriges Erfolgsmodell. Die Initiatoren wiesen immer wieder darauf hin, dass sich mit diesem Modell in idealer Weise die Bedürfnisse der Wirtschaft mit den persönlichen Bedürfnissen von alleinerziehenden Frauen in Übereinstimmung bringen lassen.

Eine der letzten Absolventinnen der Elektronikerinnen-Ausbildung ist Madeleine Busch aus Weiden. Ähnlich wie ihre Vorgängerinnen hatte sie Anfang dieses Jahres rasch einen Arbeitsplatz gefunden. Täglich pendelt die Elektronikerin zum Maschinenbauer Lippert GmbH & Co KG nach Pressath. Ihr Fertigungsleiter Tobias Busch ("zufällig gleichnamig") lobt die Mitarbeiterin als "absolut gleichwertig mit allen anderen Gesellen". Die nur sechsstündige Arbeitszeit von 8 bis 14.15 Uhr sei kein Problem. Am Nachmittag muss sich Madeleine Busch um die Hausaufgaben ihrer Tochter kümmern.

Bei Lippert stattet sie Schaltschränke komplett mit Elektronikteilen aus und arbeitet laut Fertigungsleiter "absolut selbstständig". "Die Arbeit ist sehr abwechslungsreich, weil jeder Auftrag anders ist" bemerkt Madeleine Busch dazu. Zum 2. Juli bekommt sie eine weitere Kollegin aus dem Industrie-Elektrikerinnen-Lehrgang beim ÜBZO. Rasch hat Lippert auf eine "frische" Absolventin zugegriffen "weil wir als stark wachsendes Unternehmen einen großen Kräftebedarf haben", so der Fertigungsleiter Busch. Doch Aussicht auf weitere Einstellungen aus diesen Ausbildungsgängen hat er vorerst nicht.

Denn dieser Ausbildung droht das Aus. Zum 1. September soll ein neuer Lehrgang beginnen. Doch die Teilnehmerliste weist noch keinen einzigen Namen auf. "Wir finden einfach keine Teilnehmerinnen mehr", sagt Christina Schönberger, Beauftragte für Chancengleichheit beim Jobcenter Weiden-Neustadt. Frauen, die für eine Teilnahme in Betracht kämen, hätten es derzeit sehr leicht, eine bezahlte Tätigkeit zu finden.

Lehrgangsleiterin Christine Ritter vom ÜBZO hat seit Monaten schon viele vergebliche Versuche zur Teilnehmergewinnung gestartet. Mit der Öffnung des Lehrgangs auch für weibliche und männliche Vollzeitkräfte wollen nun die Organisatoren einen weiteren "Rettungsversuch" unternehmen.

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